Aisha Spring
Um in New York Stylistin zu sein, tuts auch mal die Besenkammer

Die 26-jährige Aisha Spring aus Lostorf tut alles für ihren Traum: In den USA als Stylistin zu arbeiten. In New York macht sie ihre Ausbildung, derzeit lebt sie aber in Berlin, um Geld zu verdienen.

Andrea Weibel
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Aisha Spring
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Aisha Spring in New York
Die Lostorferin fällt durch ihr eigenwilliges Styling auf.

Aisha Spring

Andrea Weibel

Aisha Spring strahlt, wenn sie von ihrem Leben in New York erzählt. Im November 2013 hat die ausgebildete Fotofachangestellte mit gestalterischer Berufsmatur ihre Koffer gepackt und ist in den Big Apple aufgebrochen. «Ich hatte weder eine Wohnung noch einen Studienplatz», erinnert sie sich, «das Einzige, was ich hatte, war ein grosser Traum.»

Sie war erst wenige Monate da, als sie ein Mitglied der berühmten Fernsehserie «The Sopranos» kennen lernte, das sie hinter die Kulissen und in die erste Reihe der Mercedes-Benz Fashion Show einlud. Und dort, direkt am Laufsteg, sagte sie sich: «Nächstes Mal steh ich da hinter der Bühne und style die Models.» Und auf diesen Traum arbeitet die 26-Jährige nun hin.

Aufgrund ihres eigenwilligen Stylings wurde die junge Lostorferin auf den Strassen New Yorks immer wieder von Streetstylefotografen angesprochen. «Mit jedem Tag wuchs mein Selbstvertrauen, ich merkte, wie sehr mich die Grossstadt anspornte. Und als dann auch meine Mutter fand, ich sollte nicht länger zögern, habe ich mich fürs FIT, das Fashion Institute of Technology, beworben.» Tatsächlich wurde sie angenommen, studierte fleissig, liess sich inspirieren – und feierte jede Nacht. «Ich liebe dieses Leben», sagt sie.

Um diesen Traum leben zu können, brauchte die angehende Stylistin aber natürlich Geld. Sie konnte ein Logo für ein Restaurant entwerfen und andere kleinere Jobs annehmen. Eine eigene Wohnung konnte sie sich dennoch nicht leisten, denn die Schule ist teuer. Erst war sie einige Zeit in Brooklyn untergekommen, danach zog sie nach Manhattan. «Dort wohnte ich in einer Besenkammer, in der kaum mehr als das Bett Platz hatte», berichtet sie. «Das war im vergangenen Winter, einem der härtesten seit Jahren. Und natürlich war mein Kämmerchen kaum isoliert, also musste ich mit mehreren Schichten Kleidern schlafen und manchmal tagelang im Fitnesscenter duschen, weil ich kein warmes Wasser hatte.»

Manchmal sass Aisha Spring auf ihrem winzigen Bett und fragte sich, warum sie all das über sich ergehen liess, wenn sie daheim doch ein warmes Zimmer und ihre Familie um sich haben könnte. «Doch dann zog ich mich jeweils an, ging raus und spürte sofort wieder, weshalb ich da war und nicht in der Schweiz. Es gibt immer schlechte Zeiten. Aber aufgeben kommt für mich nicht infrage. Ich habe ein Ziel und werde einen Weg finden, es zu erreichen.»

Nach dem ersten Studiengang, der sie zur Fashionstylistin ausgebildet hat, will Aisha Spring nun den zweiten antreten, um Wardrobe Technician zu werden. Dafür braucht die zielstrebige junge Frau erst einmal Geld. Deshalb wohnt sie derzeit in Berlin. «Eine Freundin von mir ist für die Werbung bei Outfittery zuständig. Die Firma berät Männer am Telefon und stellt ihnen ganze Outfits zusammen, die ihnen dann zugeschickt werden», erklärt Spring. «Das Konzept hat mir gefallen, also habe ich mich beworben und wurde gleich eingestellt.» Obwohl sie ausschliesslich für Kunden in der Schweiz zuständig ist, ist ihr Arbeitsort Berlin. Aber auch das gefällt der Weltenbummlerin gut. «Ich finde es schön, an verschiedenen Orten auf der Welt ein Zuhause zu haben. Ich habe beste Freunde in der Schweiz, aber auch in New York und unterdessen sogar in Berlin.»

In die Schweiz zurückzukehren, kann sich Aisha Spring derzeit nicht vorstellen, zu gut gefällt ihr das Leben überall auf der Welt. «Die Schweiz ist einfach mein Zuhause, dort, wo ich mich geborgen fühlen kann. In Berlin sind so viele kreative Leute, doch obwohl es eine Grossstadt ist, ist sie grün und lebendig. Und in New York misst du dich mit den Besten. Ich möchte auf keines verzichten.»

Aisha springs Ziel ist es, ihr Studium abzuschliessen und als Stylistin arbeiten zu können. «Berlin ist ein schöner Zwischenhalt, aber ich möchte für Magazine oder in der Filmindustrie arbeiten, und zwar in den USA.» Wenn man es in New York schaffe, schaffe man es überall, findet sie. Das Allerwichtigste ist für die 26-jährige Lostorferin aber: «Wenn du liebst, was du tust, dann kommt der Erfolg von ganz allein. Nicht zögern, einfach machen.»