Debatte
Tempo 30 in Dulliken — Risiko oder Chance?

Vor der Abstimmung in Dulliken sind die Meinungen geteilt – der Präsident des Pro-Komitees und der zuständige Gemeinderat legen ihre Argumente für oder gegen die Einführung einer flächendeckenden 30er-Zone dar.

Merken
Drucken
Teilen

Bruno Kissling

Die Debatte: Soll eine Tempo-30-Zone eingeführt werden?

Am 24. September entscheidet die Dulliker Bevölkerung an der Urne. Über die flächendeckende Einführung von Tempo 30 in den Quartieren für 280 000 Franken sollte zwar an der Gemeindeversammlung vom Juni abgestimmt werden. Ein Antrag auf eine Urnenabstimmung wurde von den Anwesenden jedoch angenommen.

Pro von Markus Stauffiger: «Setzen wir der unrühmlichen Diskussion ein Ende»

Es gilt, Verantwortung zu übernehmen, diese Chance zu packen und etwas nachhaltig Positives für alle Generationen zu erreichen.

Die Tempo-30-Zone soll nicht nur eingeführt werden, weil sie bereits in zahlreichen Gemeinden auch in unmittelbarer Nähe von Dulliken erfolgreich umgesetzt worden ist, sondern weil sie Sinn macht.

Markus Stauffiger Präsident Komitee Pro Tempo 30

Markus Stauffiger Präsident Komitee Pro Tempo 30

zvg

Es liegt ein umfassendes Gutachten vor, welches eine Grosszahl von positiven Faktoren beweist. Könnte man Tempo 30 in den Wohnquartieren einführen und die seit dem Jahre 2001 laufende Diskussion beenden, wäre dies ein sehr positives Zeichen für unsere Bevölkerung. Für die Hardstrasse wird sogar seit 30 Jahren nach einer Lösung gesucht, nun liegt sie vor.

Wesentlich ist die tiefere Unfall- beziehungsweise Verletzungsgefahr, weil die Wirkung einer Geschwindigkeitsreduktion enorm ist und ausserdem die Anhaltestrecke bei 30 statt 50 km/h frappant verkürzt wird.

Die Lebens- und Wohnqualität in den Quartieren wird durch eine Tempo-30-Zone gesteigert und die Sicherheit für alle Fussgänger, insbesondere für die Kinder, wird erhöht. Weitere Effekte sind die Kanalisierung des Verkehrs auf die Hauptachsen sowie Verstetigung des Verkehrsflusses. Die positiven Reaktionen auf das vom «Pro-Komitee» im Dorf verteilte Flugblatt ist enorm. Die Bevölkerung, insbesondere die Familien mit Kindern, wartet richtiggehend auf die Umsetzung.

Es geht nicht um pro oder kontra Auto, sondern um mehr Sicherheit. Zu warten, bis sich ein Unfall ereignet, ist zynisch. Eigentlich muss sich jeder Stimmbürger und jede Stimmbürgerin nur die Frage stellen, was wichtiger ist: Zehn Sekunden mehr für die Durchfahrt einer Quartierstrasse zu benötigen oder die markante Steigerung der Sicherheit.

Diese Frage ist aus der Sicht des Komitees Pro Tempo 30 schnell beantwortet. Nicht Auto vor Sicherheit, sondern die Sicherheit kommt zuerst. Die Verantwortungsbewussten und diejenigen Autofahrer und Autofahrerinnen, welche gerne Rücksicht auf andere nehmen, stimmen daher der Vorlage zu.

Das Komitee ist davon überzeugt, dass es keinen seriösen Grund gibt, die Vorlage zu verwerfen. Auch die Kosten nicht, denn die Sicherheit darf auch etwas kosten, erhalten wir doch auf Jahre hinaus etwas Positives. Setzen wir der unrühmlichen Diskussion ein Ende.

Die Aussagen der Gegnerschaft, sie seien auch für die Sicherheit, aber das vorliegende Projekt passe ihnen gerade nicht, haben wir in den letzten 16 Jahren genügend gehört und gelesen. Das Konzept ist ausgewogen, einfach umsetzbar und kostengünstig – ein eindeutiges Ja zum Wohle der Bevölkerung, insbesondere der Kinder.

Kontra von Patrik Strahm: «Tempo 30 generiert eine falsche Verkehrssicherheit»

Alibi-Tempo-30-Zonen beruhigen nur das Gewissen der Politiker und der Anwohner.

Als Ressortleiter Bau, Planung und Infrastruktur sowie Vorsitzender der Arbeitsgruppe Verkehrsmassnahmen in Dulliken habe ich mich sehr intensiv und ausführlich mit dem Thema Tempo-30-Zone befasst.

Die Einführung von Tempo 30 wurde durch die Arbeitsgruppe und die Baukommission sorgfältig geprüft. Nach Sichtung von Unfallstatistiken, Radarmessungen sowie Gutachten der Uni Zürich und des TCS lehnte die Arbeitsgruppe und die Baukommission die Vorlage ab.

Daraufhin beschloss der Gemeinderat mit 4:3 Stimmen, dass über die Vorlage «Einführung Tempo 30 in den Quartieren» die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger entscheiden sollen.

Patrik Strahm SVP-Gemeinderat Ressortleiter Bau, Planung und Infrastruktur

Patrik Strahm SVP-Gemeinderat Ressortleiter Bau, Planung und Infrastruktur

Zur Verfügung gestellt

Die Einführung von Tempo-30-Zonen ist bei Politikern sehr beliebt. Es ist modern und fast schon normal, Tempo-30-Zonen als Verkehrssicherheit zu verkaufen. Einfach ein Schild mit Tempo 30 aufzustellen, generiert eine falsche Verkehrssicherheit.

Die Strassen müssten auch mit zusätzlichen teuren baulichen Massnahmen angepasst werden, damit sie auch als «Tempo-30-Zone» von den Benutzern wahrgenommen werden. Ohne bauliche Massnahmen verleitet die Strasse automatisch zu einer unaufmerksameren Fahrweise. Diese Unaufmerksamkeit wiederum verlängert den Bremsweg massiv und steht im Widerspruch zu den theoretischen Werten im Abstimmungsbüchlein.

Die bisherigen Verkehrsregelungen wie Stopp, kein Vortritt sowie die Hilfsmittel Spiegel und Fussgängerstreifen werden bei der Einführung von Tempo 30 entfernt. Für die Fahrzeuge gilt Rechtsvortritt und Fussgänger können die Strasse an jeder Stelle überqueren. Auch darin besteht ein erhöhtes Unfallrisiko, da viele Fussgänger mit ihrem Handy beschäftigt sind und zu wenig auf die Umgebung achten.

Gewisse Zweifel habe ich zudem, ob Tempo 30 eine gute Lösung für Kinder wäre, da die Fussgängerstreifen entfernt werden und der Verkehrssinn geschwächt wird. Die Lärmfrage würde als Einzige die Einführung von Tempo 30 in Dulliken rechtfertigen.

Kantonsingenieur Peter Heiniger führt aus, dass die Temporeduktion lediglich 1.5 Dezibel weniger Lärm verursacht. Mit einem neuen, geräuscharmen Fahrbahnbelag erreicht man eine Reduktion um sechs Dezibel. Was ich hingegen unterstützen kann, ist die zeitgesteuerte Temporeduktion vor den beiden Schulhäusern.

Packen wir doch die Probleme dort an, wo sie tatsächlich anzutreffen sind.

Was ist Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit. Pro und Kontra