Niedergösgen

Welche Strategie sollte Schweiz wählen? Experte zeigt sich ratlos

Die beiden Referenten und der Gastgeber (v. l.): Dieter Freiburghaus, Kurt Henzmann, Peter Arbenz.

Die beiden Referenten und der Gastgeber (v. l.): Dieter Freiburghaus, Kurt Henzmann, Peter Arbenz.

Am 16. Niedergösger Gewerbetreff zeigten sich zwei Experten vorsichtig optimistisch.

Die Schweiz und ihre Beziehungen zum Ausland und zur ausländischen Bevölkerung in der Schweiz war das prägende Thema des 16. Niedergösger Gewerbetreffs.

Mit zwei Vorträgen wurden die anwesenden Gäste, vornehmlich aus Gewerbe und Politik, auf die momentanen Schwierigkeiten, welche sich der Schweiz präsentieren, aufmerksam gemacht. «Neue Thesen», versprach Kurt Henzmann, Gemeindepräsident von Niedergösgen, am Anfang.

Wie viele Ausländer brauchts?

Peter Arbenz, Berater für Strategieentwicklung und Unternehmensführung, sprach darüber, wie viel Einwanderung die Schweiz denn brauche oder vertrage. Ein Thema, das an Aktualität kaum zu überbieten ist. «Durch die seit Monaten anhaltende Flüchtlingskrise, die sich meines Erachtens mehr und mehr zur europäischen Führungskrise entwickelt hat, ist zusätzliche Aktualität entstanden», zeigte sich Arbenz überzeugt.

Seit vielen Jahren beschäftigt sich Arbenz mit der schweizerischen Asyl-/Flüchtlings- und Migrationspolitik. Ein Fakt, den die Zuschauer unschwer erkennen konnten. Peter Arbenz zeigte auf, dass Aus- und Einwanderung eine Konstante in der Geschichte der Schweiz war.

Anhand von Beispielen aus der neueren Geschichte liess er die Entwicklung der Migration in der Schweiz Revue passieren. Dies auch, um darauf hinzuweisen, dass momentan die ständige ausländische Wohnbevölkerung in der Schweiz gegen rund zwei Millionen Menschen zählen dürfte. Doch wie viele Ausländer braucht denn die Schweiz? «Diese Grössenordnung hängt ganz wesentlich vom Gang der schweizerischen Wirtschaft ab», sagt Peter Arbenz.

Die Schweiz sei auf Einwanderung angewiesen. Er plädierte weiter dafür, dass es das Bestreben der Schweiz sein muss, die Reihen wieder zu schliessen und konstruktive Kräfte zu mobilisieren. Doch er warnte auch vor einer Isolation. So seien Grenzschliessungen kein probates Mittel. «Mit Isolation werden wir unseren eigenen Wohlstand und unsere Wohlfahrt gefährden.»

Dieter Freiburghaus, emeritierter Professor und Europa-Experte, sprach über die Beziehungen zur EU. Auf die Frage, wie sich die Beziehungen entwickeln werden und welche Strategie die Schweiz zu wählen hat, zeigte sich Freiburghaus ratlos: «Ich weiss es auch nicht.» Doch scheint eines klar für ihn: Ein Alleingang ist nicht möglich. «Wir haben immer von Offenheit gelebt.» Vielen sei nicht bewusst, wie stark die Schweiz bereits in die EU eingebunden sei. Unsicherheit sei zudem Gift für die Schweiz, insbesondere für den Werkplatz. «Einem Investor ist es nicht so wichtig, welche Bedingungen in einem Land herrschen, die Hauptsache ist Planungssicherheit.»

Er wies auch daraufhin, dass es in den nächsten Jahren ein Umdenken in der Schweiz braucht. «Momentan ist es ziemlich verwirrend und es sieht nicht toll aus», sagt Freiburghaus. Von Pessimismus wollte er aber nach seinem Vortrag nichts wissen. Er gehe davon aus, dass die Schweiz die richtigen Schlüsse ziehen werde. Die Frage sei nur, wie lange es noch dauert, bis sie reagiert. Sobald es am Portemonnaie zu spüren sei, werde man sicherlich eine Lösung zu finden bereit sein. Und auch Peter Arbenz ist überzeugt, dass ein gesunder Pragmatismus Einzug halten werde und die Beziehungen zur EU sich wieder verbessern werden.

Neue Thesen waren an diesem Abend trotz allem rar. Doch die eigentliche Stärke der Referate war die Präzision, in der die beiden Experten über die Herausforderungen der Schweiz referierten und einiges klar und deutlich beim Namen nannten.

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