Niedergösgen

Wer wird Gemeindepräsident? – Roberto Aletti und Andreas Meier gehen ins Rennen

Roberto Aletti (links) lebt seit fast 25 Jahren in Niedergösgen. «Ich bin hier verwurzelt», sagt er. Andreas Meier (rechts) ist in Niedergösgen geboren und aufgewachsen: «Wir müssen offen sein für alles.»

Roberto Aletti (links) lebt seit fast 25 Jahren in Niedergösgen. «Ich bin hier verwurzelt», sagt er. Andreas Meier (rechts) ist in Niedergösgen geboren und aufgewachsen: «Wir müssen offen sein für alles.»

In drei Wochen, am 23. September, wählen die Niedergösger ihren neuen Gemeindepräsidenten. Die beiden Kandidaten Roberto Aletti und Andreas Meier stehen zur Wahl.

Roberto Aletti (62, CVP)

«Ein Brückenbauer für Niedergösgen.» Roberto Aletti hausiert gerne mit seinem Slogan. In den vergangenen Wochen verteilte er an Standaktionen seine Flyer – im klassischen CVP-Orange gehalten mit einigen blauen Tupfern. Er kletterte eigenhändig auf die Leiter, um die Plakate mit seinem Gesicht drauf in der Gemeinde aufzuhängen. Und er stellte sich an selbst organisierten Podiumsdiskussionen vor die Bevölkerung Niedergösgens. Fragt man nach seinen Werten, Zielen und Plänen, lautet die Antwort jeweils: «Ich will ein Brückenbauer sein.»

Darunter stellt sich der 62-Jährige eine fundamentale Veränderung der Gemeinde vor: «Die braucht es. Ich will die Leute zusammenbringen und motivieren», sagt Aletti. Brücken bauen also. Er habe nach den letzten Wahlen die Unzufriedenheit bei der Bevölkerung gespürt. Das habe ihn zur eigenen Kandidatur motiviert. Aletti: «Wenn man unzufrieden ist, dann hat man die Möglichkeit, etwas zu bewegen.»

Als Niedergösger Gemeindepräsident möchte Aletti, der in Olten und Dulliken aufgewachsen ist, auch die Parteien an einen Tisch bringen. «Ich will, dass an den nächsten Wahlen wieder alle Parteien mit einer eigenen Liste teilnehmen.» Es sei wichtig, alle Meinungen sichtbar zu machen. Auch hier: Brücken bauen. Das sei die Basis für die Demokratie.

Er ist fasziniert und begeistert vom politischen System der Schweiz. «Ich bin als Kind von Italienern zwar hier geboren, habe aber von klein auf die verschiedenen Kulturen mitbekommen.» Das Schweizer System sei ausserordentlich gut und unterstützenswert. Auch deshalb kandidiert Aletti für das Amt des Gemeindepräsidenten. Um dem Stimmvolk eine Auswahl zu bieten.

Und Aletti sucht die Herausforderung: Noch ist er politisch unerfahren, hatte bisher kein offizielles Amt inne. «Ich bin ein Quereinsteiger», sagt der selbst ernannte Brückenbauer. Er sei eigentlich kein Verkäufer. Das habe er aber während des Wahlkampfs lernen müssen, schliesslich sei es die Hauptaufgabe eines Präsidenten, die Gemeinde gut nach aussen zu vertreten. Und für diese Herausforderung würde er gar sein Arbeitspensum seines Jobs als Einkäufer bei Blaser Swisslube, ein Schmiermittelhersteller in Rüegsau im Emmental, auf 40 Prozent reduzieren.

Aletti lebt seit fast 25 Jahren in Niedergösgen. «Ich bin hier verwurzelt.» Seine beiden Töchter sind im Dorf aufgewachsen, engagieren sich in der Pfadi und im Turnverein. Der Vizepräsident der lokalen CVP hat sie christlich erzogen. Die Werte der Partei würden mehrheitlich den seinigen entsprechen. Auch wenn der Flyer des Kandidaten anderes verspricht: Transparente Informationen, ein offenes Ohr für die Bürger und Brennpunkte thematisieren.

Aletti: «Bei der Ortsplanrevision ist etwa meine Devise: Vorwärtsmachen und zu einem Ende kommen.» Weiter will der Familienvater die Verkehrssituation im Dorfzentrum verbessern, mehr Einkaufsmöglichkeiten schaffen sowie Alternativen fürs Wohnen im Alter finden. «Noch habe ich keine perfekten Lösungen parat», sagt Aletti. Diese werde er aber zusammen mit den Kommissionen, Behörden und mit den Bürgern finden. Indem er Brücken baut, natürlich.

Andreas Meier (58, parteilos)

«Andi bi de Lüt.» Andreas Meier setzt alles auf eine Karte. Seit Wochen tritt er an Podiumsdiskussionen auf, besucht die lokale Feuerwehr, verschickt Flyer an alle Haushalte, organisiert eine «After Work»-Party für die jungen Niedergösger. Er lächelt von riesigen Plakatwänden herunter auf seine Gemeinde. Er will nahe «bi de Lüt» sein. «Man könnte meinen, ich wolle Bundesrat werden», sagt Meier grinsend.

Den intensiven Wahlkampf liess sich der 58-Jährige einiges kosten. Er engagierte eine Kommunikationsexpertin, mit der er jeden Schritt bespricht und analysiert. «Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig», sagt Meier, der von 1981 bis 1993 und nun seit zwei Jahren im Niedergösger Gemeinderat sitzt. In den nächsten drei Wochen werde er «nochmals einen Zacken zulegen». Noch mehr Plakate sollen aufgehängt werden. Und der Bauunternehmer will mit Vorurteilen aufräumen: «Mir wird immer wieder vorgehalten, als Gemeindepräsident würde ich dann alle Bauaufträge meiner Firma zuschaufeln.» Das sei falsch. Sollte er gewählt werden, würde er ja sowieso unter Dauerbeobachtung stehen. Zudem müsse er bei solchen Geschäften jeweils in Ausstand treten.

Meier hatte die Andreas Meier AG in den vergangenen 36 Jahren vom kleinen Bauunternehmen zum Grossbetrieb mit 65 Mitarbeitenden aufgebaut. Mittlerweile ist er nur noch als Verwaltungsratspräsident tätig. Zeit für die Gemeinde hätte Meier also. Und sollte es mit der Wahl nicht klappen: «Ich würde am Montag nach dem Wahlsonntag um sechs Uhr am Schreibtisch in meinem Büro sitzen», sagt der Geschäftsmann. Und seine Bekanntheit würde er sich ebenfalls zunutzen machen: «Als Werbung für meine Firma.»

Von Gerüchten, Vorverurteilungen oder auch vom Gegenkandidaten Roberto Aletti lässt sich der gebürtige Niedergösger aber nicht einschüchtern: «Mich kann man nicht manipulieren. Ich will ein Gemeindepräsident für alle sein.» Auch für diejenigen, die ihn nicht wählten. «Andi bi de Lüt» halt. Die Themen der kommenden Jahre seien «zu ernst». Da brauche es einen Präsidenten, der die Sachgeschäfte der Gemeinde bereits kenne. «Einen wie mich», so Meier.
Die Ortsplanrevision, der Verkehr, das Gewerbe liegen dem Familienvater am Herzen. Meier: «Das Amt des Präsidenten zu übernehmen, bedeutet, einen Betrieb zu führen.» Er hätte sich nicht zur Wahl gestellt, ohne die aktuellen Themen zu kennen. Dafür seien die anstehenden Geschäfte zu komplex, sagt Meier. Unter ihm soll das Dorf wieder zusammenrücken. «Sonst ist es nicht mehr mein Dorf». Weiter wünscht er sich von den Niedergösgern noch mehr Offenheit: «Wir müssen offen sein für alles: für eine Multikulti-Gesellschaft, fürs verdichtete Bauen, für die Jugendförderung.»

Als Parteiloser hat Meier keine Partei im Rücken, die ihn stärken oder schützen könnte. «Es wäre mir unheimlich, wenn ich wüsste, dass eine oder gar mehrere Parteien Erwartungen an mich hätten», sagt Meier in Anspielung auf seinen Kontrahenten Roberto Aletti, der von den Ortsparteien unterstützt wird. Er setze auf Sach- statt Parteipolitik. Schliesslich wolle er ja Politik nahe «bi de Lüt» betreiben.

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