Niederamt

Verschmutztes Trinkwasser bedeutet Mehraufwand im Alltag – Bevölkerung trägt es mit Fassung

Im Alters- und Pflegeheim Brüggli Dulliken werden am Mittag die Kessi mit Frischwasser aus dem Kühler geholt. Für Chefkoch Peter Richard und Köchin Fränzi Fröhlicher gehört dies momentan zur Routine.

Im Alters- und Pflegeheim Brüggli Dulliken werden am Mittag die Kessi mit Frischwasser aus dem Kühler geholt. Für Chefkoch Peter Richard und Köchin Fränzi Fröhlicher gehört dies momentan zur Routine.

In den meisten Privathaushalten im Niederamt wird Wasser abgekocht oder Mineralwasser gekauft. Die Lebensmittelläden spüren dies stark. Im Alters- und Pflegeheim Brüggli Dulliken hat man sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Das Wasser kommt am Morgen im Milchkessi.

Wenn Chefkoch Peter Richard am Morgen im Alters- und Pflegeheim Brüggli Dulliken zur Arbeit erscheint, fährt er gleich wieder mit dem Lieferwagen weg. Vier leere Milchkessi bei sich, steuert er Richtung Werkhof Starrkirch-Wil und holt 120 Liter Frischwasser. Eine Massnahme, die nach der Trinkwasserverschmutzung getroffen wurde. «Wir sind sehr flexibel, und haben sofort Kontakt mit Starrkirch-Wil aufgenommen», erklärt Heimleiter Patrick Albiker.

Es gehe darum, dass in der Küche immer sofort sauberes Wasser zur Verfügung stehen müsse: «Wir haben keine Zeit, mehrmals am Tag schnell Wasser aufzukochen», ergänzt Richard. Ein Küchenbetrieb sei naturgemäss hektisch, aber ein bisschen Mehraufwand sei zu spüren: «Es ist, als ob ein paar Angestellte gleichzeitig Ferien hätten», vergleicht Richard.

Niederamt: Fäkalbakterien im Trinkwasser

Niederamt: Fäkalbakterien im Trinkwasser

In Dulliken, Lostorf und Obergösgen ist das Trinkwasser verschmutzt. Das Wasser muss abgekocht werden.

Mineralwasser beim Lavabo

Das Wasser aus Starrkirch-Wil wird vor allem beim Rüsten eingesetzt. In anderen Abteilungen des Alters- und Pflegeheims setze man Mineralwasser ohne Kohlensäure ein, um die Zähne zu putzen, oder etwa den Zahnersatz. Duschen ist unbedenklich. Kaffee aus den Maschinen könne problemlos genossen werden, dies sei mit dem Kanton abgeklärt worden.

Pflegedienstleiterin Sandra Cagnazzo sieht die Trinkwasserverschmutzung als «Nebengeräusch», wie sie sagt. Wobei ihr dann doch aufgefallen sei, dass viele Abläufe automatisiert seien, wie etwa die Sirup-Zubereitung: «Da können wir jetzt nicht einfach das Hahnenwasser laufen lassen.» Oder etwa am Abend, da man vor dem Schlafen noch ein paar Schlucke aus dem Hahn verzehrte. «Ich habe mir aus diesem Grund daheim eine Flasche Mineralwasser ohne Kohlensäure neben das Lavabo gestellt, damit ich es nicht vergesse, so Cagnazzo.

«Verstehe die Hektik nicht»

Im Pflegebereich gelten auch veränderte Richtlinien. Hier sei es jetzt wichtig, dass keine offenen Wunden mit dem Wasser in Kontakt kämen. Prisca Weder, Pflegedienstleiterin der Spitex Lostorf-Stüsslingen, weiter: «Teilweise haben wir sowieso spezielle vorverpackte und sterile Tücher, wenn wir die Patienten waschen.» Nur bei jemandem, der aufgrund von bereits bestehenden gesundheitlichen Problemen anfällig ist, müssten weitere Massnahmen getroffen werden, zum Beispiel bei Chemotherapie.

Doch solch ein Fall liege derzeit nicht vor. In den Privathaushalten macht sich die Wasserverschmutzung meist dadurch bemerkbar, dass literweise Wasser abgekocht wird. Wie etwa bei Heidi Rätz aus Lostorf: «Es beeinflusst den Alltag schon», findet sie. Jeden Abend nimmt sie sich Zeit, um sechs bis sieben Liter Wasser abzukochen, damit sie tags darauf genug davon hat, um den Haushalt zu erledigen.

Völlig anders sieht dies Christian Wittmer von der Pferdepension in Dulliken, er winkt ab: «Ich trinke weiterhin Leitungswasser und mir geht es tip-top. Laut den Informationen, die ich habe, sind die Grenzwerte nur sehr minimal überschritten. Da aber bei Fäkalbakterien Nulltoleranz herrscht, müssen die Behörden handeln», sagt er. Macht er sich keine Sorgen, sich zu vergiften? «Absolut nicht. Früher hat man ja das Abwasser einfach in die Aare gelassen, da wurde auch niemand krank», behauptet er.

Er sei seit Jahrzehnten in der Landwirtschaft tätig und verstehe die Hektik nicht: «Da wäre doch längst etwas passiert, wenn es wirklich so schlimm um unser Wasser stünde», sinniert er. Weder bei ihm, noch bei den 20 Pferden in seiner Pension habe er bislang etwas Alarmierendes feststellen können. Er setzte da auf seine natürlichen Abwehrkräfte, aber: «Ich verstehe natürlich, wenn in der Lebensmittelproduktion oder im Pflegebereich Wert darauf gelegt wird.» Das Einzige, das er mache, sei alles besser beobachten.

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