Lostorf

Trotz roter Zahlen heisst die Budgetgemeindeversammlung Investitionen gut

Lostorf sprach 500'000 Franken für eine neue Asylunterkunft. Der marode Pavillon muss einem Holzhaus weichen, wo in Zukunft Familien und Frauen wohnen werden.

Lostorf sprach 500'000 Franken für eine neue Asylunterkunft. Der marode Pavillon muss einem Holzhaus weichen, wo in Zukunft Familien und Frauen wohnen werden.

Die Gemeinde schreibt 2020 ein Defizit von 396'000 Franken. Doch auf eine Steuererhöhung wird vorerst verzichtet.

Pünktlich um 20 Uhr finden sich am Dienstagabend 34 Stimmberechtigten in Lostorf zur Budgetgemeindeversammlung zusammen. Doch die Sitzung beginnt mit einigen Minuten Verspätung: Die Technik streikt. Die Versammlung muss ohne Powerpoint-Präsentation auskommen. «Jetzt brauchen sie ein bisschen Fantasie», meint Gemeindepräsident Markus Müller zur Versammlung. Die Anwesenden nehmen es gelassen. «Wie früher», meint eine Frau achselzuckend.

Als erstes wird das Budget 2020 besprochen: Das 3930-Seelen-Dorf hat ein Defizit von 396'000 Franken. Obwohl die Einnahmen steigen, wächst auch der Aufwand. «Die Ausgaben, auf die wir keinen Einfluss haben, steigen», meint Müller nach der Sitzung. Damit meint er beispielsweise die Gesundheitskosten, die nächstes Jahr mit 280'000 Franken mehr budgetiert werden müssen. Denn neuerdings können die Gemeinden die Kosten nicht mehr mit dem Kanton teilen. «Das ist natürlich ärgerlich», meint der Gemeindepräsident.

Keine Erhöhung der Steuern trotz roter Zahlen

Um das Defizit auffangen zu können, müsste der Steuerfuss angepasst werden. «Gemäss Legislaturziel wollen wir im Vergleich mit den umliegenden Gemeinden einen attraktiven Steuerfuss halten», erklärt Yannic Lüthi, Ressortleiter Finanzen. Bei einer Erhöhung von 4 Prozentpunkten wäre Lostorf im regionalen Vergleich im Mittelfeld. Dies will der Gemeinderat aber vermeiden. Ausserdem: «In den letzten Jahren ist die Rechnung immer besser ausgefallen, verglichen mit dem Budget», erklärt Lüthi weiter. So werde vorerst von einer Steuererhöhung abgesehen. Das Budget wurde einstimmig angenommen.

Trotz der schlechten Zahlen wird Lostorf investieren: Zum einen wurden 500'000 Franken für eine neue Asylunterkunft gesprochen. Der marode Pavillon muss einem Holzhaus weichen, wo in Zukunft Familien und Frauen wohnen werden. Die Mieterin der zwei geplanten Wohnungen wird die Sozialregion Oberes Niederamt sein. Zudem werden in der Kreisschule Mittelgösgen Brandschutztüren eingebaut. Lostorf wird sich dabei mit rund 104900 Franken beteiligen.
Die letzte Investition präsentiert der Gemeindepräsident selber. Es geht um einen jährlichen Kredit von 25375 Franken für die Stiftung Schloss Wartenfels. «Dank diesem Kredit könnten die nötigen Sanierungsarbeiten gemacht werden», erklärt Müller. Ihm sei es ein Anliegen, dass das Schloss für die Öffentlichkeit zugängig bleibt. «Wenn wir dieses Geld nicht sprechen, werden wir keinen Einfluss mehr haben, was mit dem Schloss gemachte wird», warnt Müller. Die versammelten Stimmberechtigten konnte er überzeugen und nun zahlt Lostorf für die nächsten 40 Jahren diesen Betrag.

Die Versammlung schliesst nach zwei Stunden und wenigen Diskussionen. Müller ist zufrieden, dass die Geschäfte durchgekommen sind, meint aber: «Ich fände es schön, wenn diese Versammlungen mehr für Diskussionen genutzt würde.»

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