Schloss Wartenfels
Trouvaillen auf dem Schloss Wartenfels

Die Ausstellung «Interreligiosität» im Dachstock von Schloss Wartenfels überrascht – und überzeugt.

Isabel Hempen
Merken
Drucken
Teilen

Bruno Kissling

«Interreligiosität» ist so ein Wort, das nicht gerade vor Sexiness sprüht. Wenn wir jetzt mal ehrlich sein wollen. Ein bisschen schade ist es daher schon, dass die aktuelle Kunstausstellung im Dachstock von Schloss Wartenfels gerade diesen Titel trägt. Sie ist nämlich, was man bei der Wortwahl gar nicht erwarten würde: wirklich attraktiv. Nicht nur der ansprechenden Schlosskulisse wegen.

Kuratiert hat die Trouvaille der umtriebige Kulturvermittler und Präsident der Stiftung Schloss Wartenfels Peter André Bloch. Das Thema Interreligiosität hat er dabei glücklicherweise sehr weit gefasst. Man könnte auch sagen: Er ist elegant daran vorbeigeschrammt. Denn eigentlich steht gar nicht so sehr die Religion im Vordergrund. Sondern vielmehr der Mensch selbst.

Dunkel und ekstatisch

Zu sehen ist zum Beispiel ein Auszug aus Martin Dislers «Schwarzbuch der Liebe» aus dem Jahr 1973. Kein Hauptwerk der Schau. Aber eines, das in seiner Suggestivkraft umhaut. Die unveröffentlichten Zeichnungen aus dem frühen Schaffen des Oltner Künstlers Disler wirken wie dahingeworfene Traumskizzen. Aus seinem Unterbewusstsein scheinen sie sich den Weg an die Oberfläche gebahnt zu haben. Dunkel, ekstatisch und von kryptischen Sätzen umrankt, ziehen sie den Betrachter in ihren Bann.

Die Exponate im Zentralraum waren namensgebend für den Titel der Ausstellung. Paul Gugelmanns Messingskulptur «Frieden den Menschen guten Willens» greift die Symbolik der Weltreligionen auf: das buddhistische Lebensrad, das konfuzianische Yin und Yang, den jüdischen Stern, den islamischen Halbmond sowie das christliche Kreuz. Die Sonne als Lebensspenderin und der Fisch als Lebenszeichen stehen im Zentrum des Werks, das die Koexistenz der Weltreligionen aufzeigt.

Gugelmanns «Labyrinth der Sprache» zeigt den Menschen, der durch das Gefängnis seiner Kultur irrt. Und Daniel Depoutots «Totentänze» aus Metall und auf Papier stellen den Übergang vom Leben zum Tod als grosses Jazzfestival dar.

Künstliche neue Welt

Die ausgestellten Stücke handeln in Blochs Worten von «Verzweiflung und Hoffnung, Geburt und Tod, Glauben und Suchen». Die zwei in leuchtenden Farbkontrasten gearbeiteten Triptycha «modern pilgrims I and II» des Oltner Malers Roland Weibel etwa vermitteln weltliche Freude.

Grossartig auch die Skizzen des Literaten Friedrich Dürrenmatt. Den Turm zu Babel zeichnete er während des Kalten Krieges. In einer Bilderserie lässt er diesen einstürzen und neu aufbauen : aus Bomben, Abhör- und Mediengeräten. Die schöne neue Welt, die mit Künstlichkeit verführen will.

Neben weiteren Künstlern ist auch der grosse Gerhard Richter vertreten: Mit einer Fotografie des Kirchenfensters an der Südfassade des Kölner Doms, das er nach dessen Bombardierung aus farbigen Glasquadraten neu zusammensetzte. Berührend auch die Abbildung des Gemäldes «Die Kerze der Hoffnung und die Kerze der Trauer», das nach der Wende entstand.

Sonntag, 3. September, 10 Uhr, Schloss Wartenfels: «Der Teil und das Ganze», Lesung mit Madeleine Schüpfer und Peter André Bloch.

Die Ausstellung ist noch bis am 22. Oktober jeweils sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Eintritt: 5 Franken.