Gretzenbach
Trotz Sparbemühungen präsentiert Gretzenbach ein negatives Budget

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Es ist mit einem Verlust von 386'369 Franken zu rechnen. (Symbolbild)

Es ist mit einem Verlust von 386'369 Franken zu rechnen. (Symbolbild)

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Der Gemeinderat verabschiedet das Budget 2021 mit einem weiteren unerfreulichen Aufwandüberschuss von 386'369 Franken zuhanden der Gemeindeversammlung vom 7. Dezember 2020, wie einer Mitteilung des Rates zu entnehmen ist.

Trotz diverser Streichungen der Kommissionseingaben gelingt es nicht, ein positives Budget vorzulegen. Im Budget 2021 ist mit einem massiven Verlust von 386'369 Franken zu rechnen. Der Cashflow ist mit minus 34'590 Franken gar negativ, wodurch folglich auch nicht die Abschreibungen gedeckt werden können. Letztere betragen 352'000 Franken, wobei diese Position bereits um die während der Jahre 2021 bis 2025 lineare Auflösung der Neubewertungsreserve in der Höhe von 252'000 Franken pro Jahr entlastet wurde. Dank eines eher optimistisch geschätzten Steuerertrages von 8,3 Mio. Franken, welcher trotz Steuerfusserhöhung unter dem Niveau von 2019 liegt, und einem spürbar höheren Beitrag aus dem Finanzausgleich kann ein noch grösseres Defizit vermieden werden.

Gründe für das schlechte Budget sind nach wie vor hohe und auch steigende Kosten in den Bereichen Bildung (plus 1 Prozent resp. plus 45'877 Franken) und Soziale Sicherheit (plus 5,8 Prozent resp. plus 126'000 Franken). Kostentreiber sind dabei die externen Schulkosten für Sonderschulen (plus 70'000 Franken), wobei diese Position ab 2023 an den Kanton übergeht, und die gesetzliche Sozialhilfe (plus 80'000 Franken).

Dies lässt das Bildungsbudget auf 4,6 Mio. Franken und die Soziale Sicherheit auf 2,3 Mio. Franken ansteigen. Auch die Allgemeine Verwaltung verzeichnet gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs, welcher primär in der neuen Anstellung einer Bauverwalterin oder eines Bauverwalters begründet ist. Die anhaltende Niedrigstzinssituation führt dazu, dass weiterhin kein Skonto für Vorauszahlungen der Steuern gerechtfertigt wäre.

Das Investitionsbudget 2021 zeigt – wie bereits im Jahr 2020 – einen deutlich tieferen Investitionsbedarf als in den Vorjahren. Die grössten Bruttoausgaben sind der Anteil Gretzenbachs an der Anschaffung einer Autodrehleiter für die Feuerwehr in der Höhe von 182'400 Franken und die dringend notwendige Renaturierung des Gretzenbachs bei der Alten Mühle mit 180'000 Franken, wobei bei Letzterer Staatsbeiträge von 117'000 Franken zu erwarten sind.

Eine weitere Ausgabe ist für den Ersatz des Werkhoffahrzeugs «Isuzu» (50'000 Franken) vorgesehen, was alles in allem zu Nettoinvestitionen von 295'400 Franken führt. Der ungenügende bzw. negative Cashflow führt zu einem negativen Selbstfinanzierungsgrad von rund 12 Prozent, was wiederum zu einer Neuverschuldung in der Höhe von 330'000 Franken führt. Die Pro-Kopf-Verschuldung beträgt 915 Franken und der Nettoverschuldungsquotient neu 38 Prozent.

Alle Spezialfinanzierungen schliessen mit positiven Cashflows von insgesamt 217'430 Franken ab und sind mit 2,2 Mio. Franken Eigenmitteln gut gerüstet, um die Anlagen und Investitionen von ebenfalls 2,2 Mio. Franken bei gleichbleibenden Gebührenansätzen zu tragen.

Steuererhöhung wegen Neuverschuldung möglich

Der Finanzplan 2022–2026 basiert auf tendenziell optimistischen Steuererträgen. Er zeigt kurzfristig negative Cashflows, welche auch mittelfristig immer noch als knapp zu bezeichnen sind – umso mehr, wenn nur der steuerfinanzierte Bereich betrachtet wird. Der primäre Grund für die Entlastung der Erfolgsrechnung ab 2023 ist der Wegfall der Kosten für die Sonderschule, welche fortan vom Kanton übernommen wird.

Zusammen mit dem hohen Investitionsvolumen der letzten Jahre ergibt sich eine Neuverschuldung, welche die Pro-Kopf-Verschuldung aber nicht höher als rund 2'000 Franken pro Einwohner ansteigen lässt. Sollte sich die Lage auf der Steuerertragsseite verschlechtern, müssten weitere Steuererhöhungen thematisiert werden, insbesondere, da der bisherige Sparwille die Aufwandseite bereits auf ein Minimum gedrückt hat. (mgt)

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