Trimbach

Theos Bäsebeiz: Wie aus einem Bienenhaus sein kleines Paradies wurde

Theo Niklaus wirtet seit 20 Jahren in Trimbach. Am Anfang stand nur ein Bienenhaus in der Rankwog, selber hat er dann seine Besenbeiz darum herum gebaut. Ein Mann, so eigenwillig wie seine Beiz.

Am Anfang war ein Bienenhaus. Theo Niklaus übernahm dieses Bienenhaus vor 20 Jahren von seiner Nachbarin. Und begann damit, das Häuschen auszubauen. Er stellte Wände aus Blech und Karton rundherum auf und spannte eine Blache über das Ganze. Und begann zu wirten. Zuerst nur für seine Freunde und sich. Man traf sich zum Feierabendbier in Theo’s Bäsebeiz in der Rankwog. Mit einem Dieselaggregat wurde die Unterkunft beheizt. Irgendwann brannte die kleine Anlage nieder.

Also begann Niklaus von Neuem. Doch diesmal richtig. Mit Backsteinwänden, Glasfenstern und einer Ölheizung. Er schloss das Ganze an die Kanalisation an. Kontinuierlich baute er das Bienenhäuschen aus, 20 Jahre lang. Baute hier einen Raum an, erweiterte dort mit einem Wintergarten. Alles selbst gemacht, vieles improvisiert. In einem Anhänger ist ein Pizzaofen untergebracht. In einem alten Fasnachtswagen – grau, Backsteine aus Pappe, eine schwarze Maske hängt an der Tür – stapelt sich Brennholz. Ein anderer – dieser rot, drei Fenster, symbolisierte einst einen Zugswagen – wurde zu einem Fondue-Stübli. Das ganze Gelände gleicht einem Jahrmarkt: eine Ansammlung bunt zusammengewürfelter Gebäude.

Eigenwillig

Und inmitten dieser kunterbunten Sammlung sitzt Theo Niklaus und erzählt seine Geschichten. Denn Geschichten hat der 77-Jährige in seinem schwarzen Pulli mit der grauen Schirmmütze einige zu erzählen. Etwa aus seiner Jugend, als er in Olten auf dem Werkhof arbeitete. Bei der Kehrichtabfuhr. Einmal habe eine Frau auf einem Spaziergang den Dreck ihres Hundes nicht weggeräumt. Da sagte er zu ihr: «Putz das jetzt weg, sonst steck ich dir den Dreck in deine Handtasche.» Da habe er dann im Stadthaus antraben müssen.

Auch mit den Behörden in Trimbach hatte er später seine liebe Mühe. Das Arbeiten an der frischen Luft ist Seins. Holzen, Rasen mähen, aus einem Bienenhaus eine Beiz machen. Baugesuche eher weniger. «Jaja ich reiche dann schon wieder einmal Pläne ein», habe er jeweils der Bauverwaltung gesagt. Bis schliesslich die Quittung kam: Eine Busse, sämtliche Pläne des Grundstücks musste er neu machen.

Eigenwillig ist er, der Theo Niklaus. Stur, könnte man vielleicht sogar sagen. Sagt, was er denkt. «Wenn das jemandem nicht passt» – er zeigt auf die Holztür auf der anderen Seite des Raumes, hinter einem Hirschgeweih-Kronleuchter und Kuhglocken – «dort ist die Türe.» Dieser Theo Niklaus hat aber auch eine andere Seite. Die Wände seiner Beiz sind mit zig Porträts behangen. Er kennt sämtliche Personen darauf beim Namen. Wenn er nicht gerade wirtet und die Leute anfangen zu fragen «Wo ist der Theo jetzt wieder?», ist er mit Bestimmtheit in irgendeinem Garten für jemanden am Mähen. Oder sonst irgendwas am Chnorzen. «Es muss einfach immer etwas Laufen bei mir», sagt er. Kollegen, oder auch die Kinder, sagen dann: «Mach jetzt heute mal nichts. Gang i Garte chli ufe Ranze go lige. Foug ändlich mou!» Und ruht er sich dann tatsächlich auch aus? Er lacht nur.

Es war aber nicht immer alles nur Freude in seinem kleinen Paradies in Trimbach. In etwas leiserer Stimme erzählt Niklaus von Alkoholeskapaden. Von seiner Frau, die im eigentlichen Zuhause direkt über der Strasse abends gekocht hatte und von ihm, der mit seinem Kollegen in der Beiz am Trinken war. Von der Scheidung erzählt er. Und vom Tod seiner Frau, nur wenig später. Danach hörte Niklaus auf mit Trinken. Seit über zwölf Jahren ist er trocken. «Gopferdammi», sagt er heute. «Wieso ging das vorher nicht. Wieso konnte ich nicht vorher damit aufhören, als sie mich darum gebeten hat. Jetzt ist sie nicht mehr da.»

Noch vier Jahre

Noch vier Jahre darf Niklaus weitermachen. Solange hat ihm die SBB, der das Land gehört, zugesichert. Wie es dann weitergeht, weiss er nicht. «Das macht mir schon etwas Kummer», sagt er. Die Grills, die Festbänke, das Kochgeschirr: «Wo soll ich das alles hintun?» Aber er wisse halt auch: ewig könne er nicht weitermachen.

Und so wirtet Theo Niklaus in seinem kleinen Paradies vor sich hin. Und chnorzt immer mal wieder etwas. Immer unter Menschen, immer aktiv. Und weiss: «Einmal kommt der Tag, dann muss ich das alles abgeben.» Vielleicht, weil die SBB ihr Land zurückwill. Vielleicht, weil das Leben seinen Tribut fordert. «Wenn es ein schöner Tod ist, dann ist es halt so. Einmal kommt die Zeit, dann muss man gehen. Aber solangs mi no git, bini do. Denn do bini deheime.»

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