Trimbach
Vor der Passhöhe können die E-Motorräder hier noch einmal laden

Vor dem Restaurant Isebähnli in Trimbach steht neu eine Aufladestation für elektrisch betriebene Motorräder.

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Jonas Moser (links), Geschäftsführer der Elfrar, und Tomas Kolodzej (rechts) präsentieren die neuen Steckdosen für E-Motorräder

Jonas Moser (links), Geschäftsführer der Elfrar, und Tomas Kolodzej (rechts) präsentieren die neuen Steckdosen für E-Motorräder

Bruno Kissling

Noch bilden sie die ganz grosse Ausnahme in der Motorradszene, die Modelle mit elektrischem Antrieb. E-Roller sind in urbanen Gegenden zwar verbreitet, die schweren E-Motorräder bilden aber eine verschwindend kleine Minderheit. Nach Angaben von Moto-Suisse, der Vereinigung der Motorrad- und Roller-Importeure, wurden letztes Jahr in der Schweiz gesamthaft rund 25 400 Töffs neu zugelassen, davon waren gerade einmal 127 elektrisch angetrieben.

Tomas Kolodzej, Geschäftsführer des Isebähnlis, beobachtete in den letzten Jahren jedoch eine Zunahme dieser Nischenfahrzeuge: «Immer wieder kamen Gäste mit ihren E-Töffs zu mir und verlangten ein Verlängerungskabel. Sobald der zweite Töff an der Kabelrolle hing, flog die Sicherung raus.» Um das Problem zu beheben, schaute er sich seit zwei Jahren nach Verbesserungsmöglichkeiten um.

Für jede Steckdose eine separate Sicherung

An der Swiss-Moto in Zürich, der grössten schweizerischen Messe im Zweiradbereich, lernte er den Elektroingenieur Jonas Moser kennen. Der Gründer und Inhaber der Firma Elfar aus dem aagauischen Unterentfelden handelt mit Elektrozweirädern, unter anderem E-Motorrädern. Von Kolodzejs Idee, eine Ladestation für E-Töffs zu bauen, war er begeistert. Sie fingen an, die Ladeanlage zu planen.

Töff-Treff seit 51 Jahren

Der Töfftreff am Donnerstagabend begann im Restaurant Sonne in Buckten, wo sich seit Mitte der 1960er-Jahre einige dutzend Töfffahrer trafen. Nachdem die Wirtin gestorben war und das Lokal geschlossen wurde, fragten einige aus der Gruppe bei Peter und Elsa Flückiger im «Restaurant zur Eisenbahn», wie das «Isebähnli» offiziell heisst, um Gastrecht an. Unter dem Wirte-Ehepaar Ruedi und Madeleine Flückiger wurde der grosse Parkplatz ab den 1980er-Jahren zu einem Schaulaufen der Szene. Tausende Motorräder kurvten an schönen Abenden über den Unteren Hauenstein. Massive Tempoüberschreitungen und tödliche Unfälle waren nicht selten. Mittlerweile hat sich die Lage beruhigt. Ende 2013 gaben Flückigers das Isebähnli altershalber auf, seither gehört es zur Thommen Gastro AG mit Tomas Kolodzej als Geschäftsführer. Die Glanzzeit, meint Kolodzej, sei zwar vorbei. Bei allem Wandel ist der Töff-Treff am Donnerstag dennoch für die Motorradfahrer ein Ritual geblieben. (ld)

Seit vergangenem Donnerstagabend hängt nun oberhalb des grossen Isebähnli-Parkplatzes, vor einem grünen Container, eine schwarze Blechwand. Kolodzej zeigt auf drei gewöhnliche Haushalts-Steckdosen mit 230 Volt Spannung, die nebeneinander aus der Blechwand hervorschauen: «Hier können drei E-Töffs gleichzeitig mit Strom versorgt werden.» Das Problem mit der Sicherung ist gelöst, führt Moser aus: «Jede Steckdose hat ihre eigene Sicherung.» Ungefähr 10'000 Franken hat er in die Realisierung investiert. Er weiss, dass deren Verbreitung derzeit marginal ist, doch rechnet er mit einem steten Aufschwung. «Wenn die Elektromobilität wirklich Einzug hält, ist das nur ein kleiner Anfang hier.» Kolodzej stimmt ihm zu: «Jetzt kommen nur ein paar wenige Töffs pro Abend. In ein paar Jahren sind es sieben, zehn, zwanzig!»

Das Isebähnli liefert den Strom im Moment noch gratis. «Wenn die Nachfrage stark zunehmen würde, müsste ich mir eine Gebühr überlegen. So jedoch essen und trinken die Leute hier etwas, während ihre Batterie etwas Strom zu sich nimmt», erklärt Kolodzej sein Konzept. Der in einer Stunde verbrauchte Strom pro Fahrzeug koste ihn ungefähr 50 Rappen.Das Verbindungskabel vom Töff zur Steckdose müssen die Gäste selber mitbringen. Kolodzej ist selber auch Töfffahrer, «allerdings noch nicht elektrisch.» Mit dem E-Bike fahre er jedoch fast täglich zur Arbeit.

Für grosse Elektoautos ist die Ladestation allerdings zu schwach. «Einen Tesla könnte man auch einstecken, aber es würde etwa eine Woche dauern, bis der geladen wäre», lacht Moser. Die Anlage bleibt den ganzen Winter über bestehen. «Die nächste Saison wird zeigen, wie hoch die Nachfrage ist», sagt Kolodzej. Ob es am Hauenstein künftig nur noch surren und nicht mehr knattern wird? Vielleicht steht, die Motorradszene vor einem technischen Umbruch.