Unteres Niederamt

Wenn Schulkinder kein Deutsch können

Schulpflichtig sind alle Kinder, aber nicht alle können genügend Deutsch für den normalen Schulunterricht.

Schulpflichtig sind alle Kinder, aber nicht alle können genügend Deutsch für den normalen Schulunterricht.

Die Gemeinden des unteren Niederamts prüfen die Möglichkeit einer regionalen Klasse für Kinder von Asylbewerbern. Dort sollen sie Deutsch lernen, bevor sie in die Regelklasse integriert werden.

«Die Lehrpersonen stossen an Grenzen.» Das sagt Dänikens Schulleiter Ruedi Rickenbacher. Däniken habe innert eines halben Jahres zehn schulpflichtige Kinder von Asylbewerbern ohne Deutschkenntnisse zugewiesen erhalten. Darunter befänden sich manchmal mehrere aus dem gleichen Schuljahr.

Zwar erhalten die schulpflichtigen Kinder von Asylbewerbern schon in den kantonalen Durchgangszentren Deutschunterricht. «Aber manchmal werden uns auch Kinder zugewiesen, die lediglich einige Wochen in einem Durchgangszentrum waren», berichtet Rickenbacher. Mit Kindern, die praktisch kein Deutsch verstehen und sprechen, werde es schwierig, den Unterricht sinnvoll zu gestalten.

«Es geht gar nicht mehr anders»

Die gleichen Probleme kennen die Schulen der benachbarten Gemeinden. Für Niedergösgens Gemeindepräsident Kurt Henzmann ist klar: «Die Situation belastet die Schulklassen viel zu stark. Die Asylbewerberkinder müssen zuerst genügend Deutsch lernen, bevor sie dem Unterricht in einer Regelklasse folgen können. Es geht gar nicht mehr anders.»

Jetzt haben die Schulleiter im Sekundarschulkreis unteres Niederamt (Däniken, Gretzenbach, Niedergösgen, Schönenwerd/Eppenberg-Wöschnau) eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Ruedi Rickenbacher eingesetzt. Die einzelnen Gemeinden sind zu klein, um für sich allein spezielle Klassen für Fremdsprachige zu bilden. Ziel ist darum eine regionale Klasse.

Das gleiche Thema haben die Gemeindepräsidenten oder ihre Vertreter an der letzten Asylkonferenz der Sozialregion Unteres Niederamt (Srun) vorgebracht, der zusätzlich die Gemeinden Erlinsbach SO, Kienberg, Rohr und Walterswil angehören.

Hans Ulrich Bürgi, Leiter der Geschäftsstelle der Srun, wurde beauftragt, in Absprache mit den Schulleitungen die Möglichkeit einer Regionalklasse für fremdsprachige schulpflichtige Kinder abzuklären. Derzeit wird die Meinung der Gemeinderäte eingeholt. Der Gemeinderat von Schönenwerd hat diese Woche die Idee grundsätzlich unterstützt, der Gemeinderat von Däniken hat sich schon früher positiv dazu geäussert.

Im Gemeinderat Schönenwerd wurde eine kostengünstige Lösung gewünscht, eventuell unter Einbezug von freiwilligen pensionierten Lehrkräften. Wann und wo eine solche regionale Integrationsklasse starten könnte, ist zurzeit offen, ebenso die Frage des Schülertransports.

Im kantonalen Volksschulamt zeigte sich die stellvertretende Amtsvorsteherin Yolanda Klaus auf Anfrage offen und interessiert an Vorschlägen der Gemeinden. Integrationsklassen gebe es bisher erst in den Städten Grenchen und Olten, eine regionale Klasse mehrerer Gemeinden wäre neu. Klaus wies einzig darauf hin, dass die fremdsprachigen Kinder Deutsch am besten von den Gleichaltrigen lernen und sie deshalb nicht von den deutschsprachigen Kindern separiert werden sollten.

Die Lösung in Olten

Die von der Stadt Olten geführte Integrationsklasse unterrichtet Schüler ohne ausreichende Deutschkenntnisse in Deutsch als Zweitsprache (DAZ). Es handelt sich um Schüler des 2. bis 8. Schuljahrs. Die Kinder bleiben, je nach ihren individuellen Lernfortschritten, für 6 bis 12 Monate in der Integrationsklasse, dann werden sie in eine Regelklasse integriert.

Der Übertritt wird vorbereitet, indem die Kinder schon während ihrer Zeit in der Integrationsklasse an einem Schultag pro Woche ihre zukünftige Regelklasse besuchen. «Bei einem Schulbesuch ist mir die sichtbare, hohe Motivation dieser Kinder zum Erlernen der Sprache aufgefallen», berichtet Gesamtschulleiter Ueli Kleiner auf Anfrage.

«Bisher hat die Kapazität der Integrationsklasse ausgereicht, um die ankommenden fremdsprachigen Kinder aufzunehmen», erklärt Kleiner. Er rechnet aber damit, dass aufgrund der Flüchtlingssituation im Sommerhalbjahr weitere solche Kinder neu in die Oltner Schulen eintreten könnten. Doch die 12 Plätze der Integrationsklasse sind im Moment schon belegt. Notfalls müsste die Stadt ins Auge fassen, erstmals eine Parallelklasse zu eröffnen, so der Gesamtschulleiter.

Für Kleiner hat sich das Modell der Integrationsklasse grundsätzlich bewährt. Die Oltner Schulleitung würde es befürworten, wenn in der Integrationsklasse nicht nur Deutsch als Zweitsprache, sondern auch andere Inhalte unterrichtet werden könnten. Ein von der Stadt ausgearbeitetes Konzept habe das kantonale Volksschulamt allerdings im Jahr 2015 abgelehnt, berichtet Kleiner.

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