Unterhalt

Wanderwege im Niederamt sind bereit für einen Sommer mit vielen Besuchern

Louis Meier (links) und Hans Belser (rechts) sorgen dafür, dass sich auf den 185 Kilometern Wanderwegen im Niederamt niemand verirrt.

Louis Meier (links) und Hans Belser (rechts) sorgen dafür, dass sich auf den 185 Kilometern Wanderwegen im Niederamt niemand verirrt.

Wenn dieses Jahr besonders viele Leute den gelben Zeichen folgen, wollen die Wege im Niederamt gut markiert sein.

Hans Belser arbeitete 30 Jahre lang als Fahrzeugprüfer und Prüfungsexperte für den Kanton Solothurn, nun ist er pensioniert. Der 67-Jährige übernahm vor zwei Jahren als Bezirksleiter Solothurner Wanderwege die Region Niederamt von seinem Vorgänger Oswald Schmid.

Unterstützung bei dieser Arbeit erhält Belser von Louis Meier, 74-jährig und ehemaliger Banker. Zusammen unterhalten sie einen von neun Bezirken im Kanton. Wer die Niederämter-Wanderwege komplett abmarschieren will, muss dafür 185 Kilometer zurücklegen. Das ist in etwa die Strecke von Schönenwerd bis zum Waadtländer Städtchen Nyon am Genfersee.

Hier bewahrt Hans Belser alle benötigten Utensilien auf: Schrauben, Rhomben und vorbeschriftete Wegweiser.

Hier bewahrt Hans Belser alle benötigten Utensilien auf: Schrauben, Rhomben und vorbeschriftete Wegweiser.

Zuhause in Niedergösgen in seiner Garage unterhält Belser ein kleines Depot: Hier bewahrt er Briden auf, etliche Schrauben, eine Buschsäge, Farbe, Pinsel und Rhomben in allen Variationen. Eine Rhombe ist die geometrische Figur eines etwas verzogenen Quadrats. «Narzissengelb», oder nach RAL-Farbpallette die Nummer 1007, ist hierzulande allseits bekannt. Ausgehend von Bahnhöfen und anderen Stationen des öffentlichen Verkehrs, zieht sich ein immenses Wegenetz über die Schweiz.

Die Zeichen sind auf Bäumen, Laternenmasten, Dachrinnen und bei Verkehrsschildern zu finden. Zuverlässig weisen sie Wandernden den Weg. Nur bei sogenannten Standpunkten ist jeweils die Höhenangabe Meter über Meer zu finden und die ungefähre Gehzeit: «Diese wird heute aufgrund des Höhenprofils und computergestützt berechnet», sagt Belser. Die Wegzeichen gibt es aus Blech, Kunststoff, Klebefolie oder aufgemalt. Die Hauptrouten sind auf den Wegweisern mit einer horizontalen Linie getrennt, das andere sind Flurnamen und Ortsangaben.

Nach Sturmschäden werden die Markierungen kontrolliert. Defekte Markierungen werden entfernt.

Nach Sturmschäden werden die Markierungen kontrolliert. Defekte Markierungen werden entfernt.

Schweres Gepäck

Bevor Belser und Meier zur Wegkontrolle losziehen, fällt Arbeit im Büro an. «Unser Glück ist der Verdienst unseres Vorgängers», erklärt Belser. Er zeigt einen Ordner voller Standortunterlagen, mit exakten Angaben und säuberlichen Kartenausschnitten. «Da steckt unglaublich viel Arbeit drin.» Meier kennt das Gebiet bestens, seit 13 Jahren hilft er mit bei der Wegkontrolle. Um die Wanderwege des Bezirks alle zwei bis drei Jahre zu passieren, müssen die beiden jedes Jahr mehrere Routen abgehen.

Dabei reinigen sie verschmutzte Wegweiser, passen die Signalisation neuer Wegführung an und tragen frische Farbe auf. «Sträucher um Markierungen herum stutzen wir grosszügig zurück», sagt Belser. Schliesslich soll die Markierung auch im nächsten Jahr noch sichtbar sein. Meier fügt hinzu: «Die Natur macht keine Pause.» Irreführende Markierungen nach Sturmschäden werden entfernt. Ausgerüstet mit Zeckenschutzmittel, Werkzeug und Leiter machen sie sich auf zu einer «Begehung». Vollgepackt mit Metallwegweisern und Reservematerial wiegen ihre Rucksäcke bis zu 20 Kilo.

Bis zu 20 Kilo Material und Ausrüstung tragen Belser und Meier auf ihren Touren im Rucksack mit sich.

Bis zu 20 Kilo Material und Ausrüstung tragen Belser und Meier auf ihren Touren im Rucksack mit sich.

Nicht alle Arbeiten übernehmen Belser und Meier selber: Bei umgestürzten Bäumen etwa oder defekten Steintreppen nehmen sie Kontakt mit dem zuständigen Forstamt oder dem Zivilschutz auf. Belser organisiert auch Einsatzpläne für Equipen der Institution Oltech. Weil die Niederämter Wanderwege oft durch Wald führen, werden viele der Rhomben auf Bäume gemalt. Meier: «Die Buche mit ihrer glatten Rinde ist für uns der Rolls Royce im Wald.»

Dieses Amt setzt einen gewissen Idealismus voraus: «Für die Auslagen erhalten wir Spesen», sagt Belser. «Für uns zählen die gute Zeit unterwegs und die Begegnungen mit Menschen.» Dass beide gerne wandern, liegt auf der Hand. Belser erinnert sich an eine mehrtägige Tour in den Vogesen im letzten Jahr. Meier sagt, als Wegmarkierer stosse man ständig auf Arbeit: «Es kam schon vor, dass wir an einem Montag ausgerückt sind, weil wir am Sonntag beim Wandern Schäden bemerkten.» Die Wege in der Region sind bereit für einen Sommer mit vielen Besuchern. Meier sagt zum Abschied: «Wir merken, dass bereits mehr Leute unterwegs sind als sonst.» Und Belser: «Das freut uns natürlich.»

Gewandert wird von Gesetzes wegen

Die 185 Kilometer Wanderwege im Niederamt sind Teil von etwas Grossem. So klein die Schweiz ist, so zahlreich sind ihre Wanderrouten. Den Alpen entlang, über Wiesen, vorbei an Bächen, bis hinauf zu den Berggipfeln: 65 000 Kilometer lang sind die Schweizer Wanderrouten insgesamt. Per Bundesgesetz über Fuss- und Wanderwege ist das Wegenetz seit 1985 in der Verfassung verankert. Bereits 1934 wurde die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Wanderwege mit dem Zweck gegründet, die Wanderwege gesamtschweizerisch einheitlich zu signalisieren und das Wandern in der Bevölkerung zu fördern. «Das weltweit einmalige Angebot gehört zu den Erfolgen des Verbands Schweizer Wanderwege und seiner 26 kantonalen Wanderweg-Organisationen», schreibt der Verband auf seiner Website. Im Gesetz unter Artikel drei ist zu lesen: «Wanderwegnetze erschliessen insbesondere für die Erholung geeignete Gebiete, schöne Landschaften, kulturelle Sehenswürdigkeiten, Haltestellen des öffentlichen Verkehrs sowie touristische Einrichtungen.»

Auf der Tour entdecken Belser und Meier immer wieder Neues. Dieses Schild wurde aber nicht von den Beiden angebracht.

Auf der Tour entdecken Belser und Meier immer wieder Neues. Dieses Schild wurde aber nicht von den Beiden angebracht.

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