Amtsgericht Olten-Gösgen
Überfall auf Denner-Filiale in Lostorf: 23-Jähriger ist schuldig, muss aber vorerst nicht hinter Gitter

Amtsgericht verurteilt Lostorfer Denner-Räuber zu Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren und ordnet stationäre Massnahme an.

Philipp Kissling
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Eric T.* ist vom Amtsgericht Olten-Gösgen fünffach schuldig gesprochen worden. Schuldig des versuchten Raubs, der geringfügigen Sachbeschädigung, der Widerhandlung gegen das Waffengesetz, des Nichtanzeigens eines gefundenen E-Scooters und der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes. Das Gericht verurteilt den 23-jährigen gebürtigen Aargauer zu einer Freiheitsstrafe von 42 Monaten und einer Busse von 400 Franken.

Aufgrund der schweren Persönlichkeitsstörung wird eine stationäre Massnahme angeordnet. Ausserdem wird eine frühere im Kanton Aargau bedingt verhängte Strafe von 60 Tagessätzen zu 30 Franken wirksam. Das Urteil kann an das Obergericht weitergezogen werden.

Eric T. hatte am 24. September 2019 in der Denner-Filiale Lostorf den Verkäufer mit einem Messer bedroht in der Absicht, an das Geld in der Kasse zu kommen. Das Vorhaben scheiterte, auch weil anwesende Kunden mithalfen, T. in die Flucht zu schlagen.

Minuten später gelang es Passanten dann, den jungen Räuber zu stellen und bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. Vom Geschehen im Innern des Ladens existiert ein Überwachungsvideo. Der Beschuldigte, der die Tat unter Drogeneinfluss begangen hatte, ist geständig.

Keine Lebensgefahr für das Opfer

Schwierig war für das Gericht unter dem Vorsitz des Amtsgerichtspräsidenten Claude Schibli die Beurteilung, ob der bedrohte Verkäufer durch das Messer in Lebensgefahr schwebte oder der Beschuldigte eine solche zumindest in Kauf genommen hatte. Um von Lebensgefahr zu sprechen, hätte die Messerklinge in unmittelbarer Nähe zur Kehle des Opfers stehen müssen. Über die Distanz der Waffe zum Hals lässt sich indes nur mutmassen.

Das Überwachungsvideo lässt keinen Schluss zu, und die Aussagen der Zeugen sind sehr unterschiedlich; von «ziemlich nahe» über 5 Zentimeter und 15 bis 20 Zentimeter ist alles dabei. Das Fazit des Gerichts in diesem Punkt: besondere Gefährlichkeit ja, Lebensgefahr nein.

Freigesprochen wurde T. vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung. Ein Passant hatte angegeben, T. habe ihn auf der Flucht angerempelt und ihm eine Schnittverletzung am Arm zugefügt. Der Beschuldigte bestritt den Sachverhalt von Anfang an. Das Gericht beurteilt die Aussagen des Passanten als «nicht sehr glaubhaft» und äusserte «ernsthafte Zweifel», dass die Schnittwunde von T. stammt.

Private Umstände wirken strafmildernd

Das Urteil von 42 Monaten Freiheitsstrafe liegt klar über der Forderung der Verteidigung (24 Monate) und klar unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft (72 Monate). Strafmildernd wirkten sich die wegen des Drogeneinflusses begrenzte Schuldfähigkeit und die privaten Umstände aus.

Eric T., der lange im Heim lebte, habe in der Kindheit von den Eltern keine Liebe und Wärme erfahren. Keinen Kompromiss macht das Gericht bei der Form der therapeutischen Massnahme. Eric T. wird in die stationäre Behandlung geschickt. Es gebe keinen Grund, von den Empfehlungen des Gutachtens abzuweichen. Das Gutachten hatte ein hohes Rückfallrisiko für kriminelle Taten festgestellt sowie eine schwere Persönlichkeitsstörung, die zu beheben sehr lange dauern werde. Die stationäre Behandlung, die in einer geeigneten Einrichtung erfolgt, sei erfolgversprechender als die mildere «Massnahme für junge Erwachsene».

Der missglückte Raub in Lostorf reisst ein grosses Loch in das ohnehin leere Portemonnaie von Eric T. Er muss den Grossteil der Verfahrenskosten (26 665 Franken) sowie der Anwaltskosten (25 600 Franken) übernehmen. Sollte er dereinst zu Geld kommen, wird der Staat als Gläubiger seine Forderung geltend machen.

Name geändert