Niederamt

Warum ist der Leerwohnungsbestand in Schönenwerd und Trimbach so hoch?

In Schönenwerd dürfte der Bauboom der letzten Jahre direkt zum Wohnungsüberangebot geführt haben.

In Schönenwerd dürfte der Bauboom der letzten Jahre direkt zum Wohnungsüberangebot geführt haben.

Im vier Niederämter Gemeinden ist der Leerwohnungsbestand sehr hoch; eine kurze Analyse aus Trimbach und Schönenwerd.

Eine Hand voll Gemeinden im Niederamt weisen gemäss Bundesamt für Statistik aktuell überaus hohe Leerwohnungsbestände auf: Rohr, Dulliken, Trimbach und Schönenwerd. Überraschend ist dies für zwei der befragten Gemeindepräsidenten aus den exponierten Gemeinden aber nur bedingt. Während Peter Hodel (Schönenwerd) die Gründe dafür in der regen Bautätigkeit der letzten Jahre sieht, macht Martin Bühler (Trimbach) die hohen Altwohnungsbestände als ein Grund für die vielen leeren Wohnungen in der Gemeinde aus.

Die Problematik des Einwohnerrückgangs

«Trimbach hatte mal 7'500 Einwohner, heute sind’s noch rund 6'500.» Gemeindepräsident Martin Bühler schliesst daraus, dass der Leerwohnungsbestand allein schon aufgrund dieses Umstandes zumindest teilweise erklärbar ist. Und: «Es sind im Übrigen nicht Neubauwohnungen, die leer stehen; sondern solche in Altbauten, die den heutigen Standards nicht mehr vollumfänglich genügen können», präzisiert er die Situation.

Dies habe auch damit zu tun, dass die Besitzer von Altbauliegenschaften ihre Wohnungen zu fast gesicherten Mieten anbieten könnten. Denn die Sozialregion müsse die Menschen irgendwo unterbringen. «Davon profitieren sicher Besitzer von Altbauten und hindert sie daran, die Wohnungen standardgemäss auszurüsten.»

Trimbach würde auch, wäre die finanzielle Potenz vorhanden, allfällige Liegenschaften aufkaufen und mit einem entsprechenden Konzept instand stellen und auch bewirtschaften. Aber Bühler weiss: Dem ist nicht so. Vielmehr versucht die Gemeinde, Grund- und Stockwerkeigentümer davon zu überzeugen, dass Liegenschaften einer steten Pflege bedürfen.

So lädt sie die Bewohner des Quartiers Rankwog auf Ende Oktober zu einem Informations- und Diskussionsanlass zu diesem Thema ein. Nur so sei dem Zerfall auf Raten zu begegnen. «Vielleicht muss auch die Sozialregion eine Strategie entwickeln, unter welchen Bedingungen Wohnungen für sie noch zur Miete infrage kommen», meint Martin Bühler.

Bauboom der letzten Jahre als Ursache

Von der Problematik der eher vernachlässigten Altwohnungen hat Peter Hodel, Schönenwerds Gemeindepräsident, auch schon gehört. Allerdings glaubt er nicht, dass dies in Schönenwerd Grund der hohen Leerwohnungsbestände sein kann.

«Die Besitzer von älteren Liegenschaften im Dorf sind in der Regel bemüht, die Häuser à jour zu halten», meint er. Viel eher verortet er die Ursache bei der regen Bautätigkeit der letzten Jahre. Da wuchsen Überbauungen heran, deren Angebote noch nie komplett genutzt wurden. «Ich glaube, für Schönenwerd wäre bei Neubauten ein hoher Ausbaustandard und ein regional marktfähiger Preis das Richtige.» Schönenwerd sei nämlich weder Olten noch Aarau.

Überrascht ist der Gemeindepräsident übrigens nur bedingt vom hohen Leerwohnungsbestand in seiner Wohngemeinde. «Der Umstand, dass Überbauungen noch nie vollständig besetzt worden sind, lässt doch auf einen gewissen Leerbestand schliessen.» Dass der Wert wie in Dulliken und Trimbach zwischen 6 und 8 Prozent liegt, wundert ihn schon. In Rohr liegt er gar bei über 8 Prozent. Hodel sieht wenig Einflussmöglichkeiten auf die Bautätigkeit. «Wir können allenfalls über Nutzungsplanung und Gestaltungsplan die Qualität einer Baute zu steuern versuchen. Aber wenn ein Investor bauen will, haben wir darauf keinen direkten Einfluss.»

Autor

urs huber

urs huber

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