Niedergösgen
Wenn Trump ins Niederamt lockt

Am 17. Gewerbetreff in Niedergösgen konnten die Referenten das Publikum mit spannenden Themen überzeugen.

Kelly Spielmann
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Gemeindepräsident Kurt Henzmann (links) mit den Referenten Miriam Ragaz-Gassler (Mitte) und Stephan Klapproth.

Gemeindepräsident Kurt Henzmann (links) mit den Referenten Miriam Ragaz-Gassler (Mitte) und Stephan Klapproth.

Markus Müller

Am Gewerbetreff im Schlosshof Niedergösgen war am Freitag mit 111 Besuchern jeder Stuhl besetzt – ein Zuschauerrekord, wie Gemeindepräsident Kurt Henzmann voller Freude mitteilte. Grund dafür dürften unter anderem die beiden Referenten des Abends gewesen sein: Mit Miriam Ragaz-Gassler von der Gassler AG in Gretzenbach für den ersten sowie Stephan Klapproth für den zweiten Vortrag waren sowohl lokale als auch nationale Persönlichkeiten mit von der Partie.

Miriam Ragaz-Gassler lüftete in ihrer Präsentation das Geheimnis des Erfolgs der Gassler AG und erklärte, wie aus einem Kleinunternehmen ein mittleres Unternehmen wird. «Fit for Future», also fit für die Zukunft, müsse man dabei immer sein, so wie man das auch bei der Gassler AG sei. Das Familienunternehmen, welches zurzeit in der vierten Generation geführt wird, wurde von ihrem Urgrossvater Arnold Gassler gegründet. Schon dieser musste sich in schwierigen Zeiten von der Konkurrenz abheben.

Gelungen sei dies, indem er die richtigen Nischen wie beispielsweise das Bemalen von Bienenhäuschen gefunden hat, was ihm durch seine Immunität gegen Bienengift leichter fiel als anderen. So sei es nun vier Generationen später das Geschäft der Gassler AG, stets neue Nischen zu finden und abzudecken. «Wir überlegen uns immer wieder: Wo wollen wir hin? Und wie kommen wir dort hin?», erklärte Miriam Ragaz-Gassler. Durch das Erfolgskonzept, immer am Ball zu bleiben und neue Nischen zu finden, ist die Gassler AG von einem Kleinunternehmen zu einem mittleren Unternehmen mit 75 Mitarbeitenden geworden.

Die Gefahr der Trumpokratie

«Den nächsten Gast kennt ihr alle bereits aus euren Wohnzimmern», führte Gemeindepräsident Kurt Henzmann den zweiten Referenten ein. Dem war auch so: Stephan Klapproth hat wohl jedem Anwesenden schon zig Mal die SRF-Sendung «10vor10» präsentiert. Doch am Freitagabend erhielten die Besucher nicht eine Nachrichtensendung vorgetragen, sondern ein Referat unter dem Titel «Lügen haben kleine Hände: Wie gefährlich sind Trumpokratie und Populismus?»

Den Optimismus einiger, welche auf den neuen Präsidenten der USA mit «das wird schon gut kommen» reagieren, kann Klapproth nicht teilen – jedenfalls nicht einfach so. Klapproth analysierte während 45 Minuten, wie Trump trotz der offensichtlichen Lügen, welche er dem Volk in Form von Versprechen unterbreitete, eine Volksmehrheit gewinnen konnte, und griff dabei auf Konzepte der alten Griechen zurück. Denn die knackigste Form, Menschen von sich zu überzeugen, sei bereits diesen bekannt gewesen – Logos, Pathos und Epos habe es für die gelungene Kommunikation gebraucht.

So untersuchte er, ob «der gefährlichste Holzkopf der Gegenwart», welcher über die «Psyche eines abnorm heftig pubertierenden Jugendlichen und den Egoismus einer Megagalaxie» verfüge, diese drei Eigenschaften sein Eigen nennen könne.

Begonnen wurde mit dem Pathos – die Leidenschaft oder die Art, eine Botschaft, angereichert mit persönlichen Gefühlen, rüberzubringen. Als Hauptwaffe, um dies zu erreichen, werde laut Klapproth der Humor genutzt. Diesen könne Donald Trump in Interviews manchmal aufweisen und so die Situation entschärfen. Durch sein «galaktisches Ego» werde jedoch auch das Pathos Trumps wieder entschärft, wodurch es ihm nicht gelingen könne, die Leute langfristig hinter sich zu scharen.

Seine abgrundtiefe Verachtung gegenüber Menschen, die nicht seine Meinung teilen, mache so aus Gegnern Feinde – während man mit Gegnern bloss ringt, muss man Feine vernichten. Obwohl Klapproth verhindern wollte, dass sich jemand totlacht, analysierte er in einem nächsten Schritt Trumps Ethos – oder die Frage, ob jemand die Werte, die er vertritt, selber lebt. Kurz und knapp wurde dieser Punkt abgehandelt. Denn wer nicht über Werte verfüge, dem sei auch die Tugend des Ethos nicht in den Schoss gefallen.

Beim letzten Punkt, dem Logos, was nach Klapproth «Wort» oder «faktenlogische, glasklare Beschreibung» aber auch «Erzählung» bedeutet, konnte er Trumps Erfolgsgeheimnis aufdecken. Denn seiner Meinung nach sei der Mensch der geschichtenerzählende Affe, was sich Trump zu Herzen genommen habe. «Genauso wichtig wie die Tatsachen sind die Vorstellungen der Tatsachen», so Klapproth.

Und daher mache Trump seinen Job gut: Er erzählt eine bewegende Geschichte, die einerseits aus der Welt vor der Geschichte und andererseits aus der Handlung und folglich der Welt nach der Geschichte besteht. Diese drei Punkte zu vereinen, gelang Trump in einem einzigen Satz: «Make America Great Again». Hillary Clinton habe diesem mit ihrem Slogan «Ready for Hillary» nichts entgegenhalten können.

Wörter machen Welten

So ist Klapproth der Meinung, dass das Erzählen von Geschichten zu Trumps Erfolg geführt haben, so wie die Bevölkerung sie hören wolle – egal, ob sie wahr sind. Die Anfangsfrage, ob die Trumpokratie gefährlich sei, konnte von Klapproth bejaht werden. Denn: «Der Retter des Volks, der die Story so erzählt, wie er sie gerne hätte, den hatten wir doch schon mal», äusserte sich Klapproth, während hinter ihm Bilder von Hitler und Mussolini über die Wand flimmerten. «Man kann schon sagen, es handelt sich bei Trump nur um Wörter. Aber Wörter machen Welten», beendete er sein Referat unter tosendem Applaus. Danach machten sich die Besucher zum gemeinsamen Apéro im hinteren Bereich des Hofs auf.

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