Gretzenbach
«Unsere Aktion wird sehr geschätzt»: Das Essen aus zweiter Hand kommt gut an

Sabrina Rüegg betreibt in Gretzenbach seit fünf Monaten die Restessbar – mit Erfolg. 1300 Kisten konnte die Restessbar bislang verteilt werden. Das Angebot soll weiter wachsen.

Rahel Bühler
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Sabrina Rüegg in der Restessbar im Werkhof Gretzenbach Sabrina Rüegg beim verteilen der Lebensmittel in der Restessbar im Werkhof Gretzenbach
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Wer in die Restessbar will, muss ein Zettel ziehen.
Sabrina Rüegg in der Restessbar im Werkhof Gretzenbach
Wenn Brot übrig bleibt, wird es nicht weggeworfen. Dann landet es etwa im Tierpark.

Sabrina Rüegg in der Restessbar im Werkhof Gretzenbach Sabrina Rüegg beim verteilen der Lebensmittel in der Restessbar im Werkhof Gretzenbach

Bruno Kissling

Von aussen lässt sich kaum erahnen, dass im Inneren der umfunktionierten Militärküche jeden Tag während zirka einer Viertelstunde die Post abgeht: Grüne Lettern und ein laminiertes A-4-Blatt mit Verhaltensregeln zieren die Fenster. Im Inneren stehen zwei Tische und zwei geräumige Kühlschränke, die Chromstahlabdeckungen und das Waschbecken erinnern daran, dass hier einmal im grossen Stil Essen zubereitet wurde. Um Essen dreht es sich hier immer noch. Aber es wird nicht mehr gekocht, sondern verteilt.

Die Rede ist von der Restessbar Gretzenbach, die ihr Zuhause in der Militärküche im Gretzenbacher Werkhof und anfangs Juni ihre Pforten geöffnet hat. Seither sind fünf Monate vergangen. Vor allem in der Anfangszeit sei richtig viel los gewesen. «In der ersten Woche standen pro Tag 50 Leute vor der Türe», berichtet Sabrina Rüegg, die Präsidentin des eigens gegründeten Verein Restessbar Gretzenbach.

Ganz so gross ist der Ansturm nicht mehr. Momentan sind es laut Rüegg 15 bis 20 Personen, die jeweils um 18.45 Uhr vor der Türe waren. Damit sich niemand vordrängeln kann, werden Nümmerchen gezogen. Je nach Umfang des Tagesangebots dürfen die Kunden mehr oder weniger Lebensmittel mitnehmen. «Es sollen alle etwas kriegen», so die Gretzenbacherin. Meist sei innerhalb von 15 bis 20 Minuten alles verteilt.

Sponsor für Nebenkosten

Sabrina Rüegg betreibt die Bar nicht alleine. Mittlerweile zählt der Verein 20 Mitglieder. Die Meisten davon leisten regelmässige Einsätze. Die Lokalität wird immer von zwei Personen betreut: Ab 18.30 werden die Lebensmittelkisten in den Läden abgeholt. Derzeit machen drei kleine Geschäfte in Gretzenbach beim Projekt mit: Der Spar, der Gemüsehändler Richard und die Bäckerei Maier. Auch der Getränkehändler Brunner liefert ab und an ein Palett Getränke. Im Anschluss werden die Kisten, etwa deren fünf bis acht pro Tag, ins Auto geladen und in die Restessbar gefahren. Dort werden sie sortiert und ausgelegt. Von Montag bis Freitag öffnet die Bar um 18.45 Uhr, am Samstag eine halbe Stunde früher.

Während der Lebensmittelausgabe ist ein Helfer im Innern und sorgt für Ordnung. Der andere steht am Eingang und kontrolliert die Nummern. So entstünden auch oft Gespräche mit der Kundschaft: «Sie schätzen unsere Aktion sehr», weiss die Vereinspräsidentin. Zur Kundschaft gehören Asylsuchende, Sozialhilfeempfänger und Normalverdienende. Das Einzugsgebiet reicht von Däniken über Gretzenbach bis nach Erlinsbach. Die meisten Gäste kämen zu Fuss oder mit dem Velo, weiss Rüegg.

In fünf Monaten konnten 1300 volle Lebensmittelkisten weitergegeben werden. Sie sind gratis. Mit Ausnahme des Betrags aus dem Spendenkässeli hat der Verein keine Einnahmen. Die Ausgaben beschränken sich auf die Nebenkosten der ehemaligen Militärküche. Aber auch hierfür kommen nicht die Vereinsmitglieder auf: «Wir konnten eine Privatperson als Sponsor finden, die uns die Nebenkosten für ein Jahr bezahlt», erklärt die 38-Jährige. Der Vertrag für den Raum beschränkte sich vorerst auf eine Probezeit bis Ende 2018. «Nun konnten wir der Gemeinde aber viel positives berichten, sodass wir bald einen unbefristeten Vertrag erhalten werden», weiss Rüegg.

Region nicht verlassen

Allgemein erhalte die Restessbar viel positives Feedback, die anfängliche Skepsis, die teilweise im Dorf herrschte, sei verflogen.

Das Ziel der Restessbar ist, wie es der Name schon sagt, Abnehmer für Lebensmittel, die zwar das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben oder nahe dran sind, zu finden. «Solche Lebensmittel sind ‹mindestens haltbar bis› und nicht ‹sofort tödlich ab›», betont die Gretzenbacherin. Wenn beispielsweise einmal nicht alles Brot ausgeteilt werden kann, dann wird es in den Wildpark Roggenhausen oder auf einen Bauernhof gebracht. Rüegg: «In den Müll geworfen wird bei uns nichts.»

Damit gibt sie sich aber noch nicht zufrieden: «Wir möchten noch weitere, zum Teil auch grössere Lebensmittelhändler zum Mitmachen animieren.» Etwa der Otto’s in Schönenwerd wurde bereits angefragt. Über die Grenzen der Region hinaus gehen will der Verein allerdings nicht. «Das macht logistisch und ökologisch keinen Sinn.»

Auch steht hoher Besuch an: Der Lebensmittelinspektor des Kantons Solothurn hat sich angekündigt. Rüegg zeigt sich unbesorgt: «Ich habe keine Angst.»

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