Niederamt

Tropenarzt Markus Frey berichtete in Lostorf aus Simbabwe

Tropenarzt Dr. Markus Frey berichtete in der reformierten Kirche Lostorf aus seiner Zeit in Simbawe. Wegen des Corona-Virus mussten sich vor der Liturgie alle Besucherinnen in eine Liste eintragen und die Hände desinfizieren.

Tropenarzt Dr. Markus Frey berichtete in der reformierten Kirche Lostorf aus seiner Zeit in Simbawe. Wegen des Corona-Virus mussten sich vor der Liturgie alle Besucherinnen in eine Liste eintragen und die Hände desinfizieren.

Ein ökumenisches Komitee organisierte am Freitag in Lostorf einen Weltgebetstag mit dem Motto «Steh auf, nimm deine Matte und geh». An dem Anlass erzählte Tropenarzt Dr. Markus Frey von seiner Zeit in Simbabwe.

Aus buntem Papier ausgeschnittene Füsse wiesen den Weg in den passend dekorierten Kirchensaal im oberen Stock der reformierten Kirche: Auf der Treppe brannten Kerzen, eine Karte von Simbabwe und Tücher in den Farben der Landesflagge stimmten auf das Land ein. Es war das dritte Jahr, in dem das achtköpfige Organisationskomitee einen Anlass zum Weltgebetstag organisierte. Im Gegensatz zu vielen Gemeinden, in denen der Anlass am Abend stattfand, begann der Weltgebetstag in Lostorf um halb neun Uhr morgens. «Wir haben das so gemacht, weil wir nachher noch gemeinsam frühstücken», erklärte Baudien Suter, die bei der Organisation mithalf. Über 30 Leute waren gekommen, überwiegend Frauen. «Das freut uns riesig», sagte Suter, die nicht damit gerechnet hatte.

Der grosse Andrang könnte mit dem speziellen Gast zusammenhängen: Der Tropenarzt Dr. Markus Frey referierte zu Simbabwe. Frey wuchs in Lostorf auf und arbeitete in den 1980er-Jahren während zweieinhalb Jahre als Arzt in einem Spital in Simbabwe und später auch in anderen afrikanischen Ländern. In seinem Vortrag ging er auf die Geschichte des Landes ein und teilte seine eigenen Eindrücke. Wichtige Meilensteine in der Geschichte waren etwa das Munhumutapa-Reich, eine Hochkultur mit der Blütezeit im 14. und 15. Jahrhundert. Seit der Ankunft des Portugiesen Vasco da Gama ist das Land vom Kolonialismus geprägt. Holländer und Engländer stritten sich um Land und Bodenschätze, später erlangte das Land die Unabhängigkeit von den Engländern. Die weisse Minderheit ergriff die Macht, wogegen sich die afrikanische Bevölkerung wehrte. Ein 14-jähriger Bürgerkrieg folgte. Noch heute sind die Folgen zu spüren, die Wirtschaft ist in einem schlechten Zustand. «Es fehlt an Infrastruktur und Material und allen möglichen Dingen, die es braucht, um ein Spital zu führen», stellte Frey fest.

Tropenarzt Dr. Markus Frey berichtete in der reformierten Kirche Lostorf aus seiner Zeit in Simbawe. Wegen des Corona-Virus mussten sich vor der Liturgie alle Besucherinnen in eine Liste eintragen und die Hände desinfizieren.

Tropenarzt Dr. Markus Frey berichtete in der reformierten Kirche Lostorf aus seiner Zeit in Simbawe. Wegen des Corona-Virus mussten sich vor der Liturgie alle Besucherinnen in eine Liste eintragen und die Hände desinfizieren.

Fortschritte gab es bei der Bekämpfung von HIV und Aids. Auch die Sterblichkeit bei den Geburten sei relativ tief aufgrund eines effizienten Systems. «Die Frauen kommen zwei Wochen vor der Geburt in Häuser auf dem Spitalgelände», erklärte Frey. So seien die Frauen bereits vor Ort, wenn die Wehen einsetzen oder es Komplikationen gibt. Weil die Frauen von weiblichen Angehörigen begleitet werden, die in dieser Zeit für sie kochen, ist das System billig. «Obwohl die Situation immer noch schlecht ist, haben sich die Afrikaner ihre Gastfreundschaft bewahrt», stellte Frey fest. Die Kinder seien fröhlich. «Das können wir von Afrika lernen», schloss er seinen Vortrag.

Suizidrate durch Therapien verringern

Anschliessend stellte Mitorganisatorin Sandra Graber das Projekt «Friendship Bench» vor. Dieses schliesst eine Lücke im Gesundheitssystem von Simbabwe: die psychische Gesundheit. Kostenfrei und ohne Gefahr von Stigmatisierung können Menschen auf speziellen Bänken vor Krankenhäusern Platz nehmen und einer der 240 Laientherapeutinnen, allesamt Grossmütter zwischen 35 und 85 Jahren, ihre Sorgen anvertrauen. Dies wirkt der steigenden Suizidrate entgegen, die durch die Arbeitslosigkeit und andere Probleme verursacht wird.

Das Gebet durfte am Weltgebetstag ebenfalls nicht zu kurz kommen. Im Zentrum der Liturgie, die Frauen aus Simbabwe verfasst hatten, stand die Geschichte aus dem Johannesevangelium, wonach Jesus zu einem Kranken sagte: «Steh auf, nimm deine Matte und geh», und dieser daraufhin geheilt wurde. Dazu wurden passende Lieder gesungen. Die Kollekte des Gottesdiensts ging an ein Projekt zur Gesundheitsversorgung in Simbabwe. Beim anschliessenden Frühstück konnten sich die Besucher austauschen.

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