Draussen eitel Sonnenschein, drinnen gemischte Gefühle: Am Samstag lud der Kanton Solothurn zum Tag der offenen Tür in der Asylunterkunft Gretzenbach.

Hinunter gehts in den Keller der Anlage, wohin weder Sonnenlicht noch Natelnetz dringen. Im Speisesaal – zwei Reihen Tische und die dazugehörigen Stühle machen ihn dazu – begrüsst Gemeindepräsident Daniel Cartier die rund siebzig Personen, die sich an den Wänden drängen: Familien mit Kindern, ältere Paare, Einzelpersonen. In der Mehrheit Gretzenbacher, die aus «Gwunder» und «Interesse» gekommen sind.

Nie belästigt gefühlt

Bevor die ersten Asylsuchenden vor vier Monaten in das Durchgangszentrum einzogen, gingen die Emotionen hoch im Dorf.Es habeseit dem Bezug jedoch keine nennenswerten Zwischenfälle gegeben, sagt Daniel Cartier. Kantonspolizist Thomas Guldimann vom Posten Schönenwerd bestätigt dies: Einzig ein Querulant habe die anderen Bewohner aufgewiegelt, er wurde in ein anderes Asylzentrum verlegt. Sonst keine Schwierigkeiten. Alle zwei Wochen kommt die Polizei zur Kontrolle und tauscht sich mit den Mitarbeitern der Firma ORS aus. Diese betreuten die Asylsuchenden und geben ihnen eine Tagesstruktur.

Der Gemeindepräsident bedankt sich bei der Gretzenbacher Bevölkerung und insbesondere den Anwohnern des angrenzenden Jöriwegs. Zu diesen gehören auch Georges und Silvia Schildknecht, beide 72. «Entgegen allen Befürchtungen - die wir nie teilten - ist nie etwas Negatives vorgefallen. Wir dachten einfach: abwarten und schauen», sagen sie. Auch die 66-jährige Vreni Von Arx zeigt sich positiv überrascht: «Wir lassen die ganze Nacht das Fenster auf, ich dachte, es könne Ärger geben. Aber es ist ruhig. Ich habe mich nie belästigt gefühlt.»

In der kleinen Küche neben dem Esssaal wird Gemüse geschnitzt, im grossen Topf auf dem Herd köchelt es bereits. Später wird allen Gästen ein orientalisches Mittagessen serviert. Zubereitet wird es von Freiwilligen des «MeetingPoints Gretzenbach», der zweimal die Woche etwas mit den Asylsuchenden unternimmt.

David Kummer vom Amt für Soziale Sicherheit bedankt sich derweil im Namen des Kantons für die «tolle Zusammenarbeit» mit der Gemeinde. Kummer meint, dass die Zahl der Asylsuchende bei wärmeren Temperaturen wohl wieder steigen werde. Derzeit wohnen nämlich lediglich 18 Männer im Alter von 18 bis 50 in der Asylunterkunft, die hundert Personen aufnehmen könnte. Die Männer kommen aus Bangladesch, Sri Lanka, dem Irak, Syrien, Libyen, Eritrea, dem Kongo, der Türkei und Afghanistan.

Wie es ihnen hier gefällt? Der 24-jährige Afghane Hafiz Hamnuwa äussert sich verhalten auf Englisch: soso lala. Hier unter der Erde vermisse er das Wetter, und rausgehen sei momentan keine Option, weil zu kalt. Der 16-jährige Afghane Imran Mohmand wirft in bruchstückhaftem Deutsch ein: «Ich möchte in die Schule gehen. Was ich hier den ganzen Tag mache: lesen, schlafen, fertig.»

Nicht auf Rosen gebettet

Auf eigene Faust erkunden die Besucher die Zivilschutzanlage. Vorbei an zahlreichen Spinden gelangen sie zu mehreren Massenschlägen aus 3er-Hochbetten. «Ich hoffe, dass die Leute hier Unterhaltung haben und aus dem Loch rauskommen», sagt der 56-jährige Dieter Hartmann, der 100 Meter von der Asylunterkunft entfernt wohnt. «Es ist wohl nicht wahnsinnig toll, hier unten die Zeit zu verbringen.»

Die 52-jährige Susanne Roos, die früher in Gretzenbach wohnte, meint angesichts der Schlafstätten: «Ich sehe schon, dass sie hier nicht auf Rosen gebettet sind. Aber hier haben sie Frieden und kriegen alles. Es gibt Leute, die dafür nicht dankbar sind.» Diese Erfahrung habe sie nicht persönlich gemacht, aber das lese man ja alle Tage. Und was sie gar nicht versteht: «Die haben alle Natels und schöne Kleider. Macht man all das auch für obdachlose Eidgenossen?»

Weiter gehts die Treppe rauf, dort befinden sich Duschen und Toiletten. Ein stechender Geruch liegt in der Luft. Familie Tinner ist «wegen der Kinder» gekommen. Die beiden Buben im Alter von 6 und 8 wollten die Anlage sehen. Rolf und Sabine Tinner sagen: «Man hört Positives und Negatives im Dorf. Uns ist es gleich, was hier passiert, solange sie uns in Ruhe lassen.»