Beim ersten Knirschen der auf Kieselsteine treffenden Schuhsohlen ertönt hinter der Hecke sogleich ein bellender Empfang: an den aufmerksamen Gästen des Tierhotels 5 Stern in Niedergösgen geht nicht das leiseste Geräusch vorbei. Die Tierpension wurde am 1. Dezember neu eröffnet und ist in ihrer Form einzigartig in der Region.

«Schon als Kind hatte ich immer eine enge Verbindung zu Tieren», erklärt Inhaber Piet Umiker. Die Idee, eine Tierpension zu eröffnen, kam ihm im jungen Alter, nach seiner absolvierten Lehre als Koch.

Durch sein Umfeld habe er festgestellt, dass das Angebot in der Region nicht gross genug sei. «Besonders, wenn es um schwierige Hunde und Einzelhaltung der Tiere geht», fügt Umiker an. Dies habe er ändern wollen. Um den Traum zu realisieren, war für den gebürtigen Aargauer jedoch noch viel Zeit und intensive Arbeit notwendig.

Dankbar für die Kritik

Der erste Schritt des jahrelangen Wegs war die Ausbildung zum Kaufmann: «Ich musste mir noch das nötige Wissen aneignen, um eine eigene Firma aufzubauen und führen zu können», so Umiker. Auch durch sein anschliessendes Studium der Tierpsychologie konnte der Tierliebhaber sein Know-how weiter vertiefen. Umfassendes Wissen und Verständnis des Fachs war jedoch nicht das einzige, was Piet Umiker für die Gründung seines Tierhotels benötigte.

Genauso wichtig, wenn nicht wichtiger, war das Eigenkapital, denn ohne dieses sei ein Kredit von der Bank undenkbar gewesen. Das Sparen habe er glücklicherweise schon als Kind lernen müssen: «Es hat bei mir nie Taschengeld gegeben, ich musste für mein Geld schon immer arbeiten. Im Nachhinein bin ich froh, dass meine Eltern manchmal so streng mit mir waren», lacht er. Denn dies erleichterte es ihm Jahre später, streng zu arbeiten und eisern zu sparen.

Mit genügend Eigenkapital und einem Businessplan, in welchen er insgesamt über 4 500 Arbeitstunden investierte, traute sich Umiker schliesslich zur Bank. Immer wieder habe sein Bruder seinen vermeintlich fertigen Plan kritisiert, worauf er diesen wieder neu erstellen musste.

«Im jeweiligen Moment war dies sehr anstrengend und hat mich manchmal etwas genervt, aber auch ihm bin ich im Nachhinein dankbar. Ohne seine Kritik hätte ich wahrscheinlich keinen Kredit erhalten», so der Geschäftsführer.

Mit dem aufgenommenen Kredit konnte das Projekt der eigenen Tierpension somit nach jahrelanger Vorarbeit beginnen. Auch in der Planung und im Bau des Tierhotels steckte viel Aufwand: Das Zeichnen der Pläne, die Einrichtung der Räumlichkeiten sowie das Schaufeln von tonnenweisem Kies – an jedem Arbeitsschritt war Umiker selber beteiligt.

Alles sollte exakt so sein, wie er es sich für eine optimale Betreuung der Tiere vorstellte. Neben der Hundebetreuung gibt es nun im Tierhotel auch Katzensuiten und einen Bereich für Kleintiere und Reptilien.

Gegen Rudelhaltung

Was dem Tierfreund besonders wichtig war: keine Rudelhaltung bei Hunden. «Die Hunde sind schon sonst verwirrt, wenn sie an einen Ort kommen, den sie nicht kennen. Wenn sie dann noch mit 15 anderen Tieren in einen Raum geschlossen werden, hilft das nicht besonders», erklärt er seine Entscheidung, mit welcher sich sein Tierhotel von vielen anderen abhebt.

Die Hunde werden in Einzelzimmern untergebracht und haben jeweils Auslauf in ein offenes Gehege, sowie eine grosse Rasenfläche. Gemeinsames Spielen erfolgt nur auf ausdrücklichen Wunsch der Hundehalter in Gruppen von maximal vier Hunden, die sich gut miteinander vertragen. Auch sonst betreuen Umiker und sein 5-köpfiges Team jedes Tier unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse.

Mit den Hunden, die auf das Stöckchenwerfen verzichten können, gehen die Tierpfleger spazieren oder joggen, die anderen dürfen sich im Garten mit Stöcken und Bällen austoben. Auch bei den Katzen sind in jeder Suite andere Spielsachen zu finden, Auslauf auf den geschützten Balkon haben alle Tiere.

Draht zu schwierigen Hunden

Umiker selber arbeitet am liebsten mit schwierigen Hunden. Dank seinem Draht zu Tieren falle ihm der Umgang mit diesen nicht schwer. Somit hat er seine Pension besonders auf schwierige Hunde ausgelegt, welche sonst nirgends einen Ferienplatz finden würden. «Wenn man mit dem Schwierigsten rechnet, hat man mit dem Einfachsten kein Problem», erklärt der Geschäftsführer sein Tierhotel.

Dass seine Verbindung zu Tieren stark ist, zeigt die Zuneigung, mit welcher ihm beim Gang durch das Tierhotel jeder Hund entgegentritt. Sobald die Tiere Umikers Stimme hören, rennen sie freudig auf ihn zu. So auch sein belgischer Schäfer Eetu, welcher seit zwei Jahren sein treuer Weggefährte ist.

Kaum betritt Umiker seine Wohnung, welche im gleichen Gebäude wie das Tierhotel ist, rennt Eetu auf ihn zu, knabbert liebevoll an Umikers Armen und wartet darauf, von ihm gekrault zu werden. «Ich trainiere ihn zweimal wöchentlich zusammen mit dem Militär- oder Polizeihundeführer. Er ist auf Personenschutz ausgebildet», erklärt Umiker, während Eetu auf dem Balkon seines Herrchens schützend nach Gefahren Ausschau hält.