Am Sonntag war der Altweibersommer 2017 definitiv zu Ende gegangen: Sonnenschein und blauer Himmel wechselten zu kaltem, nassem und grauem Wettergeschehen. Mit anderen Worten: Es herrschten ideale Bedingungen für einen Museumsbesuch. Beispielsweise im Museum «Ballyana – Sammlung Industriekultur» an der Schachenstrasse 24 in Schönenwerd.

Dort ging der Ballyana-Tag über die Bühne. Rund 20 der insgesamt 50 freiwilligen Helferinnen und Helfer standen bereit, um die Gäste zu bewirten, Auskünfte zu erteilen oder durch die Ausstellung zu führen. Das Museum besteht seit 2010, die rechtlich zugrunde liegende Stiftung seit dem Jahr 2000.

Dieses Jahr drehte sich das Interesse während des Ballyana-Tages um Schuhe und deren Produktion. «Wir hatten als Themenkreise etwa den historischen Maschinenpark oder das 15-jährige Jubiläum von Ballyana. Die Schuhe bildeten das Kerngeschäft des Bally-Unternehmens, deshalb rücken wir sie dieses Jahr ins Zentrum», erklärte Stiftungsratspräsident Philipp Abegg.

Oft werden die Schuhe geschenkt

Wie viele Schuhe sind denn nun Bestandteil dieser Sammlung? «Ehrlich gesagt, wir wissen es alle nicht so genau», bekannte der Stiftungsratspräsident. Einige 100 Paare dürften es inzwischen wohl sein; die meisten davon Schenkungen aus privaten Sammlungen, aus nicht mehr existierenden Schuhverkaufsgeschäften oder Schuhproduktionsfabriken. Aber auch von Privaten oder Prominenten wie etwa alt Nationalrätin Ruth Grossenbacher aus Erlinsbach SO, wie dem «Ballyana-Tätigkeitsbericht 2016» ergänzend zu entnehmen ist. «Alleine diese Woche erhielten wir 40 Paare geschenkt», so Abegg.

Auf den Führungen konnten die Besucher zunächst die diversen Webmaschinen bestaunen, die der Herstellung von Geschenk- und anderen Bändern gedient hatten, bevor sie allerlei Wissenswertes zur industriellen Produktion und Fertigung der Schuhe erfuhren. «Angefangen hatte die Firma Bally mit billigen Massenprodukten und erweiterte ihre Palette bis hin zu Luxusprodukten», erklärte Philipp Abegg während der anschliessenden Modenschau, an der charakteristische Frauen-, Männer- und Kinderschuhe vorgeführt respektive präsentiert wurden.

Alte Modelle aus ersten Jahrzehnten

«Bei den Damenschuhen verfügen wir über einige sehr alte Modelle aus den ersten Jahrzehnten der Produktion. Etwas vom Schönsten, das wir haben, sind Pumps aus den 1960er-Jahren mit spitz zulaufenden sogenannten Bleistiftabsätzen», schwärmte der Stiftungsratspräsident. Bei den Herren stachen die Modelle der «Scribe-Kollektion» heraus, «Spitzenschuhe mit Schnürsenkeln, die man immer wieder gut reparieren kann», so Abegg.

Waren die Damen- und Herrenmodelle meist in einem gut erhaltenen Zustand, präsentierten sich die Kinderschuhe dagegen oft als abgenützt und abgewetzt. «Kinderschuhe haben für die Eltern meist einen emotionalen Wert und werden oft lange aufbewahrt», führte der Stiftungsratspräsident aus. Entsprechend wenige Modelle habe das Museum. Dies obschon es kürzlich einen ganzen Bestand aus einer ehemaligen Kinderschuhfabrik aus Reinach BL übernehmen konnte.

80 Besucher am Ballyana-Tag

Insgesamt war es ein abwechslungsreicher und interessanter Einblick in die Welt des Bally-Unternehmens und der Schuhe, den die Besucher gewinnen konnten. Ergänzt wurde das Programm durch den Mitinhaber der Schuhputzfirma Shoe Shine GmbH Ercan Korhan aus Schönenwerd. Er führte den Gästen vor, wie Schuhe richtig gereinigt und geputzt werden müssen.

Und ebenfalls ein erstes Mal in Augenschein genommen werden konnte ein Band-Webstuhl, der während mehr als 100 Jahren bis 1980 in Kienberg im Einsatz gestanden hatte. Seit diesem September ist er Teil der «Sammlung Industriekultur» und wird während der kommenden zwei Jahre durch ein Freiwilligen-Team restauriert.

Am Schluss des Tages konnte der Stiftungsratspräsident eine positive Bilanz ziehen. «Rund 80 Interessierte sind gekommen, gegen Ende gab es nochmals einen grösseren Schub an Besuchern.» Es hätten noch ein paar Gäste mehr kommen dürfen, aber wichtig war, die Interessierten zu erreichen und ihre Fragen zu beantworten. «Das haben wir geschafft. Insgesamt sind wir zufrieden.»