Seit dem 2. Oktober 2018 dürfen sich Otto Hermann, Andreas Hermann und Bettina Wirsing Besitzer des Geschenke- und Dekoladens «Angenoirs Productions» nennen. Wobei, diese Bezeichnung greift zu kurz: In ihrem Lokal im Däniker Kürzi-Zentrum verkaufen die drei nicht nur Dekoratives: «Unser Sortiment beinhaltet Kunst», erklärt Andreas Hermann, mit 34 Jahren der Jüngste des Trios. Damit meint er ihre fünf Grundpfeiler: Spezialitäten, Geschenke, Kunst, saisonale Deko und Wohnaccessoires. «Unsere Angebote ergänzen sich», fügt Vater Otto Hermann hinzu. Bettina Wirsing, die Partnerin von Andreas, nickt zustimmend.

«Ange noir» ist französisch und heisst übersetzt schwarzer Engel. Laut Andreas Hermann ist der Ausdruck ein Synonym für Yin und Yang und steht für Ausgeglichenheit. «Angenoir» ist auch heute noch sein Künstlername als Musiker. Angefangen hat «Angenoirs Productions» als Homepage. «Wir sind alles Künstler», stellt Andreas klar. Bettina Wirsing malt und fotografiert, Otto Hermann kocht und fotografiert und Andreas Hermann macht Musik. Über die Website wurden Aufträge an Land gezogen und Produkte verkauft. Sie waren vielseitig tätig, haben Musik gemacht, gemalt, gemodelt, geschauspielert, Aufträge im In- und Ausland angenommen. 2010 war «Angenoirs» ein Musiklabel, seit 2011 ist es eine Firma. 2018 eröffneten sie den dazugehörenden Laden. Sie konnten ihn von Evelyn Kamber übernehmen, die mit ihrem Laden «Evelyn’s Wonderland» nach Dulliken gezogen ist.

Derzeit arbeitet Bettina noch im Lidl in Gretzenbach, das Ziel des Paars ist es jedoch, zukünftig von «Angenoirs Productions» leben zu können. «Für mich ist gesorgt, ich bin pensioniert», meint der 62-jährige Otto dazu.

Fokus auf regionale Produkte

Das Trio ist im Niederamt bereits bekannt: Andreas ist in Gretzenbach, wo seine Eltern noch immer wohnen, aufgewachsen. Zusammen mit Bettina hat er bereits in den vergangenen Jahren diverse Events in Däniken organisiert. Ihr Bezug zur Region ist deshalb gross. «Unser Fokus liegt nicht auf industriell gefertigter Ware, sondern auf Produkten quasi aus Nachbars Garten», erklärt Andreas. Vater Otto ergänzt: «Wir verkaufen keine 08/15-Produkte.» Vor allem der erste Monat nach der Eröffnung sei besonders gut gelaufen, berichtet die 36-jährige Bettina. «Mittlerweile werden wir nicht nur von Stammkunden, sondern auch von uns bislang unbekannten Gesichtern besucht.» Im Ladenlokal sind auch Bilder der Künstlerin ausgestellt. «Am Eröffnungstag konnten wir bereits nach etwa einer halben Stunde eines verkaufen», blickt sie voller Freude auf ihr persönliches Highlight in der bisherigen Firmengeschichte zurück.

Nicht immer war alles rosig im Hause Hermann und Wirsing. Vor allem die Zeit vor der Eröffnung des Ladens sei intensiv und von kleineren und grösseren Rückschlägen geprägt gewesen. Auch Gedanken um die eigene Existenz hätten sie sich oft gemacht. Denn: «Es ist manchmal eine Gratwanderung», bemerkt Otto Hermann. Aber die Unternehmer sind sich einig: Negative Gedanken bringen nichts. «Bei uns gibt es keine Probleme, nur Lösungen», meint Bettina Wirsing vielsagend. Jeder hat bei «Angenoirs Productions» seine Aufgabe: Otto Hermann waltet im Hintergrund, Bettina Wirsing macht die Buchhaltung und Andreas Hermann kümmert sich um den Verkauf.

«Wir arbeiten viel, aber wir wissen, wofür»

Freizeit hätten sie nicht viel: «Nur weil der Laden am Sonntag geschlossen ist, heisst das nicht, dass wir nicht arbeiten», meint Musiker Andreas, dessen Ziel es ist, mindestens eine Single pro Jahr herauszubringen. «Wir arbeiten viel, aber wir wissen, wofür: für die Zukunft», bemerkt Malerin Bettina. Für sie ist das Malen eine Art Freizeit: «Dann brechen alle Gefühle aus mir heraus, die ich während der Woche nicht zum Ausdruck bringen konnte.» Ob sie sich denn als Workaholics bezeichnen würden? «Ja, schon ein bisschen. Aber nicht so, dass es schmerzt oder dass wir uns selbst zerfleischen», antwortet Andreas lachend.

Sie bleiben ihrem Motto «Wir machen nicht weniger, sondern mehr» auch in ihrem Laden treu: Da vor kurzem das Café im Kürzi-Zentrum seine Türen schloss, wird bei «Angenoirs Productions» auch jedem Kunden ein Kaffee offeriert. «So funktioniert Kundenbindung», weiss Andreas aus langjähriger Verkaufserfahrung. Einmal im Monat organisieren die Ladenbetreiber einen Kundenanlass. Ende Oktober gab es ein Kürbisschnitzen, am 1. Dezember wird hausgemachte Kürbissuppe ausgeschöpft. «Ich bereite sie in den Räumlichkeiten einer Metzgerei in Gretzenbach zu», berichtet Otto Hermann, der gelernter Koch ist.

Den dreien wird, ganz ihrem bisherigen Lebensstil entsprechend, auch in Zukunft nicht langweilig werden: Anfang Januar wird ein Fotostudio eröffnet, das an den Laden im Kürzi-Zentrum angrenzt. Auch an Zielen mangelt es nicht: «Wir möchten ein überregional bekannter Laden für Spezialitäten werden.»