Erst auf den zweiten Blick ging es an den Workshops im Bildungszentrum Gesundheit und Soziales BBZ in Trimbach um die psychische Gesundheit. Für den Anlass im Rahmen der kantonalen Aktionstage zu diesem Thema hatten sich laut Urs Trösch, OK-Mitglied und Beratungsstellenleiter von Pro Infirmis Aargau-Solothurn, 130 bis 150 Personen angemeldet. Im Vordergrund stand die Rolle der sozialen Medien unter Jugendlichen. Die Teilnehmer erhielten am Donnerstagabend Einblick in die Handynutzung im Unterricht, beliebte Social-Media-Apps sowie die Rechte und Verbote im Zusammenhang mit Sexting (Kommunizieren über sexuelle Themen) und Cybermobbing. «Die Jungen reden ja gar nicht mehr miteinander», lautete das Motto der Veranstaltung, welche von BBZ, Aktionstage-OK und Iradis, einem Geschäftsfeld der IV-Stelle Solothurn, gemeinsam organisiert wurde. In der Tat findet ein grosser Teil der Kommunikation bei Jugendlichen heutzutage über die sozialen Medien statt. «Früher traf man sich, heute schreibt man sich nur noch», fasste Urs Trösch dies zusammen.

Auf der Hut und nicht naiv sein

Den Bereich Mediatisierung und Sexualisierung präsentierten Lernende des BBZ in Form eines theatralischen Tanzabends, (Speed-)Dating-Events und (Kurz-)Chats via App mit Emojis und Fotos, bei denen schnell die gefährliche Frage nach intimen Aufnahmen aufkam, nach dem Motto: «Wenn du mich magst, schickst du mir von dir Fotos in Dessous.» Es sei nicht nur alles negativ in den sozialen Medien, stellte eine Lehrerin fest. «Es ist eine Frage der Einstellung. Man muss einfach aufmerksam sein mit dem, was man schreibt, muss auf der Hut und nicht naiv sein.»

Das Bildungszentrum für Gesundheit und Soziales verfügt über eine soziale Beratungsstelle, bei der sich die rund 4200 Lernenden Rat und Unterstützung holen können. Dafür zuständig ist Peter Zahnd. Er konzentrierte sich am letzten Donnerstag auf den Bereich Cybermobbing. Mobbing sei immer da gewesen, es habe sich einfach verlagert. «Gemäss James-Studie sind vier Fünftel der Menschen in den sozialen Medien ungefährlich unterwegs», betonte Zahnd. Beim Cybermobbing schikaniert ein Täter eine Person absichtlich über eine längere Zeit im Internet. «Die Grenze zwischen Spass und Beleidigung ist fliessend.» Die Anonymität sei ein Mega-Problem, sagte eine Lernende. Dabei wolle aber niemand ein Mobber sein. «Vielen Mobbern ist nicht bewusst, dass sie Mobber sind.»

«Effizientes Arbeitsinstrument»

Mehrere Lernende demonstrierten den Gästen Bedienung und Anreiz von Social-Media-Apps wie die Video-Plattform Youtube, die Video- und Fototeil-App Instagram oder Snapchat, auf der man hauptsächlich über – zeitlich beschränkt erscheinende – Bilder miteinander kommuniziert. «Was ist der Reiz, ein Bild für zehn Sekunden ins Netz zu stellen?», wollte ein Gast mit leicht ironischem Unterton wissen. «Genau das», erwiderte eine der Referentinnen prompt. «Der Beitrag ist nicht für immer drin. Da kann man alles teilen, und die Privatsphäre ist bei Snapchat viel grösser als auf Facebook.»

Das Handy sei nicht wegzudenken vom Unterricht, hielt BBZ-Lehrer Simon Ittig fest. «In der Allgemeinbildung arbeitet man viel mit Recherche.» Das Handy sei ein nützliches, effizientes Arbeitsgerät, das für Transferaufgaben und als jederzeit mögliche, wirksame Unterrichtsauflockerung eingesetzt werden könne. «Es ist eine wichtige Aufgabe von uns Lehrern, den Lernenden beizubringen, die Quelle zu hinterfragen.» Die Motivation sei bei den Lernenden gleich grösser, wenn es erlaubt ist, eine Aufgabe mit dem Handy zu lösen. «Das Handy ist ihr Freund.»