Walterswil
Überlebensbunker wird zum Kreativkeller

In der Zivilschutzanlage von Walterswil ertönen schon bald ungewohnt musikalische Klänge. Am Samstag wird ein Musikstudio eröffnet.

Rahel Bühler
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Jugendarbeiter Tobias Bauer im neuen Musikstudio in der Zivilschutzanlage unter dem Schulhaus Walterswil.

Jugendarbeiter Tobias Bauer im neuen Musikstudio in der Zivilschutzanlage unter dem Schulhaus Walterswil.

Bruno Kissling

«Kommandoposten» steht in blauen Lettern auf weissem Grund auf einem Täfelchen neben dem Eingang zu einem der vielen Räume in der Walterswiler Zivilschutzanlage, die seit geraumer Zeit der Gemeinde und nicht mehr dem Bund gehört. Die Anlage liegt unter dem Primarschulhaus. Genutzt wird der Kommandoposten ab nächstem Samstag allerdings anders: nämlich als Teil eines Musikstudios, das von der Jugendarbeit Muhen Safenwil Walterswil realisiert wurde.

Seit Anfang Jahr haben zahlreiche Jugendliche mitgeholfen, die beiden Räume auszustaffieren. Das Projekt, das ein Budget von 2500 Franken hatte, hätte eigentlich schon 2015 starten sollen. «Aber es kamen diverse bürokratische Hürden auf uns zu, die es zuerst zu überwinden galt», erklärt der zuständige Jugendarbeiter Tobias Bauer und ergänzt: «Wir mussten zum Beispiel ein Baugesuch stellen, weil wir durch das Studio die Räumlichkeiten umnutzen.» Es gab ganz bestimmte Auflagen, was in den beiden Räumen verändert werden durfte, und nach wie vor gilt die Vorschrift, die Räumlichkeiten im Notfall innert 48 Stunden geräumt zu haben.

Ende des vergangenen Jahres kam dann das OK von den Behörden, und das Projekt konnte starten: «Die Jugendlichen haben vor allem kleinere handwerkliche Arbeiten übernommen, während wir von der Jugendarbeit hauptsächlich mit der Planung und der Anschaffung der technischen Geräte sowie mit der Betreuung der Jugendlichen beschäftigt waren. Ausserdem hatten wir Unterstützung von einem Zivildienstleistenden», erzählt der Jugendarbeiter, der seit Anfang 2015 die Jugendarbeit Muhen Safenwil Walterswil in einem dreijährigen Pilotprojekt leitet.

Entstanden ist in der Zivilschutzanlage ein schalldichter Aufnahmeraum mit Mikrofonen, der einer ganzen Band oder sogar einem kleineren Chor Platz bietet. Und eben der Kommandoposten: der Technikraum mit Keyboard und Drumpad, also «der Startausrüstung, wenn es darum geht, erste Erfahrungen mit Rap, Gesang und Musiktechnik zu sammeln», wie es Tobias Bauer formuliert.

Ort für kreative Experimente

Gedacht ist das Musikstudio für Jugendliche im Alter von 12 bis 15 oder 16 Jahren aus den Gemeinden Muhen, Safenwil und Walterswil, die das Projekt der Jugendarbeit auch finanzieren. Es gehe darum, dass die Jugendlichen kreativ tätig sein, etwas erlernen und mit Musik experimentieren könnten, meint Tobias Bauer. Das Studio soll aber auch für Musikvereine oder Schulklassen aus den teilnehmenden Gemeinden offen sein.

Bevor das Pilotprojekt Jugendarbeit startete, wurden in vier Gemeinden – zu Beginn war auch Kölliken noch dabei – Umfragen unter Eltern, Lehrern und Schülern durchgeführt. Ziel war herauszufinden, ob und inwiefern eine Jugendarbeit von Nutzen ist. Dabei ist, laut Tobias Bauer, das Stichwort «Musikstudio» mehrmals gefallen. «Die Jugendlichen haben Spass daran, mit der eigenen Stimme, mit Instrumenten oder mit der Technik zu arbeiten», sagt Bauer, der bereits zwei Anmeldungen für das Studio verzeichnen kann.

Am kommenden Samstag wird das Studio mit einem Apéro, einer Ansprache einer Vertretung des Gemeinderates und einer Führung durch die Räumlichkeiten eröffnet. In den Frühlingsferien wird es zwei betreute Schnuppernachmittage geben, an denen die Jugendlichen das Studio kennen lernen können. Geplant sind ausserdem Workshops mit Profis zu diversen Themen.

Eröffnung Musikstudio: Samstag, 9. April, 16 bis 18 Uhr, Zivilschutzanlage bei der Gemeindeverwaltung Walterswil.