Er verstrickte sich in Widersprüchen, änderte seine Aussagen fortlaufend und unterbrach Amtsgerichtspräsident Pierino Orfei immer wieder: Thomas S.* musste sich am Dienstag vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen wegen mehrfachem Diebstahl, Sachbeschädigungen, Hausfriedensbruch, Hinderung einer Amtshandlung, Drogenkonsum sowie Trunkenheit und unanständigem Benehmen verantworten.

Den Vorwurf des Diebstahls mehrerer Schmuckstücke mit einem Wert von über 6000 Franken im Jahr 2017 aus der Wohnung seiner Vermieterin wollte Thomas S. ebenfalls nicht unkommentiert lassen: Die Frau habe ihren Goldschmuck halt nicht in einem Tresor aufbewahrt, da habe er ihn zufällig gefunden, sagte der 49-Jährige vor Gericht.

Bei einem Goldschmied habe er dann 700 Franken dafür erhalten. Obwohl Amtsgerichtspräsident Orfei den Angeklagten darauf aufmerksam machte, in der Polizeiaussage habe er von einem Verkauf in Basel für 1000 Franken erzählt, wollte Thomas S. bei seiner Aussage vor Gericht bleiben.

«Bin als Aufpasser mitgegangen»

Ein weiterer Anklagepunkt betraf einen Einbruch im Mühlemattschulhaus in Trimbach von 2016. Thomas S. sagte vor Gericht aus: «Ein Freund von mir, der bei mir übernachtet hatte, ist dort eingebrochen. Als er schon drin war, hat er mich dazu gerufen. Ich bin nur als Aufpasser mitgegangen.» Er habe seinen Freund vom Klauen abhalten wollen. Das habe aber leider nicht geklappt. Er selbst habe aber nichts gestohlen – «ausser drei Weinflaschen und eine WC-Papierrolle». Die Gemeinde Trimbach tritt in diesem Fall als Privatklägerin auf und verlangt Schadenersatz in der Höhe von knapp 6200 Franken.

Zu allen Anklagepunkten lagen dem Gericht die jeweiligen Polizeiprotokolle vor. Zudem gibt Thomas S. zu, diese Taten begangen zu haben. Einen Anklagepunkt wollte er jedoch nicht gelten lassen: 2016 schlug der Beschuldigte laut Anklageschrift die Scheibe eines parkierten Fahrzeugs beim Bahnhof Olten ein und stahl eine digitale Spiegelreflexkamera. Er wurde bemerkt und flüchtete.

Vor Gericht sagte Thomas S. nun aus: Er habe gar nichts klauen wollen. Vielmehr sei er dem wahren Dieb hinterhergerannt und habe die Kamera schliesslich dem Besitzer zurückgebracht. Der Hammer, mit dem die Autoscheibe eingeschlagen wurde, habe er aufgehoben, nachdem der Dieb ihn damit beworfen habe. Diese Fakten seien von der Polizei aber absichtlich aus dem Protokoll gestrichen worden.

Unglaubwürdige Aussagen

Der Amtsgerichtspräsident befand Thomas S. in allen Anklagepunkten für schuldig. Dass der Angeklagte während der Verhandlung seine Angaben zu den Anklagepunkten änderte und widersprüchliche Aussagen machte, habe seiner Glaubwürdigkeit geschadet. Thomas S. wurde vom Richteramt Olten-Gösgen zu 345 Tagessätzen zu je 20 Franken sowie einer Busse verurteilt.

Damit liegt das Urteil unter der von der Staatsanwaltschaft geforderten Sanktion von 270 Tagessätzen zu je 30 Franken (insgesamt 8100 Franken). Orfei begründete die geringere Bestrafung mit dem schlechten Einkommensverhältnis von Thomas S.
Nach der Urteilsverkündung redete der Amtsgerichtspräsident dem Angeklagten noch ins Gewissen: Es falle ihm nicht leicht, einem «gestandenen Mann wie Ihnen» die Leviten zu lesen. Orfei: «Sie sind fast 50 Jahre alt. Und mehrfach vorbestraft. Wann lernen Sie es endlich?»