Betreuungsangebote

Waldkindergarten auch im Winter: «Die Natur ist ein wunderbarer Spielplatz»

Vom Winter lassen sich die Waldkitas nicht abhalten.

Vom Winter lassen sich die Waldkitas nicht abhalten.

Worin liegt der Mehrwert von Waldspielgruppen und Naturkitas? Ein Experte erläutert, wie das Spielen im Freien die Kinder in ihrer Entwicklung stützt.

Zugegeben: Der Winter ist nicht gerade die Jahreszeit, in der man sich vorstellen kann, den ganzen Tag draussen zu verbringen. Die Temperaturen liegen unter dem Gefrierpunkt, der Wind pfeift einem um die Ohren.

Spielgruppen und Kindertagesstätten, die vor allem im Freien stattfinden, machen sich genau diese Eigenschaften zunutze: Die Betreuungspersonen gestalten das Programm so, damit auch dem grössten «Gfrörli» nicht langweilig wird.

Für Dominique Högger von der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) haben solche Waldspielgruppen beziehungsweise -kitas klare Stärken: «Die Natur ist ein wunderbarer Spielplatz, auf dem Kinder aus allem, was sie finden, Spiele entwickeln können», sagt der Leiter der Beratungsstelle für Gesundheitsbildung und Prävention und nennt als Beispiele Äste, Moos oder Baumstämme.

Vielfalt des Waldes fördert bei Kindern Kompetenzen

Laut dem Experten fördert diese Vielfalt im Wald die Entfaltung der eigenen Spielimpulse, die Kreativität und die Problemlösefähigkeit. «Es führt auch dazu, dass sich die Motorik der Kinder gut entwickelt, indem sie zum Beispiel lernen, auf dem unebenen Waldboden zu laufen. Ausserdem dienen die vielfältigen Erfahrungen auch der Ausbildung des Denkens, Erinnerns, Vorstellens und der Wahrnehmungsfähigkeit», zählt Högger weiter auf.

Ein Beispiel für die Wahrnehmungsfähigkeit: Vor einem Bildschirm lernt das Kind laut dem Experten nur das Sehen nach vorne. Erst, wenn es draussen etwa mit anderen Kindern über eine Wiese rennt und eine Kollision mit einem Kameraden droht, lernt es, das Geschehen im Augenwinkel wahrzunehmen. Diese Fähigkeit ist spätestens beim Verhalten im Verkehr unverzichtbar.

Auch lernen die Kinder zu teilen, zu kooperieren und zusammenzuarbeiten.
Die Jahreszeiten sieht der Fachmann als tolle Rahmenbedingung: «Die Natur verändert sich laufend und jede Veränderung ist ein neuer Anreiz zum Spielen und Erleben.»

Für die Betreuer birgt das Konzept Herausforderungen

Gleichzeitig weist Dominique Högger auf Gelingensbedingungen hin: «Das spielerische Potenzial des Waldes können die Kinder nur nutzen, wenn die Betreuungspersonen entsprechende Freiheiten lassen. Auf der anderen Seite müssen die Betreuer aufmerksam sein und dürfen die Kinder nicht überfordern oder gefährden.»

Er weist zum Beispiel auf das Verhalten am Feuer, das Spielen am Wasser oder Kletterpartien hin. Högger: «Zudem müssen die Kinder den Witterungsbedingungen entsprechend gekleidet sein und das Vorhaben muss mit dem Waldbesitzer oder dem Förster abgesprochen werden.»

Auch der Experte bestätigt, dass es heutzutage viele solcher Betreuungsangebote gibt, die sich vor allem im Wald aufhalten. Am sogenannten «Back to the Nature»-Trend möchte Högger diese Entwicklung jedoch nicht alleine festmachen: «Die einzelnen Betreuer haben unterschiedliche Motivationen: Sie finden etwa, dass sich die Kinder zu wenig bewegen oder dass sie zu viel Zeit im Haus verbringen. Ausserdem kann es kostengünstiger sein, eine Spielgruppe oder eine Kita im Wald zu organisieren, als in privaten oder gemieteten Räumlichkeiten.»

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Autor

Rahel Bühler

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