Hier sind eindeutig Tüftler und Schrauber am Werk: Ausgediente Skateboards und ein altes Mountainbike warten darauf, mit einem Elektroantrieb aufgerüstet zu werden; in einer Ecke steht ein halb fertiger Kart, dazwischen stapeln sich ausgebaute Rasenmäher- und Töfflimotoren, Bremsscheiben und Schrauben. Wiederverwertung lautet hier das Stichwort – und das trifft auch auf die Getränkeharasse zu, die sich in den Regalen türmen: Denn diese Werkstatt ist die Geburtsstätte der fahrenden Bierkisten.

Hier in Schönenwerd sind bereits über 50 Stück dieser ungewöhnlichen Rennmaschinen zusammengebastelt worden. Stolz führt Nicola Morellini die verschiedenen Modelle vor, die in den vergangenen zehn Jahren entstanden sind. Er hat sie zusammen mit seinen drei Kollegen Roland Morgenthaler, Tom Fuchs und Matthias Däster entworfen.

Das allererste Gefährt – eine klassische blaue Feldschlösschen-Harasse – war noch mit einem benzinbetriebenen Töfflimotor ausgerüstet. Unterdessen sind die vier Bastler auf Elektromotoren umgestiegen. «Die Herstellung und der Rennbetrieb sind dadurch viel unkomplizierter geworden», erklärt Morellini. Aber nicht minder spassig: Denn die elektrisch betriebenen Kisten mit 1 Kilowatt Leistung bringen es auf satte 25 km/h.

Steigendes Interesse an Bierkisten

Die Inspiration für den Bau der ersten fahrenden Bierkiste stammt aus einem Youtube-Video. Dank der Teilnahme bei der SRF-Radiosendung «Mini Räder – Mis Läbe» vor fünf Jahren erlangten die vier Kollegen einige Bekanntheit. Es folgte ein Auftritt in der Fernsehserie «A1 – Die Raststätte», wo ein Bierkistenrennen mit dem ehemaligen Formel-1-Fahrer Nick Heidfeld durchgeführt wurde. «Daraufhin erhielten wir von einer Firma die Anfrage, für einen internen Anlass fahrende Bierkisten herzustellen», blickt der Schönenwerder Morellini zurück.

Nicola Morellini und seine fahrenden Bierkisten Fahrendebierkiste.ch

Nicola Morellini und seine fahrenden Bierkisten.

Nicola Morellini und seine fahrenden Bierkisten Fahrendebierkiste.ch

Dies sei der Startschuss gewesen für die Herstellung zahlreicher weiterer motorisierter Harassen. Nur ein Teil davon wird direkt verkauft; die meisten Bierkisten werden vermietet. Kunden sind dabei nicht in erster Linie Privatpersonen, sondern Firmen, die für ihre Mitarbeiter einen Anlass organisieren. Die vier Freunde bieten hierfür ein Gesamtpaket an, das die Miete der Bierkisten, die Markierung der Rennstrecke, die Installation der Zeitmessanlage und die Betreuung vor Ort umfasst.

Eine spezielle Partnerschaft besteht zu einem Winterthurer Bierbrauer: Dieser hat eigens eine Halle zu einer Rennbahn umfunktioniert und führt dort jedes Jahr ein grosses Bierkistenrennen durch, an dem bis zu 50 Teams teilnehmen. Morellini und seine Kollegen sind an diesen Rennen jeweils als Supportteam vor Ort.

Da die fahrenden Bierkisten hier im intensiven Dauereinsatz stehen, kommen Konstruktionsmängel gnadenlos zum Vorschein. «Vor allem am Anfang mussten wir einige Kinderkrankheiten beheben. Aber im Laufe der Jahre haben wir viel dazu gelernt und uns einiges Know-how angeeignet, das nun in die Entwicklung der jüngsten Bierkisten-Generation eingeflossen ist», erklärt Morellini. Mittlerweile seien die Bierkisten so weit gediehen, dass sie nahezu wartungsfrei betrieben werden können.

Bastelei soll ein Hobby bleiben

Hergestellt werden die Bierkisten gleich in Serie, da dadurch die einzelnen Arbeitsabläufe effizienter gestaltet werden können. Wer eine Bierkiste erwerben möchte, muss hierfür je nach Akku 1600 bis 1800 Franken hinblättern. Denn allein die Materialkosten – darunter Stahlrahmen, Motor, Elektronik, Akkuzellen – belaufen sich auf über 1000 Franken. Bedenkt man, dass die Herstellung einer einzelnen Bierkiste im Schnitt einen ganzen Tag dauert, wird klar: Reich werden die vier Kollegen mit ihrem Hobby nicht. «Kameradschaft und der Plausch am Basteln stehen bei uns im Vordergrund», so Morellini.

Es sei nie die Absicht gewesen, aus der Bastelei und der Durchführung von Rennveranstaltungen ein kommerzielles, profitorientiertes Unternehmen entstehen zu lassen. «Darunter würde der spezifische Spirit verloren gehen, der an den Bierkistenrennen herrscht», erklärt der Tüftler. Sie hätten deshalb auch nicht vor, weiter zu wachsen. Wie bisher wollen sie im Jahr nur etwa vier bis fünf Rennevents begleiten. Ein fixer Termin ist dabei die Messe in Olten: Bereits zum dritten Mal werden die fahrenden Bierkisten dort präsent sein und allen Interessierten die Möglichkeit bieten, das spezielle Renngefühl am eigenen Leib zu erfahren.