Niedergösgen
Wenn die Rechnung zur Nebensache wird: Kurt Henzmanns letzte Gemeindeversammlung

Letzte Gemeindeversammlung unter der Leitung von Gemeindepräsident Kurt Henzmann, welcher per Ende September zurück tritt.

Christoph Zehnder
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Vizegemeindepräsident Andreas Meier (l.) bedankt sich bei Gemeindepräsident Kurt Henzmann für dessen Engagement.

Vizegemeindepräsident Andreas Meier (l.) bedankt sich bei Gemeindepräsident Kurt Henzmann für dessen Engagement.

Markus Müller

Mit der Gemeindeversammlung vom vergangenen Dienstag ging in Niedergösgen eine Ära zu Ende. Zum letzten Mal wurde diese nämlich von Gemeindepräsident Kurt Henzmann geleitet, nachdem er Anfang April seinen Rücktritt per Ende September bekannt gegeben hatte. Bei den Gemeindepräsidentenwahlen im vergangenen Jahr verpasste Henzmann im ersten Wahlgang trotz alleiniger Kandidatur das notwendige absolute Mehr. Im zweiten Wahlgang trat er dann erneut an und war so in stiller Wahl gewählt.

Die Dernière war es, die der der Versammlung einen speziellen Charakter verlieh und für einige der 61 anwesenden Stimmbürger vielleicht sogar der eigentliche Hauptgrund für ihre Teilnahme. Die Traktandenliste jedenfalls beinhaltete wenig Aufregendes.

Am ehesten Anlass zur Diskussion hätte der Kauf einer Liegenschaft für den geplanten Bau einer Demenzwohngruppe des Betreuungs- und Pflegezentrums Schlossgarten (BPZ) für 660'000 Franken geboten. «Wir wissen alle, dass es immer mehr Demenzkranke gibt», bemerkte Henzmann. Auch im BPZ-Standort Niedergösgen bestehe das Bedürfnis für ein solches Angebot. Der Kauf einer benachbarten Liegenschaft und deren Abbruch im Vorjahr war nicht ohne Kritik verlaufen. Die aktuelle Kreditfreigabe – der Zweckverband finanziert den Kauf eigenständig – wurde von der Versammlung jedoch eindeutig, aber nicht einstimmig, gutgeheissen mit zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung.

Gänzlich ohne Gegenstimme wurde ein Investitionskredit über 200'000 Franken für die Erschliessung eines Grundstücks im Mühledorf genehmigt. Gegenwärtig existiere die dort geplante Überbauung erst als Vorprojekt, informierte Klaus Loos, Präsident der Werk- und Wasserkommission, und versicherte den Anwesenden, dass man die Erschliessung nicht in Angriff nehmen werde, bevor ein konkretes Bauprojekt vorliegt.

Minime Abweichung vom Budget

«Um es vorwegzunehmen, wir haben wieder ein negatives Ergebnis», bemerkte Kurt Henzmann einleitend zum Haupttraktandum: der Genehmigung der Jahresrechnung 2017. Diese schliesst mit einem Aufwandüberschuss von knapp 90'000 Franken. Diese Zahl entspreche gerade mal 3,5 Promille des gesamten Aufwands, relativierte der Gemeindepräsident.

Mit anderen Worten: Niedergösgen hat die Zielvorgabe ziemlich genau eingehalten, was laut Henzmann «das Resultat einer auf allen Stufen sparsamen Gemeinde» sei. Er untermauerte diese Aussage mit einem kurzen Steuerkraftindex-Vergleich. Dieser gibt Auskunft darüber, wie gross die Steuerkraft einer Gemeinde im Verhältnis zum Kanton (100 Prozent) ist. Mit einem Wert von knapp 84 liegt Niedergösgen ziemlich tief und muss umso effizienter wirtschaften, während beispielsweise Däniken mit 180 zu den steuerkräftigesten

Gemeinden im Kanton gehört.

Finanzverwalter Beat Fuchs erläuterte die wesentlichen Punkte der Rechnung und zeigte die grössten Abweichungen zum Budget auf: Deutlich darunter liegen Personal- und Sachaufwand. Tiefer als erwartet waren auch die Steuereinnahmen. Dies weil das tiefe Zinsniveau wohl viele Liegenschaftsbesitzer zu Sanierungsarbeiten animiere und sie dadurch weniger Steuern bezahlen müssen, vermutete Fuchs. Mehrausgaben sind hauptsächlich im sozialen Bereich zu verorten, wo man «herzlich wenig Einfluss habe», so der Finanzverwalter. Mit einem Eigenkapital von 9,1 Millionen Franken stehe die Gemeinde aber grundsätzlich gut da und könne den kleinen Aufwandüberschuss daher problemlos verkraften. Das fanden auch die Stimmberechtigten und genehmigten die Jahresrechnung 2017 einstimmig.

Drei Präsidenten seit 1965

Abschliessend bedankte sich Kurt Henzmann bei den Stimmbürgern für das engagierte Mitmachen in den vergangenen «gefühlt 44 Gemeindeversammlungen», denen er als Gemeindepräsident vorstand. «Meinem Nachfolger – wer immer das sein wird – wünsche ich, dass auch er einmal sagen kann: ‹Ich bin nicht traurig, dass es vorbei ist, sondern froh, dass es schön war.›» Als potenzieller Nachfolger und derzeitiger Vizegemeindepräsident war es Andreas Meier überlassen, ihm für seine Dienste an der Gemeinde zu danken.

Niedergösgen habe seit 1965 genau drei Gemeindepräsidenten gehabt, was sowohl für die Amtsinhaber wie auch für die Gemeinde spreche. «Wer einer Gemeinde mehr als zwölf Jahre vorsteht, prägt ein Dorf wesentlich», sagte Meier und würdigte das Engagement des Gemeindepräsidenten, indem er einige persönliche Anekdoten mit der Versammlung teilte und zum Dank einen Präsentkorb überreichte, begleitet von einem kräftigen Applaus.

Er freue sich nun auf seine neue

berufliche Herausforderung als Consulting-Unternehmer, sagte Henzmann anschliessend an seine letzte Gemeindeversammlung. Ein wenig Wehmut sei an diesem Abend durchaus dabeigewesen. Dies dürften auch viele Teilnehmer verspürt haben. Denn nicht wenige von ihnen bedankten sich beim Verlassen der Aula persönlich bei «ihrem» Gemeindepräsidenten.