Gemeindepräsidium
Wahlempfehlungen sorgen in Niedergösgen für rote Köpfe

Der jetzige Gemeindepräsident und der Bürgergemeindepräsident von Niedergösgen geben ihre Wahlempfehlung ab. Dies sorgt für Ärger bei den Kandidaten Roberto Aletti (CVP) und Andreas Meier (parteilos).

Silvana Schreier
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Kandidaten für das Amt des Gemeindepräsidenten in Niedergösgen: Roberto Aletti und Andreas Meier

Kandidaten für das Amt des Gemeindepräsidenten in Niedergösgen: Roberto Aletti und Andreas Meier

bko

Zwei Männer stellen sich diesen Sonntag zur Wahl für das Gemeindepräsidentenamt in Niedergösgen. Mit Inseraten in den Lokalzeitungen, Plakaten an den Strassenrändern und Einträgen in den sozialen Medien buhlen Roberto Aletti (CVP) und Andreas Meier (parteilos) um die Gunst der Wählerschaft. Aletti kann auf die Unterstützung der Ortsparteien SVP, FDP, CVP und SP zählen.

Auch der Präsident der Bürgergemeinde, Patrick Friker, verkündete in einem Inserat im «Niederämter Anzeiger» seine Sympathie für ihn: «Auch für die Bürgergemeinde Niedergösgen ist Roberto Aletti ein zuverlässiger Partner.» Darum werde er für den 62-Jährigen stimmen. Gegenkandidat Meier zeigt sich erstaunt über diese Anzeige, wie er auf Anfrage sagt: «Ich bin in der vierten Generationen Bürger von Niedergösgen. Da hat es mich getroffen, dass sich Friker offiziell als Präsident und im Namen meiner Bürgergemeinde für meinen Kontrahenten ausspricht, der nicht Bürger ist.»

Aletti versteht Meiers Reaktion nicht: «Mir könnte auch sauer aufstossen, dass er so viel Geld für seine Plakate ausgibt. Jeder gestaltet den Wahlkampf nun mal auf seine Art. Ich weiss nicht, was es am Inserat von Patrick Friker auszusetzen gibt.» Meier könne auch auf die Unterstützung von Gemeindeangestellten zählen, die auf seinen Flyern namentlich erwähnt würden.

Friker selbst sagt zu dieser Zeitung, als CVP-Vorstandsmitglied habe er sich von Beginn an für Aletti als Kandidaten eingesetzt. «Seine Antworten haben mich überzeugt, darum setzte ich mich bereits innerhalb der Partei für seine Nomination ein», sagt er. Dass er sich nun auch im Wahlkampf auf seine Seite stelle, sei deshalb nachvollziehbar.

Die bevorstehende Wahl in Niedergösgen schlägt in den sozialen Medien Wellen bis in die Nachbargemeinde: SVP-Kantonsrat Johannes Brons aus Schönenwerd sprach sich in einem Facebook-Post für den parteilosen Meier aus. «Wenn ich in Niedergösgen wohnen würde, würde ich Andreas Meier zum neuen Gemeindepräsidenten von Niedergösgen wählen.» Auf Anfrage sagt Brons, er kenne den 58-Jährigen schon lange und traue ihm das Amt zu.

Wahlkampf auf Facebook

Meier selbst freut sich über die Unterstützung: «Es hat schon gutgetan, dass ein SVPler auf meiner Seite ist und sich gegen die SVP Niedergösgen stellt.» Es handle sich dabei aber nicht um eine Einmischung in den Wahlkampf, sondern lediglich um die Meinung einer Privatperson.

Kurt Henzmann

Kurt Henzmann

Hanspeter Bärtschi

Den Post von Brons kommentierte vor rund zwei Wochen auch der amtierende Gemeindepräsident von Niedergösgen, Kurt Henzmann. Dass dieser als CVP-Politiker nun Partei für den parteilosen Kandidaten Meier ergreift, ärgert Aletti: «Henzmann meint noch immer, die CVP habe ihn bei den Wahlen 2017 abgewählt. Er versteht nicht, dass es die Bevölkerung war. Darum ist er allgemein nicht mehr mit den Vorhaben der Partei einverstanden.»

Henzmann hat diese Äusserung zwar von seinem privaten Facebook-Account aus getätigt. Doch Aletti sagt: «Hat jemand eine Funktion inne, kann er diese nicht einfach ablegen, wie es ihm gerade passt.» Friker habe in seinem Inserat seine Funktion als Bürgergemeindepräsident transparent gemacht, Henzmann bleibe dies schuldig, kritisiert Aletti.

Kurt Henzmann über den Wahlkampf in Niedergösgen: «Ich habe mich nicht eingemischt»

Der Niedergösger Gemeindepräsident Kurt Henzmann hatte im April 2018 seinen Rücktritt bekannt gegeben. Seit 1997 hat der CVP-Politiker das Amt inne. Im Mai 2017 wurde er in stiller Wahl erneut gewählt. Bisher äusserte sich der 60-jährige Niedergösger nicht öffentlich über die Wahl seines Nachfolgers, die am Sonntag, 23. September, über die Bühne geht. Auf Facebook hat er kürzlich seine Meinung kundgetan. Gegenüber dieser Zeitung erklärt er seine Aussagen.

Herr Henzmann, auf Facebook haben Sie sich zur Wahl des neuen Gemeindepräsidenten geäussert. Warum haben Sie entschieden, sich in den Wahlkampf einzumischen?

Kurt Henzmann: Ich habe mich nicht in den Wahlkampf eingemischt.

Darf denn der amtierenden Gemeindepräsidenten in den Wahlkampf seines Nachfolgers eingreifen?

Wenn Sie meinen kurzen Facebook-Eintrag meinen, dann habe ich dort als Privatperson, als Einwohner und Bürger von Niedergösgen meine Meinung abgegeben. Dieses Recht ist mir verfassungsmässig garantiert. Anders wäre es, wenn ich als «Gemeindepräsident Kurt Henzmann» oder im Namen der Einwohnergemeinde Niedergösgen meine Meinung abgegeben hätte.

Aus welchen Gründen unterstützen Sie Andreas Meier?

Würden Sie in einen Reisebus einsteigen, wenn Ihnen der Chauffeur sagt, dass er zum ersten Mal am Steuer eines Busses sitzt?

Wie lautet Ihre Einschätzung zum Wahlergebnis vom 23. September?

Das ist Kaffeesatzlesen. Am 23. September um zirka 14 Uhr wissen wir es. Fragen Sie mich dann wieder.

Wie haben Sie den Wahlkampf rund um das Amt insgesamt erlebt?

Mit grossem Erstaunen über die Rollen der Ortsparteien, aber als sehr ruhig.

Anmerkung der Redaktion: Dieses Interview wurde schriftlich geführt. Die Aussagen von Kurt Henzmann werden unverändert wiedergegeben.