Tim Hättich
Von Hip-Hop bis Hitchcock: Dieser junge Erlinsbacher ist auf den Spuren grosser Filmemacher

Tim Hättich aus Erlinsbach SO experimentiert mit Film und Fotografie. Er hat einen Dokumentarfilm über Flüchtlinge sowie mehrere Musik-Videos gedreht und plant seinen ersten Spielfilm - und das mit 16.

Christoph Zehnder
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Die Welt ist ein Dorf. Es heisst Erlinsbach. Fotos: Tim Hättich

Die Welt ist ein Dorf. Es heisst Erlinsbach. Fotos: Tim Hättich

Tim Hättich

Angefangen hat es, als Tim Hättich in den Ferien ein Bild von einer Blume mit Wassertropfen machen wollte. «Ich habe mich darüber aufgeregt, dass ich das mit meinem Handy nicht richtig fotografieren konnte», sagt der Erlinsbacher. Da habe er beschlossen, sich eine richtige Kamera zuzulegen. Seine Nikon begleitet ihn seither fast überall hin. Er fängt damit die Schönheit der Natur in seiner Heimat ebenso ein wie die futuristische Skyline von Tokyo. Der Teenager experimentiert mit verschiedenen Perspektiven und technischen Spielereien. Gemeinsam mit einer Kollegin geht er regelmässig auf Kamera-Pirsch.

Seinen Wohnort hat er per Drohne aus der Luft abgelichtet, wie nebenstehende Bilder zeigen. Sie zeigen Erlinsbach aus ungewohnter Perspektive. Sein technisches Verständnis kommt dem Informatik-Lehrling dabei besonders zugute. «Es ist eine Drohne mit besonders vielen Sensoren. Sie bleibt dadurch besonders ruhig in der Luft. Das ist nötig für die Langzeitbelichtung», beschreibt er die Prozedur für die Luftaufnahmen über dem nächtlichen Erlinsbach.

Erlinsbach bei Nacht: Drohnenaufnahme des «Löwenkreisels».

Erlinsbach bei Nacht: Drohnenaufnahme des «Löwenkreisels».

Tim Hättich

Dokumentarfilm über Flüchtlinge

Fotografie ist das eine. Doch Tims Herz schlägt mittlerweile auch für das bewegte Bild. Im Rahmen einer Abschlussarbeit realisierte er gemeinsam mit einem Freund einen 20-minütigen Dokumentarfilm über Flüchtlinge. Diese schildern darin ihren Weg aus ihrer kriegsgebeutelten Heimat in die Schweiz, wo sie ein neues Leben aufbauen wollen. «Wir durften das Thema frei wählen. Ich entschied mich für Flüchtlinge, weil ich es einfach interessant fand.» Sogar den Aargauer Regierungsrat und Vorsteher des Migrationsamtes Urs Hofmann konnte der junge Filmer für die Teilnahme gewinnen. Seine Mutter verfügt über gute Kontakte, wodurch die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Protagonisten zustande kam. Vier Stunden Material – natürlich gefilmt mit seiner Nikon – sind so zusammengekommen. Insgesamt wendete das Duo über 60 Stunden für dieses Projekt auf.

Nicht immer geht es bei Tims Film-Projekten aber so ernst zu. «Kürzlich habe ich meinen neusten Film fertiggestellt. Er heisst ‹The Last Planet›». Es handelt sich dabei eine Art Star-Wars-Tribut – inklusive Lichtschwertkampf. «Ich habe etwas Ähnliches auf Youtube gesehen und dachte: ‹cool, das probiere ich auch›››.

Die Internet-Videoplattform dient dem 16-Jährigen nicht nur als Inspirationsquelle, sondern eignet sich auch hervorragend, um das eigene Wissen über Fotografie und Filmtechnik zu erweitern. «Das meiste habe ich mir selber beigebracht – entweder durch ausprobieren oder durch Tutorials (Lernvideos, Anm. d. Red.) auf Youtube.»

Schweizer Jugendfilmtage

Daneben dreht der Erlinsbacher auch fleissig Musikvideos mit seinem befreundeten Rap-Musiker «Apakan1». Der Ausstoss des Teams ist beträchtlich. «Wir versuchen, jedes zweite Wochenende ein neues Video zu drehen. Mittlerweile sind wir bei sechs.» Kein ungewöhnlicher Weg für junge Regisseure. Selbst Hollywood-Grössen wie Martin Scorsese oder Spike Lee haben sich in diesem Genre die Sporen abverdient. Eines dieser Musikvideos wird Tim Hättich demnächst erstmals einem grösseren Publikum zeigen dürfen, an den 42. Schweizer Jugendfilmtagen, die Anfangs April in Zürich stattfinden.

«Das meiste habe ich mir selber beigebracht.» Tim Hättich, Fotograf und Filmemacher aus Erlinsbach SO.

«Das meiste habe ich mir selber beigebracht.» Tim Hättich, Fotograf und Filmemacher aus Erlinsbach SO.

zvg

Die Frage, was einen guten Film ausmacht, kann auch Tim nicht so einfach beantworten. Eine gute Story müsse es schon sein, am liebsten mit einem Plot Twist, also einer unerwarteten Wendung am Schluss. Die Cinematografie sei aber genau so wichtig. Überraschend die Antwort auf die Frage nach seinen Filmidolen: «Eines meiner Vorbilder ist Alfred Hitchcock.» Wie bitte? Kein Tarantino oder Spielberg, sondern Schwarz-Weiss-Filme? «Psycho» von Altmeister Hitchcock sei momentan sein Lieblingsfilm. «Die Art, wie Hitchcock Film machte, ist einfach grossartig.»

Spielfilm für 2019 geplant

Irgendwann will Tim in der Filmbranche Fuss fassen, das steht fest. Wenn nicht in der Regie, dann vielleicht im Schnitt. Doch zuvor will er seine Informatiklehre bei der IBZ abschliessen – um «etwas Festes» in der Hand zu haben, wie er sagt. Bis dahin setzt er seine Ideen in der Freizeit um. «Mein neustes Projekt befindet sich gerade in der Anfangsphase», verrät er. Geplant ist ein Spielfilm über volle 90 Minuten. 2019 soll es mit den Dreharbeiten losgehen.

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