Theater Stüsslingen

Turbulenzen im Hotel Mimosa: Neues Theaterstück wird aufgeführt

Die Theatergruppe Stüsslingen probt das neue Stück "Hotel Mimosa"

Theatergruppe Stüsslingen

Die Theatergruppe Stüsslingen probt das neue Stück "Hotel Mimosa"

Am Wochenende zeigt die Theatergruppe Stüsslingen ihr neues Stück: Ein langweiliges Eheleben gerät völlig durcheinander.

«Vive la France», hallt es durch das Treppenhaus der Mehrzweckhalle Stüsslingen. Das neue Stück «Hotel Mimosa», eine Komödie in drei Akten von Pierre Chesnot, spielt unüberhörbar in Frankreich. Regisseurin Brigitte Wyss hat im Kellerraum soeben ihre elfköpfige Truppe auf die Probe vorbereitet. Ein wildes Durcheinander von Lauten und Gebärden bot sich dem Betrachter wenige Minuten zuvor: reden mit dem Zeigefinger zwischen den Zähnen, Klopfen der Mundpartien, Zupfen der Ohrläppchen. Jeder war mit seiner Stimme beschäftigt. Auf Geheiss von Wyss wurden alle ruhig, beugten sich zueinander zu einem Kreis und fassten sich an den Schultern. Der Schlachtruf ertönte, die Gemeinschaft ist bereit für den Auftritt.


«Alle für einen und einer für alle», fasst die Regisseurin das Motto der Stüsslinger Theatergruppe zusammen. «Jeder hilft jedem, wenn auf der Bühne etwas schief läuft.» Bereits zum 13. Mal inszeniert sie die unterhaltsamen Stücke: «Bei uns kann sich das Publikum hinsetzen und lachen.»

Die Stüsslinger Schauspielerinnen und Schauspieler arbeiten in den verschiedensten Berufen. Ein Landwirt, eine Pöstlerin, ein Disponent, eine angehende Schreinerin: Geht der Vorhang auf, werden aus ihnen ein U-Boot-Kapitän, eine liebestolle Ehefrau, eine Prostituierte, ein Zirkus-Paar. Zwei Mitglieder stehen zum ersten Mal auf der Bühne, andere sind seit vielen Jahren dabei.

Adrian Strähl amtet seit vier oder fünf Jahren als Präsident, so genau weiss er es nicht mehr. Bei etlichen Produktionen hat er selber mitgespielt, obschon er ursprünglich gar nicht zu den Theaterleuten wollte. Ein Kollege fragte ihn einmal, ob er nicht das Licht übernehmen würde, was er tat. Morgens um 3 Uhr habe er in der Theaterbar dann zugesagt, in die Theatergruppe einzutreten, unter der Bedingung, nicht zu schauspielern. «Und drei Jahre später stand ich auf der Bühne», berichtet Strähl lachend. Die meisten Mitspielerinnen und Mitspieler kommen aus Stüsslingen oder der näheren Umgebung.

Die Theatergruppe Stüsslingen entstand aus der Jungmannschaft, einem katholischen Verein nur für Männer. Um überkonfessionell und auch für Frauen offen zu werden, wurde 1979 die Theatergruppe gegründet. 28 Mitglieder zählt der Verein heute, einige sind seit der Gründung vor vierzig Jahren dabei. Nicht immer spielen alle gleichzeitig. «Man kann, wie ich jetzt gerade, auch in einem Jahr eine Pause einlegen», sagt Strähl.

Jeden Herbst treten die Stüsslinger Theaterleute mit einem neuen Stück vor ihr Publikum. Eine Stückwahlkommission wählt drei Stücke aus, die dem Vorstand unterbreitet werden. «Es muss lustig sein», nennt Strähl das wichtigste Kriterium. Daneben sollen die Rollen auch zur Gruppe passen. Alter, Geschlecht und vor allem die Anzahl an benötigten Darstellern müssen stimmen. Wer von den Mitgliedern bereit ist, bei der Produktion mitzuwirken, wird vorgängig abgeklärt.
Dem Verein gehe es gut, berichtet Strähl, Sorge macht ihm einzig der Nachwuchs. Per Inserat im Programmheft versucht die Theatergruppe, neue Mitspieler anzusprechen. «Besonders jugendliche Mitglieder fehlen uns», sagt Strähl. Die jüngste Darstellerin ist 28 Jahre alt.

Aus dem Wohnzimmer wird eine Hotellobby

In der Mitte der Bühne steht ein rotes Ledersofa, schräg dahinter steht eine Hausbar, an den Wänden hängen Bilder. Die gemütliche Wohnzimmer-Atmosphäre täuscht allerdings. Ehefrau Magali Bavaud (Rita Bammert) hat sich in ihrer südfranzösischen Villa mit ihrem Liebhaber François (Heinz von Arx) verabredet, was nicht lange unentdeckt bleibt. Die anderen Eheleute (Toni Bucher und Sylvia Widmer) tauchen auf und bringen die Verliebten in Erklärungsnot. Kurzerhand erklärt François die Villa zum «Hotel Mimosa». Als sich aber eine Prostituierte (Marianne Imfeld), ein Freier (Tom Aeschimann) und ein Lebensmüder (Guido Nussbaumer) darin einquartieren wollen, eskaliert das Versteckspiel. Ein Zirkuspaar (Martina Aeschimann und Franz Kurz) mit einem weiteren Liebhaber namens Oscar (Stephan Wymann) und die Halbschwester von Magali Bavaud (Kim Kunz) bringen François und seine Angebetete in eine schier ausweglose Situation.

Pastabuffet bei den Abendvorstellungen

Zu jedem Theaterabend gehört ein Pastabuffet. Theaterbestuhlung gibt es nur im vorderen Teil am Premierenabend. «An allen anderen Abenden stehen Tische und Stühle zum Essen und Trinken bereit-» Strähl ist froh, dass die Vorführungen auch von offizieller Seite gefördert werden: «Dankbar sind wir besonders der Gemeinde Stüsslingen, dass wir in den Herbstferien immer die Mehrzweckhalle für uns nutzen dürfen.» Wenn die Theaterleute nicht mit Proben beschäftigt sind, führen sie ein reges Vereinsleben. «Es gibt den Herbstbummel, den Klausenhock, das Skiweekend und den Maibummel», zählt Strähl die Aktivitäten auf. Jedes Jahr veranstalten die Spielleute eine Reise in die Umgebung und alle fünf Jahre unternehmen sie gar eine mehrtägige Reise ins Ausland.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1