Niederamt
Trinkwasser-Verschmutzung: Ursache noch immer unklar – jetzt wird der Fall untersucht

Die Erleichterung im Niederamt ist gross: Nach tagelanger Unsicherheit wegen des verschmutzten Trinkwassers gaben die Behörden am Donnerstagabend das Hahnenwasser wieder frei. Nun geht es an die Analyse.

Myriam Sperisen
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Endlich wieder direkt vom Wasserhahn trinken.

Endlich wieder direkt vom Wasserhahn trinken.

Keystone

«Das Trinkwasser von Obergösgen, Dulliken und Lostorf ist wieder von einwandfreier Qualität und kann somit bedenkenlos konsumiert werden», steht auf dem Flyer, der am Donnerstagabend von den Feuerwehrkorps in alle Haushalte verteilt wurde. Kein vorheriges Abkochen und kein gekauftes Mineralwasser sind mehr nötig. So zeigte sich Peter Frei, Gemeindepräsident und Delegierter in Sachen Wasser für die drei Gemeinden, erleichtert und liess verkünden: «Wir bedauern die entstandenen Unannehmlichkeiten und bedanken uns bei der Bevölkerung für das Verständnis und das entgegengebrachte Vertrauen.»

«Professionell gehandelt»

Auf den verteilten Flugblättern sind erstmals Zahlen zur Verschmutzung zu lesen: «Die Belastung betrug bis zu 25 Keime pro Milliliter Wasser.» Doch was muss man sich als Laie darunter vorstellen? Kantonschemiker Martin Kohler erklärt auf Anfrage: «Die Verordnung über Trinkwasser sowie Wasser in öffentlich zugänglichen Bädern und Duschanlagen des Bundes schreibt für die Keime Escherichia coli und Enterokokken eine Nulltoleranz vor. In 100 Milliliter Trinkwasser aus dem Verteilnetz dürfen diese Keime nicht nachweisbar sein. Sonst kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Trinkwasser mit Fäkalien belastet ist und ein Risiko für die Gesundheit besteht. Durch Abkochen können diese Keime jedoch vollständig beseitigt werden.»

Die Zeit des Abkochens

Am 4. Juli war es in der ARA Winznau zu einem Stromausfall gekommen, worauf ungeklärtes Abwasser in die Aare und in den Aarekanal floss. Laboruntersuchungen ergaben darauf, dass das Trinkwasser in den drei Gemeinden Obergösgen, Dulliken und Lostorf mit Fäkalkeimen belastet ist. Sofort wurden beim Kanton und den zuständigen Gemeindebehörden Gegenmassnahmen eingeleitet, wie die Chlorierung der Leitungen. Die betroffenen Einwohnerinnen und Einwohner kochten das Wasser ab oder kauften Mineralwasser. Die Chlorierung wurde vor einer Woche eingestellt (wir berichteten). Seither spülten die Experten die Leitungen durch. Entsprechende Messungsresultate vom Donnerstag sorgten schliesslich für Entwarnung. Das Trinkwasser könne noch ein paar Tage den leichten Geschmack von Chlor aufweisen, was aber nicht bedenklich sei, so die Behörden. Zudem wird nach längeren Abwesenheiten aufgrund von Ferien (seit dem 9. Juli oder länger) geraten, die Wasserhahnen im gesamten Gebäude fünf Minuten lang laufen zu lassen.

Nun, da das Wasser wieder sauber ist, geht es an die Untersuchung des Vorfalls. Bis dahin lief laut Kantonschemiker Kohler alles sehr gut: «Bei der Bewältigung haben die Verantwortlichen für die Wasserversorgung in den drei Gemeinden rasch und professionell gehandelt», lobt er. Die Lebensmittelkontrolle werde jetzt bei den betroffenen Wasserversorgungen nachhaken, ob bezüglich Vorsorge Verbesserungspotenzial bestehe. «Falls nötig, werden wir Korrekturmassnahmen anfordern», so Kohler.

Wie konnte es so weit kommen?

Und was die Abwasserreinigungsanlage (ARA) Winznau angeht, sagt Kohler: «Das Amt für Umwelt wird die Vorgänge der ARA und entlang der Alarmierungskette untersuchen lassen.» Bei der ARA Winznau laufen die Analysen ebenfalls. Edi Baumgartner ist Präsident des Betreibers Zweckverband Abwasserregion Olten. Er sagte gestern auf Anfrage dieser Zeitung: «Wir haben noch keine neuen Erkenntnisse und wissen nicht, warum der Alarm nicht funktionierte. Aber sobald wir wissen, warum es so weit kommen konnte, werden wir das Problem beheben.»

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