Trinkwasserverschmutzung
Wenn Leitungswasser nicht mehr zum Trinken ist

Nachbetrachtung von Beat Nützi zur Trinkwasserverschmutzung in drei Niederämter Gemeinden.

Beat Nützi
Beat Nützi
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In drei Niederämter Gemeinden wurden Fäkalbakterien im Trinkwasser gefunden.

In drei Niederämter Gemeinden wurden Fäkalbakterien im Trinkwasser gefunden.

Wer geniesst nicht schon gerne ein Glas erfrischendes Wasser direkt ab Leitung. Nicht nur, aber ganz besonders im Sommer erlaben sich Jung und Alt gerne am kühlen Nass, das bei uns bedenkenlos ab Wasserhahn konsumiert werden kann. Das ist hierzulande eine Selbstverständlichkeit. Wie mühsam es ist, wenn das Leitungswasser aus Qualitätsgründen nicht mehr direkt ab Leitung getrunken werden kann, zeigt sich derzeit in Dulliken, Lostorf und Obergösgen: Das Wasser riecht nach Chlor und muss vor Gebrauch abgekocht werden. Alles wegen einer Trinkwasserverschmutzung durch Fäkalbakterien als Folge eines Zwischenfalls in der Abwasserreinigungsanlage Winznau, der mit dem Stromausfall im Niederamt und Umstellungsarbeiten der Swisscom im Telefoniebereich vor einer Woche zu tun haben soll. Bereits Ende 2016 war Stüsslingen von einer Trinkwasserverschmutzung ähnlicher Art betroffen.

Wassermangel als globales Problem

Ohne esoterisch zu werden, darf gesagt werden: Wasser ist der Ursprung des Lebens – alle Lebewesen brauchen Wasser. Wasser ist ein äusserst wertvolles Lebenselixier. Was passiert, wenn es davon zu wenig hat, sehen wir in jenen Weltregionen, die unter Wassermangel leiden: Es entstehen Spannungen, sogar Kriege drohen. Zum Beispiel in Afrika oder im Nahen Osten. Eigentlich ist es paradox: Obwohl zwei Drittel der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt sind, mangelt es vielerorts an Trinkwasser. Über eine Milliarde Menschen oder rund 20 Prozent der Weltbevölkerung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Durch verschmutztes Wasser sterben jährlich etwa 5 Millionen Menschen und rund 30 Millionen erkranken. Solche Zahlen aus internationalen Erhebungen zeigen, wie glücklich wir uns schätzen können.

0,2 Rappen pro Liter

Unser Körper braucht das Wasser, damit unsere Organe funktionieren und wir unseren Wärmehaushalt regulieren können. Trinkwasser ist nicht bloss ein exzellenter Durstlöscher. Wasser ist auch der wichtigste Stoff unserer Ernährung – ohne Flüssigkeit können wir nur wenige Tage überleben. Von zentraler Bedeutung ist in der Schweiz das Leitungswasser, das von etwa 80 Prozent der Bevölkerung regelmässig konsumiert wird. Hahnenwasser ist nicht nur ein streng kontrolliertes Lebensmittel, es ist auch sehr preiswert. Der durchschnittliche Wasserpreis liegt bei etwa 2 Franken pro 1000 Liter. Das sind gerade mal 0,2 Rappen pro Liter. Wenig Geld für ein derart wertvolles Gut. Zum Vergleich: Ein Liter Mineralwasser kostet zwischen 25 Rappen und mehreren Franken. Zusätzlich fallen beim Hahnenwasser Abfüllanlagen, Verpackungen und Transportwege weg. Umso mehr gilt es zu unserem Trinkwasser Sorge zu tragen.

Intensive Nutzung

Damit ausreichend Wasser zur Verfügung steht, betreibt der Kanton Solothurn rund 130 Versorgungsanlagen mit umfassenden Infrastrukturen. Diese öffentliche Wasserversorgung bezweckt die Bereitstellung und Lieferung von Trinkwasser in guter Qualität und in ausreichender Menge zu Trink-, Brauch- und Löschzwecken. Wir nutzen nämlich das Wasser auf vielfältige Weise: Als Lebensmittel, für die Hygiene, zur Bewässerung, Energiegewinnung, in Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie, zum Transport gereinigter Abwässer, für die Schifffahrt, den Sport, die Fischerei oder als Erholungsraum. Diese intensive Nutzung birgt für diese Ressource qualitative und quantitative Risiken.

Viele Interessenskonflikte

Basis für eine sichere Trinkwassergewinnung sind die Grundwasservorkommen, die es zu schützen gilt. Dieser Schutz steht im Mittelpunkt vieler Interessenskonflikte. Einerseits nimmt die Grundwassermenge durch Siedlungsdruck, bauliche Eingriffe, hohe Bodenversiegelung und Wasserentnahme zur Bewässerung empfindlich ab, und es wird zusehends schwieriger, rechtskonforme Grundwasserschutzzonen auszuscheiden. Anderseits leidet durch Fremdstoffeinträge auf den Boden, vor allem durch die Landwirtschaft, die Grundwasser- und damit auch die Trinkwasserqualität.

Mikroverunreinigungen

Wie erwähnt, kann vielerorts in der Welt der Bevölkerung kein naturnahes Trinkwasser angeboten werden, wie das hierzulande der Fall ist. Doch auch bei uns sind laufend Anstrengungen nötig, damit es bleibt, wie es ist. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Abwasserreinigungsanlagen, die Dreckwasser reinigen und in den Wasserkreislauf zurückführen. Diese müssen immer wieder neuen Gefahren angepasst werden, wie zum Beispiel zuletzt gegen Mikroverunreinigungen. Dazu zählen unter anderem Rückstände von Medikamenten, Reinigungsmitteln und Pflegeprodukten. Durch den Einbau einer zusätzlichen Reinigungsstufe in den Abwasserreinigungsanlagen werden diese problematischen Rückstände unschädlich gemacht.

Landwirtschaft ist gefordert

Eine besondere Herausforderung bleibt der Kampf gegen Pestizide. Hier ist die Landwirtschaft gefordert. Zumindest in den Schutzzonen direkt um die Wasserfassungen sollte der Einsatz von Pestiziden komplett untersagt werden. Weil der Bund unter Druck der Agrarlobby bisher zu wenig für eine nachhaltige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln unternommen hat, wurde die Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung – Keine Subventionen für den Pestizid- und den prophylaktischen Antibiotika-Einsatz» lanciert. Dieses Volksbegehren wird in absehbarer Zeit eine breite Diskussion über das Trinkwasser und dessen Schutz entfachen. Fazit: Damit wir weiterhin Leitungswasser in vollen Zügen geniessen können, müssen wir uns anstrengen. Vor allem mit einer nachhaltigen, umweltschonenden Politik. Und bei den Investitionen in Anlagen gleichermassen wie bei Betrieb, Unterhalt und Überwachung. Und: Vorfälle wie im Niederamt dürfen nicht mehr passieren. Basta! Der Aufwand für sauberes Trinkwasser lohnt sich – Wasser ist Gold wert!

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