Amtsgericht Olten-Gösgen
Verkaufen ohne zu liefern: Insgesamt 53'000 Franken hat der Angeklagte ergaunert

Ein 24-Jähriger beging gewerbsmässigen Betrug auf verschiedenen Onlineplattformen. Insgesamt hat er sich so 53'000 Franken ergaunert. Jetzt musste er sich vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen verantworten.

Kelly Spielmann
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Auf Ebay und anderen Internetplattformen hat der Angeklagte 109 Mobiltelefone verkauft, ohne diese zu liefern.

Auf Ebay und anderen Internetplattformen hat der Angeklagte 109 Mobiltelefone verkauft, ohne diese zu liefern.

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Die Anklageschrift lag schwer in der Hand, als Amtsgerichtpräsidentin Eva Berset am Mittwochmorgen die Tür zum Gerichtssaal öffnete. 55 Seiten dick ist das Dokument, auf welchem sich die Delikte von Tomas Z.*, der in einer Niederämter Gemeinde wohnhaft ist, aneinanderreihen. In zerrissenen Jeans und einem Poloshirt betrat der Angeklagte den Saal.

Als erster von drei Anklagepunkten wird dem 24-Jährigen gewerbsmässiger Betrug in 110 Fällen vorgeworfen. Weiter musste er sich vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen wegen Fahren ohne Führerausweis sowie mehrfachem Ungehorsam im Betreibungs- und Konkursverfahren verantworten.

Vorgeworfen wird dem Kosovaren, im Zeitraum vom 6. Februar 2014 bis zum 29. August 2014 Mobiltelefone und einen Laptop im Wert von 230 bis 623 Franken auf Internetplattformen angeboten zu haben, ohne diese anschliessend zu liefern. Das Geld sei ihm von den Käufern jeweils auf verschiedene Konten eingezahlt worden. 110 mal geschah dies.

Am Mittwoch antwortete Tomas Z. genauso oft mit «richtig», als ihm Berset jedes Delikt einzeln vorlas. Mit jeder Antwort wurde seine Stimme leiser, sein Kopf sank tiefer – bis er wieder aufgefordert wurde, lauter zu sprechen, damit man ihn auf der Audiodatei später besser verstehen kann.

53'000 Franken ergaunert

«Weshalb haben sie das getan? Was ging in Ihrem Kopf vor?», fragte Berset den Angeklagten immer wieder. Stets folgte die gleiche Antwort von Z.: «Ich kann Ihnen nicht sagen, wieso ich es getan habe. Ich weiss es nicht.» Zur Tatzeit habe er sich in einer schwierigen Lebenssituation befunden – kurz zuvor hatte er seine Lehre als Lastwagenchauffeur abgebrochen, anschliessend hatte er in einer Shishabar in Zürich Oerlikon gearbeitet. Mit seinem ehemaligen Arbeitgeber habe er dann eine solche an der Langstrasse eröffnet. «Die hat aber nicht funktioniert und wir mussten sie schliessen», so der 24-Jährige.

Der Grund: Die Räumlichkeiten seien nicht als Fumoir vorgesehen gewesen, die Lüftungen dafür nicht ausreichend. Bei der Amtsgerichtspräsidentin warf dies Fragen auf: «Müsste man sich so etwas nicht vorher überlegen?» «Ja, aber das war nicht meine Schuld. Das war die Schuld meines ehemaligen Chefs», kam die Antwort wie aus der Kanone geschossen.

Nach dem misslungenen Wasserpfeifenprojekt war der Angeklagte arbeitslos. Er wohnte bei seinen Eltern, hatte keinen Job, kein Geld und keine geregelte Tagesstruktur. So begann er, elektronische Geräte zu verkaufen, die er nicht besass und nie zu liefern plante. Dabei suchte er sich insbesondere diejenigen Plattformen aus, auf denen es keine Bewertungssysteme gibt, um bei seinen Gläubigern kein Misstrauen zu erwecken.

Insgesamt ergaunerte er sich so knapp 53'000 Franken, die auf eigens dafür eingerichtete Konten überwiesen wurden. Mit dem Geld zahlte er aber nicht etwa seine Schulden – nach eigenen Angaben über 100'000 Franken – ab, welche er im Laufe des Verfahrens als einen der Gründe für seine Taten nannte. «Ich kaufte mir jeden Abend flaschenweise Alkohol im Ausgang in Zürich», erklärte er.

Autobesitzer ohne Führerschein

Während der Angeklagte in der Zeit, in welcher er die Straftaten beging, zwar keinen Lohn und keinen Job hatte, gab es etwas anderes, das er besass: ein Auto. Doch ein Führerschein gehörte ebenfalls auf die Liste von Dingen, die Tomas Z. nicht sein Eigen nennen konnte. Vom Fahren soll ihn das jedoch nicht abgehalten haben. In der Zeit vom 8. Mai 2014 bis zum 17. Mai soll er das Fahrzeug fast täglich von seinem Wohnort nach Zürich und zurückgelenkt haben. Angehalten wurde er nie, die Straftat gab er während des Verfahrens selber zu.

Auch der dritte Anklagepunkt wurde vom Niederämter Angeklagten zugegeben. Am 14. Juli 2014 erhielt der Beschuldigte eine Aufforderung, dass er bis spätestens am 21. August 2014 persönlich auf dem Betreibungsamt zu erscheinen habe. Dieser Aufforderung leistete er jedoch keine Folge, worauf er daher am 17. September 2014 polizeilich vorgeführt werden musste. Seine Entschuldigung dafür war, dass er sich in besagter Zeit bei seiner Freundin in Spanien aufgehalten und sich nicht darum gekümmert habe, was mit seiner Post in der Schweiz geschah. Die Aufforderung habe er daher nicht erhalten. Dasselbe geschah im Februar 2015 erneut.

Urkundenfälschung kommt dazu

Das Verfahren gegen den Kosovaren läuft mittlerweile seit rund 18 Monaten. Im Herbst 2014 sass er 49 Tage in Untersuchungshaft – die schlimmste Zeit seines Lebens, wie er immer wieder betont. Nach diesem Denkzettel habe er aus seinen Taten gelernt, seine Freiheit wieder geschätzt, einen Job gesucht und mit seiner Freundin eine Familie gegründet. Man könnte also meinen, er habe den richtigen Weg endlich gefunden.

Doch gleichzeitig läuft nun ein anderes Verfahren gegen den 24-Jährigen: Auf der Suche nach einer Wohnung soll er vor einigen Monaten Urkundenfälschung begangen haben. Obwohl das Urteil dazu noch aussteht und man von der Unschuldsvermutung ausgehen müsse, erklärt Z. vor Gericht: «Ich brauchte dringend eine Wohnung, also habe ich meinen Strafregisterauszug gefälscht.»

Staatsanwalt Christoph Fricker forderte nach Abwägung von straferhöhenden und strafmildernden Faktoren eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten, 9 davon unbedingt, und eine Probezeit von 4 Jahren. Michel Meier, der Verteidiger des Angeklagten, verlangte hingegen eine Geldstrafe nach richterlichem Ermessen und ebenfalls eine Probezeit von 4 Jahren. Das Urteil wird demnächst schriftlich verkündet.

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