Niederamt

Verbot für Multibag nicht nachvollziehbar: «Die können uns nichts verbieten»

David Gloor ist der Geschäftsführer von Multibag

Der Geschäftsführer von Multibag, David Gloor, versteht nicht, warum seine Dienstleistung bei einigen Gemeinden unbeliebt ist.

«Wir fordern Sie dazu auf, per sofort Ihre Tätigkeit auf den Gemeindegebieten von Olten und Starrkirch-Wil einzustellen», steht im Brief an Multibag geschrieben. Unterzeichnet ist er von René Wernli, Leiter Werkhof Olten. Auch der Trimbacher Gemeinderat wird diesen Monat entscheiden, ob sie das Zofinger Unternehmen auf seinem Gemeindegebiet verbieten will (wir berichteten).

Der Jungunternehmer David Gloor ist seit diesem Sommer Geschäftsführer des Recyclingunternehmens. Er ist schon seit Beginn seiner beruflichen Laufbahn in dieser Branche tätig. Seine Lehre hat der 21-Jährige als Recyclist bei Immark AG in Regenstorf gemacht. Er weiss also genau, wie das Abfallsystem in der Schweiz funktioniert.

Einfaches und erfolgreiches Konzept

Sein noch junges Unternehmen bietet ein Abonnement für das Entsorgen recycelbarer Abfälle an. Die Abfälle werden bei Privatpersonen an der Türschwelle abgeholt. «Die Bevölkerung will dieses Angebot», sagt er überzeugt. Heute haben fast 700 Haushalte ein solches Abo. Um die Abfälle einzusammeln und zu trennen, hat Gloor vier Angestellte.

Er bedient ein Gebiet von Biel bis nach Brugg und von Baselland bis in die Innerschweiz. Nicht überall ist sein Angebot auf Anklang gestossen. In manchen Gebieten hat er kaum Abonnenten, in anderen ist sein Angebot sehr beliebt. Auch bei den verschiedenen Gemeinden ist sein Geschäft unterschiedlich erwünscht. Die meisten Verwaltungen würden seine Geschäftstätigkeit jedoch tolerieren. «Solange die Strassen sauber bleiben, ist es den meisten Gemeinden egal, dass wir auf ihrem Boden geschäften», sagt Gloor. Er habe aber schon von einigen Gemeinden drohende Briefe erhalten. «Die Briefe blieben aber ohne Konsequenzen für mich», sagt Gloor unbeeindruckt. Diese Gemeinden würden auf ihren gesetzlichen Auftrag pochen: «Das Angebot ist etwas Neues und das verunsichert viele Gemeinden», analysiert Gloor deren Skepsis.

Die Bevölkerung soll die Wahl haben

Die meisten Argumente der Gemeinden sind für ihn nicht nachvollziehbar. «Die Gemeinden sollen der Bevölkerung die Wahl lassen», meint er energisch. Denn würde es das Bedürfnis der Bevölkerung nicht geben, gäbe es auch sein Geschäft nicht. Das Argument, dass er die Abfallrechnung der Gemeinden negativ beeinflusst, lässt er nicht gelten. Denn zum einen würde er ja nur eine kleine Menge abführen. So habe er die Erfahrung gemacht, dass trotz seiner Geschäftstätigkeit die registrierten Abfallmengen in den Gemeinden steigen.

Ausserdem sei die Bevölkerung nicht daran gebunden, ihre recycelbare Abfälle in der Gemeinde zu entsorgen. «Ein Trimbacher kann ja auch in Olten sein Abfall recyceln», meint er. So würden den Gemeinden auch Einnahmen entgehen.

«Das ist ein Marketing-Gag»

Dass er nur den teuren Werkstoff abtransportiert und den wertlosen Abfall der Gemeinde überlässt, verneint er. «Mit gewissen Materialien verdienen wir etwas dazu, zum Beispiel bei den Batterien, bei anderen müssen wir draufzahlen», erklärt er. Und das auf seinem Flyer beworbene Altgold? «Das ist ein Marketing-Gag», sagt er und lacht vergnügt.

Auch dass sein Geschäft nur unnötige Herumfahrerei mit dem Auto erfordert, sieht er nicht als problematisch. «Heute ist die Situation nicht besser», sagt Gloor. Denn heute wird der in den Sammelstellen gesammelte Abfall mehrmals transportiert, bis er an den Ort kommt, wo die Materialien rezykliert werden. Die Stoffe, die er einsammelt, werden in Zofingen getrennt. Von dort aus werden sie direkt dorthin kommen, wo sie verarbeitet werden. Um jedoch genau eruieren zu können, ob seine Variante ökologischer ist oder nicht, hat er die Fachhochschule Nordwestschweiz in Windisch angefragt, ob sie das untersuchen könnten. Er sei gespannt auf die Daten, hat aber schon heute das Gefühl, dass seine Variante ökologischer sei.

Das Verbot vom Oltner Werkhof beeindruckt ihn nicht. «Die können uns nichts verbieten», sagt er unerschrocken. Ein Verbot könne nur von einem Gericht ausgesprochen werden. Er hoffe aber, dass sein Angebot in Zukunft positiv aufgefasst wird. «Ich will die Gemeinden nicht verärgern, aber ich verstehe deren Haltung einfach nicht.»

Autorin

Judith Frei

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