Windenergie
Trianel streckt den Finger 99 Meter hoch in den Wind

Auf der Wisnerhöchi (Gemeinde Hauenstein-Ifenthal) werden ab April Windstärke und Fledermausbewegungen gemessen.

Christian von Arx
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Auf diese Krete an der Strasse Hauenstein–Froburg kommt im April der Windmessmast zu stehen.

Auf diese Krete an der Strasse Hauenstein–Froburg kommt im April der Windmessmast zu stehen.

ae/zvg

Nach längerer Flaute nimmt das Projekt für einen Windpark auf der Wisnerhöchi wieder Fahrt auf: Im April wird das Projektkonsortiums der Trianel Suisse AG (Solothurn) einen 99 Meter hohen Windmessmast aufstellen. Laut einer Medienmitteilung vom Montag werden die darauf installierten Sensoren und Messgeräte Daten über die Windgeschwindigkeiten, aber auch über Bewegungen der Fledermäuse liefern. Beides dient dazu, die Wirtschaftlichkeit eines Windparks auf der Wisnerhöchi zu beurteilen.

Trianel kündigt erste Auswertungen für den Herbst an. «Entsprechen die Ergebnisse unseren Erwartungen, werden die Messungen während 6 bis 12 Monaten weitergeführt», erklärt Projektmanagerin Karin Rötheli auf Anfrage. Der Windmessmast könnte also bis Oktober 2016 in Betrieb bleiben. Sollten die Daten hingegen zu wenig Wind oder allzu viele Fledermäuse zeigen, würde die Übung früher abgebrochen.

Die Wisnerhöchi liegt am Übergang von Wisen ins Trimbacher Erlimoos, an der Strasse vom Hauenstein zur Froburg. Der Standort des Windmessmasts auf 780 m ü. M. liegt auf Boden von Hauenstein-Ifenthal, nahe am Punkt, wo diese Gemeinde an Wisen und Trimbach stösst. Der im Kantonalen Richtplan definierte Perimeter eines möglichen Windparks Wisnerhöchi umfasst Gebiete aller drei Gemeinden.

Fledermaus-Rufe aufzeichnen

Der genaue Standort des Windmessmasts wurde nach Auskunft von Karin Rötheli gewählt, weil dort die aussagekräftigsten Resultate zu den Fledermäusen erwartet werden. Eine «Horchbox» am Mast registriert die Ultraschall-Rufe der Fledermäuse. Am Computer aufgezeichnet, geben diese Daten Aufschluss, zu welcher Zeit, bei welchen Temperaturen und bei welchen Windstärken die Fledermäuse über den Jura ziehen. Nach Auskunft des Solothurner Fledermaus-Beauftragten Elias Bader können Spezialisten daraus sogar auf die beteiligten Arten von Fledermäusen schliessen. Das kann zu Sperrzeiten für den Betrieb der Windanlagen führen.

Strom für 3800 Haushalte erhofft

Trianel Suisse plant in diesem Gebiet einen Windpark aus vier Windrädern von etwa 120 Metern Nabenhöhe, also noch etwas höher als der Windmessmast. Bei einem Raddurchmesser von 112 Metern wäre die Gesamthöhe 176 Meter über Boden. Eine Anlage hat eine Leistung von etwa 3 MW, die Gesamtleistung eines Windparks Wisnerhöhe wäre also 12 MW. Das deckt laut Trianel etwa den Bedarf von 3800 Haushalten, wobei die Windenergie allerdings bekanntlich unregelmässig anfällt.

Zu den Gesellschaftern der Trianel Suisse AG gehören die Regio Energie Solothurn, die IBB Energie AG, Brugg, die Energie Service Biel/Bienne, die Industriellen Betriebe Interlaken sowie aus Graubünden die Rhiienergie AG und die Elektrizitätswerk Davos AG. Welche von ihnen und welche weiteren Schweizer Energieversorger sich tatsächlich am Projektkonsortium für den Windpark Wisnerhöchi beteiligen werden, will Trianel derzeit noch nicht verraten.

Gegenwind aus Wisen

Widerstand gegen das Windpark-Projekt macht der Verein Wisnerhöchi ohne Windpark (WoW-Wisen). Im Sommer 2012 nahm die Gemeindeversammlung von Wisen mit 25:0 Stimmen ein Postulat an, das den Gemeinderat seither verpflichtet, sich gegen den Windpark einzusetzen. Gegen den Windmessmast hat der Gemeinderat aber keine Einsprache erhoben: «Weil wir auch nichts zu entscheiden hatten», so der Wisner Gemeindepräsident Matthias Geiger.

Auf weniger Opposition scheint das Projekt in Hauenstein-Ifenthal zu stossen: «In Wisen sieht man die Windräder, in Hauenstein hört man sie», meint Geiger vielsagend. Positiv geäussert hat sich im Mai 2014 die Gemeindeversammlung der Bürgergemeinde Olten, die rund die Hälfte des benötigten Landes besitzt.