Niederamt
Von der Quelle strömt sie bis zur Mündung: Neues Buch liefert Daten, Fakten und Zahlen zur Aare

Ein neues Buch beleuchtet den Verlauf der Aare und liefert Zahlen, Daten und Fakten zu diesem fast 300 Kilometer langen Fluss.

Johannes von Arx
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Das Niederamt ist ein Teil ihres Weges: Die Aare beim Kanal von Winznau.

Das Niederamt ist ein Teil ihres Weges: Die Aare beim Kanal von Winznau.

Bruno Kissling (2. November 2020

Etwa 140 Kubikmeter Wasser schieben sich pro Sekunde durchs Niederamt Richtung Aarau. Die Aare nimmt auf ihrem Weg zum Rhein zahlreiche kleine Bäche in sich auf, so beispielsweise den Dorfbach von Trimbach, den Schwandenbach von Lostorf oder den Erzbach von Erlinsbach. Diese Kraft hobelt den Grund weg, und das bereits am Ursprung. Alle 3333 Jahre raubt die Aare den Bergen ihres Quellgebietes einen ganzen Meter an Höhe. Solcherlei Kuriositäten wissen wir dank des Kultbuchs von drei Bernerinnen über diesen Dreiseen- und Dreikantonefluss.

Und wenn wir schon bei der Ziffer Drei sind: Die breiteste Stelle beträgt 30 Meter, und im Wasser tummeln sich rund 30 Fischarten. Diese Aufzählung ist mehr als Zahlenspielerei, sie vermittelt einen ersten Einblick in die Gestaltung des 60-seitigen Bandes.

Dazu kam es, weil die drei Frauen zusammen als eingespieltes Team lange für die Berner Zeitung gearbeitet und dort gemeinsam Infografiken realisiert hatten. Und diese beinhalten naturgemäss Daten, Fakten und auch Zahlen. Damit begegnen wir der Aare auf neue, erfrischende Art und Weise, die Texte sind durchgehend kurz gehalten. Auch die Initialzündung zu diesem Werk war alles andere als alltäglich: Stefanie Christ suchte für jemanden nach einem passenden Geschenk, fand nichts, hatte dafür die ambitiöse Idee, das Geschenk in Form eines Aarebuchs gleich selbst zu kreieren. Dazu spannte sie mit Sabine Glardon und Maria Künzli zusammen.

Auf der Aare sagt man ihm Fährimann – nicht Fäärimaa

Und weil der 290 Kilometer lange Fluss in all seinen Facetten schon in vielen Publikationen sowohl bildnerisch, poetisch wie naturwissenschaftlich beleuchtet worden ist, beging das Trio einen völlig neuen Weg, sammelte Daten und Fakten und verarbeitete das Material in der radikal reduzierten Ästhetik der Werbung aus den Sechzigerjahren. So etwa auf der Doppelseite «Das Aarewasser» mit einer stilisierten Fussgänger-Hängebrücke und drei minimalistischen Grafiken zur Abflussmenge, zur kältesten (2,62 Grad Celsius) bzw. höchsten je gemessenen (23,83 Grad Celsius) Wassertemperatur sowie zu deren Verlauf im Jahr 2018.

Auf weiteren Seiten begegnen wir acht verschiedenen Tönen von Aaregrün, Wissenswertem zu allerlei, was da kreucht, fleucht, quakt, piepst, leuchtet (der grosse Leuchtkäfer), grünt und blüht (der «Straussblütige Gilbweiderich» etwa). Wir begegnen den zehn Aaretypen sowie dem «wohl berühmtesten Fährimann der Schweiz» (nein, es ist nicht der Fäärimaa auf dem Rhein zu Basel). Das Buch lässt uns rätseln über verwunschene Aarewindungen und nennt zehn Flusssongs mit dem deutlichen Hinweis «...sollten Sie kennen».

Weitere Akzente setzen Infografiken zu verschiedenen Themen wie Marzilibad, Wasserkraftwerk Mühleberg, Juragewässerkorrekturen, Aarewaage (rückfliessendes Wasser bei Aarburg), Geschichtliches zur Aarebrücke Olten und Keltensiedlung auf der Engehalbinsel bei Bremgarten BE.

Olten muss man selber ins Buch eintragen

Die Haltung der drei Verfasserinnen drückt sich mit der persönlichen Ansprache «Liebe Aare» als Titel ihres witzigen Buches aus. Einen «Tolggen» kann man als Oltner aber nicht übersehen, denn in der Grafik Flussverlauf Seite 9, in dem Nebenflüsse und Kraftwerke eingezeichnet sind, schwamm Olten beim Kreieren der Grafik glatt aareab. So muss dies selbst nachgetragen werden. Denn ein Aarebuch ohne den Namen von Olten? Da hört der Spass auf.

Hinweis

«Liebe Aare» von Stefanie Christ (Konzept, Text), Sabine Glardon (Grafik) und Maria Künzli (Text), erschienen im Werd & Weber Verlag Thun/Gwatt, ISBN 978-3-03818-263-4