Obergösgen

Swing und Walzer verwandeln Kaffeehauskonzert in ein Thé dansant

Zum Kaffeehauskonzertin der Mehrzweckhalle Obergösgen hätte das Publikum auch locker das Tanzbein schwingen können.

Zum Kaffeehauskonzertin der Mehrzweckhalle Obergösgen hätte das Publikum auch locker das Tanzbein schwingen können.

Am traditionellem Kaffeehauskonzert des Orchestervereins Niederamt in Obergösgen gabs Tanzmusik.

Jeweils im Herbst lädt der Orchesterverein Niederamt (OVN) zu einem Kaffeehauskonzert ein. Dieses Jahr setzte er «Swing and Waltz» als Headline über sein Programm und unterhielt das Publikum in der vollbesetzten Obergösger Mehrzweckhalle mit klar in der Tanzmusik angesiedelten Stücken.

Deshalb war das Kaffeehauskonzert auch ein Thé dansant. Man hätte am letzten Sonntagnachmittag locker einen Walzer drehen oder zu swingenden Bigbandmelodien das Tanzbein schwingen können.

Eröffnung im Bigband-Sound

Der Niederämter Orchesterverein unter der Leitung von Hugo Bollschweiler eröffnete das Konzert mit dem schmissigen «American Patrol», einem Bigband-Standard, den das Glen Miller Orchestra in den 1940er Jahren populär gemacht hatte. Dabei wurde der führende Part der Hauptmelodie durch die Bläserformation übernommen, während das Gros der Streichinstrumente, zum Teil auch bloss gezupft, für die symphonische Einbettung sorgte. 

Ebenfalls ein Foxtrott war anschliessend der Titelsong des Filmmusicals «I’m Singin› in the Rain». Die Sequenz, in welcher Gene Kelly ausgelassen in die Regenpfützen hüpft, ist die Mutter aller Tanzszenen und machte Kelly 1952 weltberühmt.

Nach diesem swingenden Auftakt wechselte das gut aufgestellte Orchester die Stilrichtung, vorerst aber nicht die Epoche. Beim «Masquerade Waltz» des armenischen Komponisten Aram Khachaturian aus dem tragischen Schauspiel «Maskerade» von 1941 handelt es sich um jenen Walzer, den die Hauptperson Nina mit dem Prinzen tanzt. Im Spiel des OVN hörte man förmlich das Beben des eifersüchtigen Ehemanns von Nina. Überdies verschafft dieses Werk bereichernd neue Hörerlebnisse. Zum Entscheid, auch im weiteren Auftritt auf die Schlager der Wiener Walzerkönige Strauss zu verzichten, ist das Orchester nur zu beglückwünschen.

Ballettmusik und Konzertwalzer

In Abweichung vom gedruckten Programm fuhr der OVN im Walzertakt fort und zog die Ballettmusik zum Tanz der zum Leben erweckten Holzpuppe Coppelia vor. Schliesslich intonierte das Ensemble den Konzertwalzer in D-Dur von Alexander Glazounow, bevor es mit «A Touch of Jazz» den ersten Teil des Konzerts abschloss. Bei diesem Medley von Jazzstandards waren unter anderen «It don’t mean a thing if it ain’t got the swing» von Duke Ellington oder das im ungeraden 5/4-Takt rhythmisch anspruchsvolle «Take Five» des Dave Brubeck Quartets herauszuhören.

Nach der Kaffee- oder Teepause fuhr der Orchesterverein wieder mit einem swingenden Block fort. Das Stück «Headliner» wurde vom Saxofonisten des Hazy Osterwald Sextetts, Dennis Armitage, komponiert. Der Titel des folgenden «The Lone Arranger» spielt mit den Worten Lone Ranger (der einzelkämpferische Westernheld Texas Ranger aus der Fernsehserie) und Lone Arranger (der einsame Arrangeur).

Volksmusik à la Bach und Verdi

Musikalische Unterhaltung auf hohem Niveau bot das Orchester beim parodistischen Werk «’S kommt ein Vogel geflogen» des Berliner Komponisten Siegfried Ochs. Ochs nahm diese Volksmusikmelodie, welche wir als «Roti Rösli im Garte» kennen, und arrangierte sie in der Tonsprache von bedeutenden Komponisten wie Bach, Verdi, Schumann oder Gounod. Nach einem Liebestraum-Walzer schloss das OVN den Kreis zu einem weiteren Jazz-Potpourri, dem «Jump Swing Fever».

Nach den beiden Sets zu dreiviertel Stunden erzwang das Publikum zwei Zugaben, die ihnen der Orchesterverein mit «American Patrol» und dem «Swingin› Shepherd Blues» aus dem «Touch of Jazz» gerne gewährte.

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