Erlinsbach SO
Vom Rock'n'Roll zum Trendlokal: «Hier gibts die geilsten Burger»

Erlinsbach – das Dorf im Niederamt an der Kantonsgrenze ist für viele Fasnacht und gute Restaurants: Das «Andy’s Place» hat sich in den letzten 30 Jahren zum stark frequentierten Trendlokal entwickelt. Was dahinter steckt.

Isabel Hempen
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Die wilde Mischung aus American Diner, Tiki, Mexiko-Trash und Rock ’n’ Roll kommt bei den Gästen im «Andy’s Place»an.

Die wilde Mischung aus American Diner, Tiki, Mexiko-Trash und Rock ’n’ Roll kommt bei den Gästen im «Andy’s Place»an.

Remo Fröhlicher

Andreas Stauber trägt die Arme voller bunter Tattoos, eine Schirmmütze und ein freundliches Lächeln im Gesicht. Es ist nach neun Uhr an einem gewöhnlichen Samstagabend und sein Lokal in Erlinsbach ist wie üblich gut besucht. «Andy’s Place» hat immer Gäste. Wer abends in der Nähe des Dorfplatzes unterwegs ist, sieht Leute draussen im Schein der Neonbeleuchtung sitzen. Zu jeder Jahreszeit. Manchmal gezwungenermassen, denn gerade am Wochenende sind häufig alle 90 Innenplätze reserviert. Dann bestellen sie eine der rund 40 Biersorten, die Andy eigens aus Mexiko und den USA importiert, und warten, bis drinnen etwas frei wird.

Farbenfroh und kitschig

«Es läuft immer», sagt Andy. Sein Lokal hat jeden Tag geöffnet. Aber auch nach fast 30 Jahren, in denen er es nun betreibt, fällt es dem 54-Jährigen schwer festzumachen, woran das liegt. «Wohl weil es einzigartig ist. Schweizweit gibt es, glaube ich, nichts Vergleichbares.» Mag sein: «Andy’s Place» ist eine wilde Mischung aus American Diner, Tiki, Mexiko-Trash und Rock ’n’ Roll. Tiki-Figuren am Eingang, drinnen die bambusverkleidete Bar, klassische Diner-Bänke und -Stühle im Fifties-Design, an den Wänden Gitarren, Surfboards, Getränkeplaketten. Amerikanische Oldtimer-Modelle, Skelette mit Schnurrbart und Sombrero, Lucha-Libre-Masken stehen in Wandnischen, auf Fensterbänken, auf dem Tresen herum. Hauptsache viel, farbenfroh und kitschig. Leiser Surf- und Rock ’n’ Roll-Sound spült durch das Lokal.

Als Andy das Restaurant übernahm, eine ehemalige Pizzeria, die nicht in die Gänge kam, startete «Andy’s» als American Diner. Anfangs kam vor allem die Rock ’n’ Roll-Szene zu ihm. Seine Szene. Zwei Jahre lang liess ihn das Dorf links liegen. «Da parkten diese Ami-Schlitten mit Zürcher und Berner Nummern bei mir und die Leute munkelten, das seien Drögeler und Zuhälter», erinnert er sich. Die Rock ’n’ Roll-Gäste sind zwar weniger geworden. Aber ihnen hat er es wohl zu verdanken, dass das «Andy’s» heute schweizweit bekannt ist. Manchmal, wenn er besondere Anlässe wie Surf- oder Rock ’n’ Roll-Konzerte organisiert, kommen sie sogar aus Frankreich oder Deutschland. Auch Motorradfahrer haben das «Andy’s» zum inoffiziellen Treff erkoren. Seine Kundschaft sei heute sehr durchmischt, sagt er. Junge, Arbeiter, Vereine, Familien. Zürcher, Berner, Luzerner, Einheimische.

Immer wieder etwas Neues

Über die Jahre entwickelte sich das Diner weiter. Andy fand Gefallen am Tiki-Stil. «Je extremer die Deko wurde, desto mehr Leute kamen», sagt er. Er mag die Mischung. Er probiere immer wieder etwas Neues reinzubringen, auch auf der Speisekarte. Neben Burgern, die er beinahe von Anfang an anbot, hat die Karte inzwischen einen starken Tex-Mex-Einschlag. «Du darfst nie stehen bleiben, mir würde langweilig werden», sagt er.

Burger haben auch Brezi, Luis, Hakan und Ahmed gegessen. Sie sind zwischen 17 und 28 Jahren alt und wohnen in Aarau. Jetzt stehen sie draussen und rauchen. Brezi ist häufig im «Andy’s», die anderen drei, wenn es etwas zu feiern gibt. Das ist heute der Fall: Luis wird befördert und Brezi hat erfahren, dass er Vater wird. «Hier gibt’s die geilsten Burger», sagt Brezi. Und dank der grosszügigen Portionen werde man «super satt». Die Burger, gesteht Andy, werden wegen des beschränkten Platzes in der Küche mit Tiefkühl-Patties hergestellt. Dass sie «geil» schmecken, hängt seiner Meinung nach auch mit der gesamten Atmosphäre zusammen.

Das sieht auch Brezi so: «Hier kannst du in die Vergangenheit eintauchen und vor der Technologie entfliehen.» Wie seine drei Freunde arbeitet er für ein Mobiltelefon-Unternehmen. Im «Andy’s» sei der Handy-Empfang schlecht. «Da kannst du schon ein Foto vom Essen machen, aber online stellen geht nicht. Darum sind die Leute hier nicht mit dem Natel beschäftigt. Du kannst einfach mal abschalten.» Und die Musik, die er privat nicht hört, «macht so ein happy Feeling. Hier hast du immer gute Laune.»

Die meisten Tische sind besetzt. Beim Zehnergrüppchen handelt es sich um Freunde aus dem Ort, alle etwa 24 Jahre alt. «Wir kommen schon seit acht Jahren hierher, es ist so etwas wie unser Treffpunkt geworden», sagt einer von ihnen. Im Nebenraum haben Reto und Patricia gerade ihr Abendessen beendet. Beide sind um die 40 und aus dem Elsass angereist. Sie haben Retos Eltern besucht. «Bis ich wegzog, war das «Andy’s» meine Stammbeiz», erzählt Reto. Ein solches Angebot an Speisen und Getränken finde man nirgends in der Region. Und auch in Frankreich nicht. «Wenn wir näher wohnen würden, wären wir öfter hier», sagen beide. Ihre Teller zeigen noch Burrito- und Enchilada-Spuren. «Es war sehr fein. Einfach ein bisschen viel», sagt Reto. «Es ist immer viel», schiebt Patricia nach.

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