Wenn im August die Feen und Elfen aus Shakespeares «Sommernachtstraum» durch den Schlosshof in Niedergösgen streifen, dann tun sie dies zur Musik von Fabian Capaldi. Der Musiker aus Lostorf liefert den Sound für die Schlossspiele Falkenstein, die ab dem 9. August aufgeführt werden. Nach «Romeo und Julia» im Jahr 2016 ist dies bereits sein zweites Engagement für die Freilichtspiele.

«Theater? Ich bin doch Saxofonist», habe er sich gedacht, als Regisseurin Käthi Vögeli ihn damals für «Romeo und Julia» angefragt habe. Mit Shakespeare hatte er bis dahin nicht viel am Hut. «Den ‹Sommernachtstraum› habe ich mal in der Schule gelesen», erinnert er sich. Schnell sind die Berührungsängste abgelegt. Capaldi liest das Drehbuch und beginnt zu komponieren. «Ich sehe die Szenen wie in einem Film und überlege mir, welche Musik das Bild verstärken könnte», beschreibt er seine Vorgehensweise.

Doch im Gegensatz zur Tragödie von «Romeo und Julia» ist der «Sommernachtstraum» eine Komödie. «Zuerst befürchtete ich, dass ich dazu keine ‹dramatische› Musik machen kann. Dem ist aber nicht so. Durch die verworrene Liebesgeschichte in der Elfenwelt ergeben sich enorm viele Möglichkeiten für die Musik», sagt der Komponist und spielt auf seinem Handy eine kleine Kostprobe vor, die nach verträumtem Elfenwald klingt.

Die Musik als Teil des Ganzen

Seine Musik erfüllt im Stück ganz unterschiedliche Zwecke. Mal untermalt sie im Hintergrund eine Sprechszene, mal spannt sie den Bogen zwischen der Handlung. Die Irrungen und Wendungen in Shakespeares Stücken liefern ein breites Spektrum an Stimmungen. «Ich kann mich total ausleben», freut sich der Profimusiker. Story, Text, Rhythmus, Choreografie – all das gilt es beim Komponieren zu berücksichtigen. Meistens sei er mit Regie und Choreografie bezüglich Musikauswahl «im Einklang», wie er sagt. Ab und zu müsse man aber ein bisschen verhandeln, meint er verschmitzt lächelnd.

Während der Vorstellung spielt er die Musik direkt ab Band respektive ab Computer ein. Jede Aufführung ist anders. Je nach Wetterlage über dem Freilichttheater muss er den Tonpegel anpassen und dabei stets Rücksicht auf die Schauspieler nehmen, die ohne Mikrofon auftreten. Am meisten Spass bereiten ihm Passagen, die ganz der Musik gehören, zum Beispiel während eines Szenenwechsels. «Körperbetonte Musik mit viel Bass» komme darin vor. «Da zittert schon mal die Bühne.»

Die Stücke komponiert und produziert er in seinem Heimstudio in Lostorf, wo der zweifache Familienvater seit anderthalb Jahren wohnt. Die Klanglandschaften entwirft er am Klavier und am Computer. Manchmal arbeitet er die halbe Nacht. Es sei auch schon vorgekommen, dass er über der Tastatur eingeschlafen ist. «Ich bin ein Sound-Fetischist», sagt er über sich selber. «Manchmal bin ich fast schon zu penibel, was die Umsetzung nicht einfacher macht.»

Genres sind irrelevant

Wenn er nicht wie jetzt gerade für die Schlossspiele komponiert, steht Fabian Capaldi mit seinem Saxofon als Studio- und Sessionmusiker im Einsatz. Gloria Estefan, Pepe Lienhard, Amy Macdonald, Dona Summer – die Liste von Showgrössen, mit denen er bereits zusammengearbeitet hat, liesse sich beliebig verlängern. Mit dem Christoph Walter Orchestra tritt er an Grossanlässen wie «Art on Ice» oder den «Swiss Indoors» auf. An über 400 Produktionen hat der 34-Jährige bereits mitgewirkt.

Die meisten im Bereich Jazz, Soul oder Pop. Wie passt das zusammen mit der theatralischen Musik für den «Sommernachtstraum»? «Am Ende geht es doch einfach darum, gute Musik zu machen.» Der Vollblutmusiker spielt, was ihm gefällt, und hört Musik querbeet: Mal Sting oder Prince, mal Klassik, mal Jazz. «Ich mag auch Ländler, wenn er gut produziert ist.» Schubladendenken hat für ihn in der Musik nichts verloren. «Es gibt so viel tolle Musik. Indem man die verschiedenen Einflüsse mischt, entsteht immer wieder etwas Neues.»

Die Freude weitergeben

Das Saxofon hat Fabian Capaldi schon als Siebenjährigen fasziniert. «Warum weiss ich nicht. Vielleicht war es die Form oder der Klang.» Seinen Traum vom Leben als Musiker hat er heute wahr gemacht. Die Auftritte sichern den grössten Teil seines Lebensunterhalts.

Daneben unterrichtet er auch. Nach seinem Masterabschluss an der Hochschule Luzern als Musiker hat er bewusst noch eine musikpädagogische Ausbildung absolviert – und beides mit Bestnote abgeschlossen. «Klar, du kannst nicht aus jedem Schüler einen Profi machen», sagt er im Hinblick auf sein zweites berufliches Standbein. Das ist aber auch nicht seine Absicht. «Ich möchte meinen Schülern einfach die Freude am Saxofonspielen vermitteln. Das ist das Wichtigste: die Begeisterung für die Musik.»