Amtsgerichtspräsidium
Valentin Walter, 30 Jahre, Richter: Er will mit Leidenschaft statt Berufserfahrung überzeugen

Der ausserordentliche Statthalter Valentin Walter kandidiert für das Amtsgerichtspräsidium in Olten-Gösgen. Er bringt weniger Erfahrung in Jahren mit als andere. Doch dadurch lässt er sich nicht beirren. Der 30-Jährige ist voller Leidenschaft für seinen Beruf.

Jocelyn Daloz
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Valentin Walter will Nachfolger von Pierino Orfeis werden.

Valentin Walter will Nachfolger von Pierino Orfeis werden.

Bruno Kissling

Im Kopfkino sind Richter oft ehrwürdige Weise, an deren Anzahl graue Haare man die Lebenserfahrung misst. Dem muss aber nicht immer so sein: So könnte ab dem 27. September Valentin Walter im Amtsgerichtspräsidium in Olten-Gösgen sitzen. Der Jurist ist dreissig Jahre alt, seine Haare ergrauen keinesfalls und er bringt auf seinem Buckel vielleicht keine Jahrzehnte, dafür umso mehr Leidenschaft für den Beruf mit. «Ich bin nicht sicher, wie wichtig Arbeits- oder Lebenserfahrung für das Richterhandwerk tatsächlich sind», sagt er. «Wesentlich sind vielmehr gute Rechtskenntnisse und welche Wirkung man mit seinem Auftreten erzielt.»

Walter mag jung sein, ist aber beim Richteramt keineswegs ein Neuling: Seit 2015 ist er Gerichtsschreiber und seit 2018 ausserordentlicher Statthalter. Statthalter fungieren als Ersatz für Amtsgerichtspräsidenten und nehmen somit viele von ihren Funktionen wahr. «Faktisch mache ich diesen Job schon seit zwei Jahren», erklärt er.

Statthalter werden vom Kantonsrat oder der Gerichtsverwaltungskommission gewählt und er wurde bereits mehrfach in seinem Amt bestätigt. Nun kandidiert er für die Nachfolge des ausscheidenden Pierino Orfeis, der in die Pension geht. Orfei hat sich in den vielen Jahren, in denen er die «harte Hand des Gesetzes» war, wie der Blick schreibt, den Ruf eines bildhaften Richters ergattert.

Weder harte Linie noch Kuscheljustiz

Walter wirkt im Verhältnis moderater und sieht gerade in seiner bedachten Herangehensweise seine Stärken. «Ich suche die richtige Lösung. Diese kann manchmal hart wirken, manchmal weniger. Ich habe keine vorfertigte Haltung zur Strafe an sich», erklärt er. Keine harte Linie und auch keine Kuscheljustiz also. Walter will nach bestem Ermessen urteilen.

Diese Suche nach Wahrheit ist gerade das, was er im Richterberuf im Gegensatz zum Anwalt oder zum Staatsanwalt liebt: «Richten ist das, was mich juristisch am meisten interessiert. Ich kann nicht wie einen Anwalt eine Linie stur vertreten, sondern muss den richtigen Weg finden.»

Dabei sind Menschenkenntnisse unumgänglich. Letztere hat er sich in seinen nebenberuflichen Tätigkeiten angeeignet; so war er jahrelang bei der Jubla (Jungwacht-Blauring) dabei und hat aktiv das Vereinsleben geprägt.

Keine spezifische, politische Linie

Walter wird zwar von der CVP unterstützt, hat aber bereits öffentlich betont, dass er sich nicht einer politischen Linie anschliesst. «Ich finde, als Richter kann man sinnvollerweise nicht einer Partei angehören. Die Parteipolitik sollte an einem vorbeigehen.» Er erachtet aber die Parteien als wichtig für die Meinungsbildung bei der Richterwahl: «Sie geben den Kandidaten eine Plattform, um sich vorzustellen. Die Bürgerinnen und Bürger haben somit die Möglichkeit, nach bestem Wissen zu wählen.»

Es möge zwar sein, dass eine Unterstützung durch eine Partei vielleicht doch einen Hinweis über die politische Haltung des Kandidaten geben kann. «Aber Parteien unterstützen Kandidaten nicht bloss wegen deren politischen Ausrichtungen, sondern entscheiden auch aufgrund von Kompetenz und menschlicher Qualitäten», entgegnet dazu Walter.

Als einziger Kandidat zur Nachfolge von Pierino Orfei ist ihm eine Wahl fast zugesichert. Es sei denn, die Anzahl leeren Stimmen würden die persönlichen überwiegen, sollte er im ersten Wahlgang gewählt werden.