Bis vor wenigen Monaten war die Rennstrecke Manuel Fasnachts Zuhause. Drinnen sitzen, am Computer arbeiten: Das gab es selten. Heute hat er seinen Kraftraum im Keller eines Wohnhauses in Däniken zum Ein-Mann-Büro und Sitzungszimmer umgewandelt. Im Juli 2018 kehrte Fasnacht dem Profisport und seiner Karriere als Mountainbiker den Rücken, da er kein neues Elite-Team gefunden hatte. Seither fokussiert er sich auf das Start-up «meinTrainingsplan.ch». Fasnacht: «Als ich meine Karriere beendete, war ich natürlich enttäuscht. Aber dank dem Start-up konnte ich mich schnell fangen.»

Der Gretzenbacher entdeckte seine Liebe zum Sport früh. Im Alter von sechs Jahren raste er bereits mit dem Mountainbike die Hügel runter. Als Nachwuchstalent gewann er mehrere grosse Wettbewerbe, so wurde er etwa 2011 Schweizer Meister. Im Jahr 2016 gelang ihm dann der Sprung in den Nationalkader. «Es hat sich immer alles um Sport gedreht», sagt Fasnacht. Und so sei es noch immer.

Coaching vom Büro aus

Nachdem er sich nun aber jahrelang um seine eigene Sportlerkarriere gekümmert hat, will er nun anderen Athleten ein individuelles Coaching anbieten. Auf der Plattform «meinTrainingsplan.ch» sollen Interessierte einen eigenen Trainer auswählen und engagieren können — ganz nach ihren Wünschen. «Ich als Coach stelle meinen Athleten einen individuellen, nach ihrem Tagesablauf und ihren Bedürfnissen ausgerichteten Trainingsplan zusammen», sagt der 23-Jährige. Derzeit coache er 20 Sportler. Darunter seien Weltcup-Fahrer, einige vielversprechende Talente im Rad- und Laufsport sowie mehrere Hobbysportler.

Das Coaching erfolgt aber nicht in verabredeten Trainings auf der Laufstrecke, sondern über Whatsapp, Telefongespräche und den Trainingsplan auf der App. Mittels Fitnesstracker und Messgeräten an den Fahrrädern sieht Fasnacht, ob die Athleten ihre Trainings absolvieren, wie fit sie sind und welche Coaching-Tipps sie brauchen. «Der Athlet kommt vom Training nach Hause, speichert die absolvierte Einheit ab, geht unter die Dusche. Wenn er raus kommt, habe ich ihm bereits die Datenauswertung und das Feedback dazu geschickt», erklärt Fasnacht das Konzept seines Start-ups.

Das Unternehmen hat er zusammen mit Dominic Bohler und dem Unihockey-Spieler Joël Gisler gegründet. Mittlerweile ist Gisler ausgestiegen, dazu gekommen sind ein IT-Mitarbeiter und ein Buchhalter. Derzeit arbeitet jedoch einzig Manuel Fasnacht Vollzeit für das Start-up. Bohler kümmert sich in einem 20-Prozent-Pensum um die Organisation der Trainer-Sportler-Verbindungen. «Unser Ziel ist es, dass wir künftig beide davon leben können», sagt Fasnacht. Noch sei dies nicht der Fall, auch wenn die Athleten zwischen 100 und 200 Franken pro Monat für das Coaching zahlen.

«Ich sehe grosses Potenzial»

Heute Freitag veranstaltet «meinTrainingsplan.ch» eine Informationsveranstaltung: «Damit startet unser Riesenprojekt», sagt Fasnacht. Der Plan sei nämlich, neue Trainer mit ins Boot zu holen, die auf der Plattform ihr Coaching anbieten können. Dabei richtet sich das Start-up an professionelle Sportler, ehemalige Athleten, Sportstudenten sowie an bereits ausgebildete Trainer. «Die Coaches haben auf unserer Plattform ein Profil und können ihre Preise bestimmen.» Das Coaching selbst könne flexibel von unterwegs oder von zu Hause aus erfolgen. So soll das Start-up wachsen. Fasnacht hat grosse Pläne: «Bis in fünf Jahren will ich 100 Trainer haben, die zu unserer Trainergemeinschaft gehören.»

Der Wechsel vom Profisportler zum Unternehmer scheint Manuel Fasnacht leicht gefallen zu sein. «Ich habe schon während der Sportkarriere ab und zu Trainingspläne für meine Freunde geschrieben», sagt er. Auch habe ihn die Auswertung seiner Daten aus den absolvierten Trainings immer fasziniert. «Ich sehe grosses Potenzial in diesem Bereich. Denn viele Sportler wissen nicht, wie viel man alleine mit der Interpretation der Daten erreichen kann», sagt Fasnacht und zeigt auf seinem Laptop eine verschiedenfarbige Grafik eines Sportlers, auf der die pinken Linien die Leistung, die gelben die Müdigkeit und die graue das Ziel bedeuten.