Fortifikation Hauenstein

Trimbach hatte als telefonisches Nervenzentrum der Armee eine wichtige Funktion

Der Verein «Kulturgut Trimbach» erinnert an die strategische Bedeutung des Dorfes für die Fortifikation Hauenstein.

Eingefallene Unterstände, aufgefüllte Schützengräben, geborstene Steintafeln: Die Natur nimmt die Fortifikation Hauenstein ein. Wer über den Wisenberg oder den Kilchzimmersattel entlang wandert, trifft überall auf Spuren dieser Verteidigungsanlage aus dem Ersten Weltkrieg, die den Eisenbahnknotenpunkt Olten schützen sollte.

Wie die über 40 Kilometer lange Anlage beim Bau ausgesehen hat, zeigt eine Ausstellung des Vereins «Kulturgut Trimbach» im Dorfmuseum. Auch wenn die Vitrinen nur wenig Raumfläche belegen, so ist dem Trimbacher Lokalhistoriker Urs Ramseier eine abwechslungsreiche Übersicht gelungen, insbesondere durch die Fotoreproduktionen.

Trimbach als Kabelzentrale der Armee

Das Kommando der Fortifikation Hauenstein lag in den Händen von Oberstdivisionär Heinrich Schiess (1852–1934). Der gebürtige Appenzeller und sein Stab nutzten erst das Hotel Aarhof in Olten, später ein Haus an der Römerstrasse 7 als Hauptquartier. In Trimbach lief das ganze Fernmeldewesen zusammen. Das Brühlmatt-Schulhaus diente als Telefonzentrale, von da aus führten Telefonleitungen sternförmig unter anderem auf den Wisenberg, über Hauenstein zum Kilchzimmersattel und sogar durch den Hauensteintunnel nach Läufelfingen.

Ein Foto zeigt Soldaten mit Feldtelefonen, ein anderes einen Soldaten mit Kabelrollen auf einem Pferdefuhrwerk. Dokumentiert ist auch der Bau: Eine Schreinerkompanie sägt Schalungsbretter, Soldaten errichten Faschinen in neu ausgehobenen Schützengräben.

Aufnahmen des Strohlagers in Olten, der Zahnarztpraxis oder der Schneiderei offenbaren unbekannte Innenansichten. Eindrücklich ist auch eine Übersicht der Preisentwicklung. Die Rationierung setzte erst sehr spät ein, weshalb die Teuerung der Lebensmittel im Laufe des Krieges enorm zunahm. Eine Verdopplung bis Verzehnfachung des Preises war möglich. So kostete ein Dutzend Eier 1914 70 Rappen. 1918 mussten dafür 6 Franken bezahlt werden. Oder ein Ster Tannenholz: Innert vier Jahren stieg der Preis von 15 Franken auf 40 Franken. Ganz extrem ein Kilogramm Speck. Von 2 Franken 1914 kletterte der Preis bei Kriegsende auf 12 Franken.

Fortifikation Hauenstein vor Zerstörung bewahren

Auch auf der anderen Seite des Juras ist die Fortifikation ein Thema. Am 14. Juni 2018 reichte der Baselbieter Landrat Pascal Ryf (CVP) ein Postulat ein mit dem Titel «1914–1918: Rettet die Fortifikation Hauenstein!» Ausser von den Grünen wurde es von Mitgliedern aller Landratsparteien unterzeichnet. Der Oberwiler möchte von der Regierung wissen, wie sie das einmalige Bauwerk langfristig zu erhalten gedenkt.

Bis heute steht kein Quadratmeter unter Denkmalschutz, die Schäden nehmen stetig zu. Auch fehlt eine Dokumentation: Es gibt im Gelände keine Informationstafel, nirgendwo liegen Prospekte auf, eine Internetseite sucht man umsonst. Als Gegenbeispiel für eine hervorragende Pflege der Erinnerungskultur führt Ryf den «Kilomètre Zero» an der Landesgrenze bei Bonfol JU an, wo in den letzten Jahren sehr viel in die Vermittlung und Konservierung investiert wurde.

Am 13. Dezember wurde das Postulat stillschweigend überwiesen, seitdem ist es ruhig geworden. Über ein Jahr nach seiner Einreichung liegt noch keine Antwort der Regierung vor. Eine Anfrage bei der Bau- und Umweltschutzdirektion des Kantons Baselland stösst auf eine Mauer des Schweigens.

Auf die Fragen, warum das Postulat bislang nicht beantwortet wurde, welche kantonalen Stellen involviert seien und bis wann die Regierung Stellung nehme, ging Sprecherin Catia Allemann nicht ein. Sie hält einzig fest, dass die Frist zur Beantwortung bis zum 13. Dezember 2019 laufe, bis dahin werde eine Antwort vorliegen. Der Kanton lässt sich Zeit.

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