Nirgendwo in der Schweiz ist der Anteil an leerstehenden Wohnungen so hoch wie im Kanton Solothurn. Das zeigt die Leerwohnungszählung des Bundesamts für Statistik vom 1. Juni 2017. 2,89 Prozent beträgt die Leerwohnungsziffer im Kanton. Diesen Wert übertreffen die Bezirke Gösgen und Olten sogar mit 2,94 beziehungsweise 4,45 Prozent. Und das, obwohl in den Gemeinden der Wohnungsbestand im Vergleich zum Jahr 2016 teilweise stark angestiegen ist.

825 Wohnungen sind in den Niederämter Gemeinden laut Bundesamt für Statistik am Stichtag leer. Knapp 100 mehr als im Vorjahr. Das ergibt eine Ziffer von 4,08 Prozent, die damit deutlich über dem Wert des Kantons liegt.

Deutlich über dem Schnitt

Den stärksten Anstieg im Vergleich zum letzten Jahr weist die Gemeinde Schönenwerd auf (siehe Tabelle). Mit rund 259 leerstehenden Wohnungen steigt die Leerwohnungsziffer auf 10,57 Prozent — fast das Vierfache des kantonalen Werts. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 lag diese Ziffer noch bei 6,13 Prozent.

Gemeindepräsident Peter Hodel kann sich diesen Anstieg nicht erklären: «Das kann ich kaum glauben», nimmt er etwas fassungslos Stellung. «Das dünkt mich jetzt schon extrem viel.» Auch die wahnsinnige Differenz zum Jahr 2015, in welchem nur 34 Wohnungen leer standen, schockiert den Gemeindepräsidenten.

Statistik der Leerwohnungen im Niederamt

Die Einwohnerzahlen seien zwar in der Tendenz eher ansteigend, diesen extremen Unterschied zu den Vorjahren könne er jedoch nicht nachvollziehen. «Vielleicht, weil wir noch eine grosse Überbauung ausstehend haben, die noch nicht beziehbar ist», vermutet Hodel. An Attraktivität verloren habe Schönenwerd jedoch sicher nicht. «Wir sind gut erschlossen und zentral.»
Auch die Gemeinden Eppenberg-Wöschnau, Dulliken, Winznau und Wisen zeigen im Vergleich zum Vorjahr einen starken Anstieg.

So stieg denn die Leerwohnungsziffer in Wisen um mehr als das Dreifache, von 0,98 auf 3,90 Prozent. Es sind vor allem 3- und 4-Zimmer-Wohnungen, die leer stehen. Aber auch Einfamilienhäuser schneiden in der Zählung schlecht ab. Für Schönenwerds Gemeindepräsident ist einzig eine Antwort einleuchtend: «Momentan wird einfach überall gebaut.» Und all diese neuen Wohnungen müssten erst einmal gefüllt werden.

Alle Wohnungen belegt

In anderen Dörfern ist die Leerwohnungsziffer hingegen klar unter dem kantonalen Schnitt. Lostorf verweist beispielsweise eine Ziffer von 1,05 Prozent, obwohl die Gemeinde mit knapp 4 000 Einwohnern zu den Grösseren in der Umgebung zählt. Die Anzahl leerer Wohnungen ist im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht rückgehend.

In Rohr und Kienberg sind sogar alle Wohnungen belegt. Die Gemeinde Kienberg kann einen Rückgang von 3,36 auf 0,00 Prozent vermerken. «Das freut uns natürlich», meint Gemeindepräsidentin Adriana Gubler. «Aber diese Statistik zeigt ja nur eine Momentaufnahme.» Denn in einer kleinen Gemeinde wie Kienberg, mit nur 531 Einwohnern, herrsche in der Verfügbarkeit von Wohnraum eine rege Dynamik. Gubler ist sich jedoch sicher, dass das Dorf gerade für Familien eine hohe Attraktivität aufweist.

Dies vor allem durch die Nähe zur Natur und der damit verbundenen Ruhe. Zudem sei die Gemeinde gut erschlossen und nahe an grösseren Orten in der Umgebung gelegen. Die Gemeindepräsidentin zeigt sich auch skeptisch: «Diese Statistik sendet die Nachricht, dass wir keinen Platz mehr hätten.» In Kienberg gebe es aber immer wieder freie Mietwohnungen und verfügbares Bauland. «Wir empfangen Zuzügler mit offenen Armen», sagt Gubler. Deswegen dürfe man die Statistik nicht überbewerten.

Abgesehen von diesen Ausnahmen, liegen aber über die Hälfte der Niederämter Gemeinden über der kantonalen Durchschnittsziffer.