Als Jüngstes von sechs Kindern hat Emil Josef Vögeli 1908 das Licht der Welt erblickt. Seine Kindheit und Jugendzeit hat er in seiner Geburtsgemeinde Trimbach und in Olten, wo er eine Lehre als Feinmechaniker absolviert hat, verbracht. ebendieser Gemeinde hat Vögeli nach seinem Ableben 1997 rund eine Million Franken hinterlassen.

Bereits in seinen jungen Jahren zog es Vögeli immer wieder fort aus Trimbach. Nach längeren Aufenthalten in Genf und Paris entschied sich der gelernte Feinmechaniker 1939, in die Vereinigten Staaten auszuwandern. Damit folgte Vögeli seinem älteren und bereits einige Jahre zuvor in die USA emigrierten Bruder Walter Vögeli.

Vögeli wollte nicht mehr zurück

Der Trimbacher war von da an als Werkzeugmacher in New York tätig. In den 1960er-Jahren kehrte er für einige Wochen Urlaub zu seiner nach wie vor in Trimbach lebenden Schwester Flora Vögeli zurück.

Doch eine definitive Rückkehr in seine alte Heimat konnte sich der Trimbacher nicht vorstellen. So entschied sich Vögeli, auch nach seiner Pensionierung in den USA zu bleiben. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in einem Vorort von New York, wo er im April 1997 verstarb.

Obwohl sich Vögeli gegen ein Leben in der Schweiz entschied, lag ihm die Gemeinde Trimbach bis zum Schluss am Herzen. So lässt es sich jedenfalls erklären, wieso Vögeli in seinem in den 1980er-Jahren aufgesetzten Testament festgelegt hat, dass er seiner Geburtsgemeinde Trimbach das Legat hinterlassen möchte.

Eine Kommission verwaltet das Legat Vögeli

Seit 1998 ist eine fünfköpfige Verwaltungskommission der Gemeinde Trimbach für das Legat Vögeli zuständig. Präsident jener politisch und konfessionell neutralen Kommission ist Christoph Henzmann.

Der Erblasser Vögeli, der für klassische Musik und Literatur brannte, hat in seinem Testament explizit festgelegt, welche Projekte mit finanziellen Mitteln aus seinem Vermächtnis unterstützt werden sollen. «Die Gemeinde Trimbach darf das Legat für den Kulturbereich oder für wohltätige und bildungsmässige Zwecke einsetzen», hält Henzmann fest. In der Verordnung der Kommission ist zudem zu lesen, dass eine Unterstützungsleistung auch für Bauten und Einrichtungen für solche Zwecke möglich ist.

Kein Geld für Sportförderung

Im Testament ist allerdings nicht nur festgehalten, wofür das Vermächtnis eingesetzt werden soll, sondern auch wofür keine Gelder gesprochen werden dürfen. Kein Geld soll in die Sportförderung fliessen. Grund dafür könnte sein, dass sich Vögeli während Lebzeiten nicht für Sport interessiert hat.

Zudem werden mit dem Legat keine Klassen- und Schullager oder private Hobbys unterstützt. Ebenso wenig sollen mit den Geldern Stipendien und Förderpreise finanziert oder eine Ausbildung ermöglicht werden.

Projekt muss für ganz Trimbach offen sein

Voraussetzung für eine finanzielle Unterstützung ist, dass die Kommission einen einstimmigen Beschluss fasst. Ein wichtiges Auswahlkriterium ist dabei, dass es sich um ein Projekt handelt, dass der ganzen Trimbacher Bevölkerung offen steht.

Da sich viele der durch das Legat unterstützten Projekte mittels eigener Einnahmen, beispielsweise in Form von Eintrittspreisen, teilfinanzieren, übernehme die Kommission oftmals eine Defizitgarantie im Rahmen eines festgelegten Betrags, erklärt Henzmann.

Legat ist eine Million Franken gross

Die Kommission kann jährlich mehrere Beiträge zwischen 25000 und 30 000 Franken sprechen. «Diese Richtgrösse orientiert sich an der Vorgabe, dass sich die finanziellen Zuwendungen vor allem aus den Zinserträgen des Legats ergeben sollen», so Henzmann. Dabei beläuft sich das Erbkapital von 1997 auf rund 600'000 US-Dollar — das sind heute ungefähr eine Million Franken.

Im vergangenen Jahr sind 15 Projekte im Umfang von rund 27'000 Franken gefördert worden. Dabei liegen die zugesprochenen Beträge meist zwischen ein- bis zweitausend Franken. Aber es gebe auch Ausnahmen, so Henzmann: Je nach Projekt seien auch geringere Beträge von einigen Hundert Franken möglich.

Der höchste Betrag, der je ausbezahlt worden sei, lag hingegen bei mehr als 3000 Franken. Dieser wurde für ein Kirchenkonzert des St. Mauritiuschors in der katholischen Kirche bewilligt.

«Fester Bestandteil der Gemeinde»

Für den Präsidenten der Kommission steht fest, dass dem Legat ein hoher Stellenwert innerhalb der Gemeinde zukommt. «Das kulturelle Leben in Trimbach wird massgebend durch das Legat gefördert und ist fester Bestandteil der Gemeinde.» Ein Grossteil der Beitragsgesuche beziehe sich denn auch auf jährlich wiederkehrende Anlässe. So unterstütze man unter anderem regelmässig den Kirchenchor St. Mauritius, die «Märlibühni» oder den Kulturverein Forum.

Viermal im Jahr können sich Trimbacher Vereine, Organisationen, Institutionen, Gruppierungen und Einzelpersonen mit ihren geplanten Projekten der Verwaltungskommission vorstellen. Die Fristen für die Beitragsgesuche sind jeweils der 1. März, 1. Juni, 1. September und 1. November. Eine Beurteilung der Gesuche erfolgt innert fünf Wochen nach Eingabefrist.