Lostorf

Swisscom plant neue Antenne: «Eine 20 Meter hohe Rakete – gahts no?»

Der Lostorfer Weiler Mahren ist derzeit ein Funkloch für alle Swisscom-Nutzer. Das soll sich mit der geplanten Antenne an der Mahrenstrasse 130 ändern.

Am Dienstagabend informierte die Swisscom über den geplanten Bau einer neuen Mobilfunkantenne in Mahren. Damit wurden bei den Lostorfern sämtliche Emotionen geweckt.

Schon Minuten vor 19 Uhr wird es wie selbstverständlich still. Die rund 60 Personen in der Aula des Lostorfer Schulhauses sind parat und wollen jetzt wissen, was die Herrschaften da vorne zu sagen haben. Urs Indermühle und Franco Merola von der Swisscom sind gekommen, um über die geplante Mobilfunkantenne in Mahren zu informieren.

Anlässe dieser Art können Emotionen freisetzen, das kennt man – und es ist in diesem Fall nicht anders. Das Publikum hört aufmerksam zu, bleibt vorerst ruhig. Kurz vor Abschluss der Präsentation redet dann doch einer drein – und der Bann ist gebrochen. Es folgt eine eineinhalbstündige lebhafte Diskussion, in der sowohl Befürworter als auch Gegner zu Wort kommen. Letztere öffnen schon mal ihr Überdruckventil, um ihrem Ärger Luft zu verschaffen.

Ein Funkloch für Swisscom-Kunden

Indermühle und Merola sind nicht zu beneiden. «Ignoranz!» ist der schärfste Vorwurf, den sie sich gefallen lassen müssen. Sie verfolgten ausschliesslich die Swisscom-Interessen und ignorierten die Befindlichkeit der Bevölkerung völlig. Sie versteckten sich hinter dem viel zitierten Auftrag, für ihre Kundschaft ein möglichst gutes Netz zur Verfügung zu stellen.

Einigkeit herrscht diesbezüglich, als dass Mahren für Swisscom-Nutzer ein Funkloch darstellt – kaum Empfang, ein einziges Ärgernis. Aber bitte, es nutzten ja nicht alle Mahrener Swisscom, und für die paar Leute soll eine solche Sache gemacht werden? Und wenn schon, dann bitte nicht mitten im Dorf, sondern irgendwo ausserhalb. «Eine 20 Meter hohe Rakete – gahts no?»

Der Haken heisst: Raumplanungsgesetz

Projektleiter Merola suchte laut eigener Aussage früh den Kontakt zu den Behörden, die als Standort drei Hochspannungsmasten vorschlugen, gelegen ausserhalb der Wohnzone. Tönt gut, denn da gehören ungeliebte Funkantennen doch hin. Die Sache hat einen entscheidenden Haken, der da lautet: Raumplanungsgesetz.

Es sieht vor, dass Mobilfunkantennen in der Bauzone stehen müssen. Ausnahmen sind möglich, wenn nachgewiesen werden kann, dass ein bestimmter Standort ausserhalb der Bauzone die bessere Abdeckung ermöglicht. Das ist in Mahren nicht der Fall, weshalb die Swisscom gar nicht erst eine Ausnahmebewilligung für einen Hochspannungsmasten anzustreben versucht. Das Grundstück an der Mahrenstrasse 108 sei, so Merola, der funktechnisch bestmögliche Ort, und der Besitzer einverstanden mit dem Bau.

Die Behörden können nicht viel tun

Aus dem Publikum kommt wiederholt die Forderung an die Behörden um Gemeindepräsident Thomas Müller, sich konsequent für die Anliegen der Bevölkerung in dieser Sache einzusetzen. Die Möglichkeiten indes sind beschränkt. Wenn die Voraussetzungen gegeben seien, so Müller, habe jemand hierzulande das Recht, bauen zu können. Haus oder Antenne, spiele keine Rolle. Und in diesem Fall sei es halt die Swisscom, die diese Voraussetzungen erfüllt.

Das Beispiel in Mahren zeigt nicht zuletzt die Tücken der schweizerischen Demokratie. Unsereiner, der Krethi und Plethi wählt und über Dies und Das abstimmt, möchte doch auch zum Standort eines elektromagnetische Wellen aussendenden, hässlichen Bauwerks seinen Senf geben können. Doch ausgerechnet hier gelten die engen Leitplanken des Raumplanungsgesetzes, dessen Revision das Stimmvolk vor ein paar Jahren angenommen hat.

«Das ist doch völlig schräg!»

Nun also beeinflusst das Gesetz das Wohlbefinden zahlreicher Mahrer und lässt sie ohnmächtig zurück. Und wenn dann noch Vergleiche zwischen dem Raumplanungsgesetz und den lokal geltenden Vorschriften angestellt werden, wird der Klumpen in der Magengegend des freiheitsliebenden Bürgers umso grösser. Wolle er eine Lukarne einbauen, so ein Besucher, gebe es Probleme, aber ein «20 Meter hoher Turm» werde zugelassen. «Das ist doch völlig schräg!»

Franco Merola stellte am Dienstagabend in Aussicht, weiterhin mit den Behörden den Dialog zu pflegen und allfällige neue, «bewilligungsfähige» Standortvorschläge zu prüfen. Kein Zweifel bestehe darin, dass das Funkloch in Mahren gestopft werden soll, und wenn die Swisscom die Lösung an der Mahrenstrasse 108 sehe, werde sie sie dort realisieren. Bewegt das Projekt sich im Rahmen der Vorschriften, werden es auch die zahlreich angedrohten Einsprachen schwer haben. Das Baugesuch der Swisscom liege eingabebereit in der Schublade. Es scheint gute Chancen zu haben, bewilligt zu werden.

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