Zu Tausenden hängen sie an den dünnen Ästchen. Die Stauden biegen sich unter der schweren Last. Aus der ganzen Region kommen fleissige Pflücker und zupfen die kleinen, blauen Beeren sorgfältig von den Ästen ab. Denn seit Mitte Juli sind die Heidelbeeren zum Selberpflücken bereit. Auf rund vier Hektaren Land bietet die Familie Hess in Walterswil SO verschiedenste Beeren an: Himbeeren, Johannisbeeren, Brombeeren und eben Heidelbeeren.

In den Reihen der Heidelbeer-Stauden tummeln sich die meisten Leute. Kein Wunder: Die vollbepackten Sträucher locken geradezu zum Ernten – und Probieren. «Zwischendurch schnause ich auch mal», sagt eine ältere Dame.

Blaubeere, Wurbeln, «Heubeeri» oder Pickbeere

In der Schweiz werden jedes Jahr rund 100 Tonnen Heidelbeeren gepflückt. Das entspricht einem Fünftel des jährlichen Inlandkonsums, wie der Schweizer Obstverband auf seiner Website schreibt. Die Anbaufläche von Heidelbeeren habe sich in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht. Mittlerweile würden die beliebten Beeren – auch Blaubeere, Wurbeln, «Heubeeri» oder Pickbeere genannt – auf mehr als 90 Hektaren angebaut werden.

Heidelbeeren sind zu einer Trendfrucht geworden. Das verdanken sie ihren Inhaltsstoffen. So sind sie etwa reich an Vitamin C und E. Damit stärken sie das Immunsystem und wirken vorbeugend gegen Falten. Weiter enthalten 100 Gramm der Superbeeren lediglich 36 Kalorien. Zuletzt sind Heidelbeeren auch voller Anthocyane: Dieser Stoff sorgt nicht nur für die blaue Farbe, sondern wirkt auch entzündungshemmend.

«Meist serviere ich sie mit ein bisschen ‹Nidle›»

Die ältere Frau ist noch immer mit dem Pflücken der Beeren beschäftigt. Neben ihr auf dem Boden steht eine bis zum Rand gefüllte Salatschüssel. Daneben zwei kleinere Kartonschachteln, ebenfalls voll. Wie lange sie schon am Pflücken sei, könne sie nicht sagen: «In den Ferien trage ich keine Uhr», sagt sie und streckt ihren uhrlosen linken Unterarm nach vorne.

Die Hess-Heidelbeeren pflücke sie für sich, ihren Mann, die Nachbarn und den Besuch. «Meist serviere ich sie mit ein bisschen ‹Nidle› oder Vanilleglace.» Zucker brauche es nicht, die Beeren seien süss genug. (sil)