Trimbach
Erste Veranstaltungen definitiv vertagt: Kultur ist Leidtragende des neuen Impfzentrums

Zur Neuvermietung des Mühlemattsaals in Trimbach kommt nun auch ein Wasserschaden hinzu. Diverse Vereine mussten ihre Anlässe absagen.

Cyrill Pürro
Drucken
Teilen
Der Mühlemattsaal wird von vielen Trimbacher Vereinen genutzt - jetzt dient er als Impfzentrum.

Der Mühlemattsaal wird von vielen Trimbacher Vereinen genutzt - jetzt dient er als Impfzentrum.

Bruno Kissling

Der Mühlemattsaal ist jetzt ein Impfzentrum. Neben Selzach ist Trimbach der zweite Standort im Kanton Solothurn. Was auf der einen Seite zur Bekämpfung der Pandemie dient, tangiert diverse Vereine und Veranstalter auf der anderen Seite, sie wollten den Mühlemattsaal mieten und nutzten und waren dafür bereits im Besitz von Nutzungsbestätigungen. Dass der Veranstaltungsort nun für mindestens neun Monate ein kantonales Impfzentrum beherbergt, sei den Betroffenen zu spät mitgeteilt worden, heisst es von verschiedenen Seiten (wir berichteten). Betroffen sind unter anderem das Musical des Vereins «Musical for you», die Kleiderbörse des Elternvereins, sowie das Kulturforum und die Banausenzunft.

Musicalaufführungen definitiv verschoben

Für den Verein «Musical for you» gab es zuletzt noch einen Hoffnungsschimmer: Zusammen mit dem Kanton arbeitete die Gemeinde Trimbach einen Vorschlag aus, welcher die Nutzung des Mühlemattsaals gemeinsam durch das Impfzentrum und den Verein zugelassen hätte. «Diese Pläne wurden Ende Juli durch einen durch Starkregen verursachten massiven Wasserschaden im Mühlemattsaal zunichte gemacht», heisst es aber nun in einer Medienmitteilung des Vereins.

Martin Bühler, Gemeindepräsident von Trimbach

Martin Bühler, Gemeindepräsident von Trimbach

Bruno Kissling
«Der Keller des Saals stand bis zu 15 Zentimeter unter Wasser»,

bestätigt Gemeindepräsident Martin Bühler auf Anfrage. Die Abklärungsarbeiten und Trocknungsmassnahmen nehmen zwei bis drei Monate in Anspruch. Grosse Teile des Untergeschosses des Saals seien zurzeit unbenutzbar, da der gesamte Parkettboden rausgebrochen und eine Renovation getätigt werden müsse.

Die Gemeinde hat dem Verein noch ein Ausweichdatum im November vorgeschlagen. Dann kann das Musical aber nicht stattfinden: Zu diesem Zeitpunkt stehen mehrere am Projekt Beteiligte nicht zur Verfügung, unter anderem die Band und andere Akteure. Auch würde nicht die minimal notwendige Saalinfrastruktur zur Verfügung stehen. Zudem ist die weitere epidemiologische Entwicklung nicht absehbar. Eine allfällig vom Bund neu angeordnete Erhöhung der Impfkapazität könne die gesamte Planung kippen. Das Musical wird zum zweiten Jahr infolge verschoben und findet nun vom 16. bis zum 24. September 2022 statt.

Schmerzhaft sei vor allem der finanzielle Schaden. «Es gibt Leute, die ihre Billette nach der zweiten Absage wieder storniert haben, aufgrund der Ungewissheit, ob das Musical nächstes Jahr auch wirklich stattfindet», sagt Patrik Flück, Präsident des Musicalvereins. Der Verein sucht nun in Bezug auf die finanziellen Auswirkungen zusammen mit der Gemeinde eine Lösung. Wie Martin Bühler mitteilt, werde die Gemeinde das Musical bei finanziellen Mehrausgaben unterstützen, die aufgrund der erneuten Verschiebung entstehen.

Auch «Märlibühne» und Kulturforum betroffen

Die traditionelle Aufführung, die seit 1983 immer am letzten Wochenende im November im Mühlemattsaal vom Verein «Märlibühni Trimbach» aufgeführt wird, kann aufgrund der Terminkollision nicht stattfinden. Wie die Präsidentin des Vereins, Barbara Fiordiriso, auf Anfrage erklärt, sei sie zu spät über die Umstände seitens der Gemeinde informiert worden. Sie hätte sich ein frühzeitiges Informationsmail an alle Vereine gewünscht. Der Verein nahm für den November noch keine Reservierung vor, da Fiordiriso die epidemiologische Lage abwarten wollte.

Mit den Lockerungen von Kanton und Bund sei aber klar gewesen, dass die Aufführung der «Märlibühne» stattgefunden hätten. Anders sieht es Gemeindepräsident Martin Bühler. Der Verein sei nie von sich aus auf die Gemeinde zugegangen. «Da der Verein keine Reservation tätigte, gingen wir davon aus, dass die Märlibühne dieses Jahr nicht stattfindet», erklärt Bühler auf Anfrage. Mieterinnen und Mieter des Mühlemattsaals seien selbst dafür verantwortlich, auf die Gemeinde zuzugehen. Ausserdem hätten die Vereine keine Mitsprache, wenn es darum geht, den Saal an den Kanton zu vermieten.

Margrit Huber-Schnetzer, Präsidentin vom Kulturverein Forum in Trimbach.

Margrit Huber-Schnetzer, Präsidentin vom Kulturverein Forum in Trimbach.

Oltner Tagblatt

Auch der Trimbacher Kulturverein «Forum» muss Anlässe verschieben. Beispielsweise das Kaffeehaus-Konzert anfangs März oder einen Vortrag im April, wie die Präsidentin des «Forums, Margrit Huber-Schnetzer, auf Anfrage sagt. Auch sie habe sich an der Kurzfristigkeit gestört. «Wir als Vereine beleben diesen Saal und wenn er knapp ein Jahr kulturell nicht belebt wird, sehe ich das als Problem», so Huber-Schnetzer über ihre Gefühlslage.

Das Impfzentrum in Trimbach ist seit dem 3. August in Betrieb. Der Betrieb laufe gut. Zurzeit gehen täglich rund 200 Anmeldungen für eine Erstimpfug ein, wie die Leiterin für Kommunikation des Fachstabes Pandemie, Mirjam Andres, auf Anfrage sagt.

Aktuelle Nachrichten