Schönenwerd
Tanz-Atelier kämpft ums Überleben — Betreiberin versucht nun Tanzschule mit einer Spendenaktion zu retten

Nicht gedeckte Mietkosten, keine neu verkauften Quartal-Abos und Schulden aus dem 1. Lockdown im Frühling: Die Betreiberin des Tanz-Ateliers, Marzia Talamonti, sieht schwarz. Nun will sie versuchen, ihre Tanzschule mit einer Spendenaktion in eine Zeit nach Corona zu retten.

Noël Binetti
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Marzia Talamonti versucht, ihr Tanz-Atelier in Schönenwerd in die Zeit nach Corona zu retten.

Marzia Talamonti versucht, ihr Tanz-Atelier in Schönenwerd in die Zeit nach Corona zu retten.

Patrick Lüthy

Seit 2002 führt Marzia Talamonti das Tanz-Atelier im Niederamt. Sie übernahm es damals von ihrer Vorgängerin, nachdem sie selbst als Kind dort angefangen hat, zu tanzen. «Ich habe dort noch geputzt, um mir die Lektionen leisten zu können.»

Nach einigen Jahren Training begann sie, selbst zu unterrichten: «Zu Beginn nur nebenbei, ich habe damals noch voll gearbeitet.» Als Talamonti die Leitung des Ateliers übernahm, existierte es bereits 16 Jahre.

Schulden aus dem ersten Lockdown

Talamonti ist in Schönenwerd aufgewachsen. Heute lebt sie im Kanton Aargau. Ich habe zu Beginn laufend neue Klassen auf allen Levels gegründet.» Mit der Zeit kamen auch Showklassen hinzu. «Mit ihnen feierten wir Erfolge an Schweizer Meisterschaften und auch an internationalen Contests.»

Das Tanz-Atelier habe sich in den letzten Jahren gut entwickelt, das Angebot etablierte sich in den umliegenden Gemeinden. Zuletzt waren rund 150 Schülerinnen und Schüler in den Kursen eingeschrieben. Dann kam im Frühling der erste Lockdown, das Tanz-Atelier war bis im August geschlossen.

In dieser Zeit erhielt Talamonti lediglich das Geld für die Kurzarbeit, damit konnte sie die Löhne der zwölf im Stundenlohn angestellten Mitarbeiterinnen bezahlen. Die Betriebskosten blieben über Monate ungedeckt.

Nach den Sommerferien keimte Hoffnung auf. Die Wiedereröffnung stimmte die Gründerin zuversichtlich: «Das war schön. Rasch war wieder viel Betrieb und alle freuten sich, dass es wieder losging.»

Doch die finanzielle Lage blieb prekär. Der Vermieter des Lokals kam dem Tanz-Atelier nicht entgegen. Lange glaubte Talamonti, dass Geschäftsmieten zu drei Teilen aufgeteilt würden, zwischen Betrieb, Vermieter und dem Bund. Dann änderte die Politik diesen Kurs. Schlussendlich half Talamontis Schwester dem Tanz-­Atelier mit einem fünfstelligen Betrag über das Schlimmste hinweg.

Crowdfunding als Rettung für Tanz-Atelier

Dann kam die zweite Welle. Und mit ihr eine erneute Schliessung der Tanzschule, am 11. Dezember. Talamonti sagt: «Im Moment sehe ich wirklich schwarz.» Für das Tanz-Atelier wären es die wichtigsten Monate, jetzt würden die Abos für das kommende Quartal verkauft. «Damit könnte ich die laufenden Kosten decken. Stattdessen haben wir geschlossen und wissen nicht, wann wir wieder öffnen dürfen. Darum habe ich keine Rechnungen versandt.»

Geld vom Bund hat das Tanz-Atelier nicht erhalten. «Ich habe zahlreiche Formulare dafür ausgefüllt, nur, um am Ende nichts zu erhalten.» Talamonti hat auch mit der Gemeinde gesprochen, diese will abklären, warum die Schule nicht unterstützt wurde. «Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es das Tanz-Atelier nicht mehr geben soll», sagt Talamonti. So viele Kinder und Jugendliche würden vom Angebot profitieren, die Stimmung und auch der Kontakt mit den Eltern sei immer gut gewesen.

Eine Freundin und ehemalige Tanz-Schülerin Talamontis hatte die Idee: Sie startete auf der Schweizer Crowdfunding-­Plattform «Funders» einen Spendenaufruf. So soll das Tanzatelier in die Zeit nach der zweiten Welle gerettet werden. Die Hürde ist auf 20'000 Franken angelegt: «Damit könnte ich die seit dem Frühling angelaufenen Schulden bezahlen. Danach müssten wir schauen, wie es weitergeht», sagt Talamonti. Die Sammlung ist bis am 1. März 2021 angelegt.