Es war die letzte Äusserung des Täters, die dem veritablen Theater am Freitag vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen die Krone aufsetzte. «Ich weiss ganz genau, dass die Organe meiner Frau herausgenommen und verkauft wurden», meinte der 42-jährige Eritreer abschliessend an diesem zweiten Prozesstag. Amtsgerichtspräsident Pierino Orfei, der im Laufe des Tages zusehends entnervt wirkte, wusste diese weitere Absurdität bloss noch mit einem «Mamma mia!» abzutun. Damit wurde das Beweisaufnahmeverfahren geschlossen.

Inhaltlich erwies sich der Prozesstag als wenig ergiebig, da der Täter viele Aussagen von Zeugen und Gutachtern rundweg abstritt oder vorgab, sich nicht erinnern zu können. Fragen blockte er mit Gegenfragen oder er erging sich in irrelevanten Ausführungen. Dem Amtsgerichtspräsidenten stand die Gereiztheit ins Gesicht geschrieben.

Dem Eritreer wird vorgeworfen, am 17. Oktober 2013 seine Partnerin in deren Wohnung in Trimbach mit über 20 Messerstichen brutal ermordet zu haben. Dies wahrscheinlich aus Eifersucht. Er vermutete, dass sie eine Beziehung mit einem ihm bekannten Mann führte.

Bereits 2012 war der Beschuldigte an einer Messerstecherei am Bahnhof Olten auffällig geworden. Er floh darauf nach Italien, wurde jedoch ein Jahr später von der Polizei gefasst und in Untersuchungshaft gesteckt. Auf den Vorfall angesprochen, erwiderte der Eritreer: «Es ist nicht so, wie Sie denken. Ich bin ein Mensch, der in Frieden leben will.»

«Er nervt!»

Nach Angaben einer Zeugin habe er ihr nach erfolgter Bluttat angerufen und ihr mitgeteilt, dass er seine Partnerin getötet hatte. Der Täter bestritt diese Aussage und forderte die Zeugin auf, auf die Bibel zu schwören. Der Amtsgerichtspräsident fuhr den Mann daraufhin scharf an, dass solches nicht den schweizerischen Gepflogenheiten entspreche. Und wies den Dolmetscher an: «Er soll nicht die ganze Zeit nerven! Er nervt!»

Zumindest die Tatsache, dass er auf seine damalige Freundin eingestochen habe, leugnete der Beschuldigte nicht. Das Schauspiel näherte sich indes seinem Höhepunkt, als der Mann behauptete, eine auf Band festgehaltene Aussage so nicht gemacht zu haben: Nachdem er die Frau niedergestochen und in ihrer Wohnung liegen gelassen hatte, rief er der Polizei in Solothurn an. «Meine Frau hat Tod, ich glaube», gab er am Telefon in bruchstückhaftem Deutsch an. Die Aufnahme, die ihm vor Gericht vorgespielt wurde, kommentierte er aufgebracht: «Nein, ich habe Problem Deutsch! Das ist kein Beweis!»

Warum er die Frau tatsächlich tötete, wurde am Freitag nicht eindeutig klar. Möglicherweise, weil die Eritreerin nicht mehr mit dem Täter zusammenleben wollte. Er hatte sie vorgängig mehrfach geschlagen und bedroht.

Der Beschuldigte gab an, seine Tat zu bereuen, die ein Fehler von wenigen Sekunden gewesen sei. Er habe kein Leben mehr, habe alles verloren. Nach der Posse, die er am Prozess bot, wird ihm das Gericht diese Erklärung kaum abnehmen.

Die Plädoyers werden am Montag verlesen.