Der Niedergösger Gemeinderat wird dieses Jahr zum ersten Mal still gewählt. Die Liste «CVP und Unabhängige» blieb bis zum Ablauf der Eingabefrist am Montag, 27. März, um 17 Uhr die einzige (wir berichteten).

Und das, obwohl nach dem viel diskutierten Rücktritt der SP- und SVP-Gemeinderäte vor einem Jahr die Erwartungen an deren Listen hoch waren. Auch bei der FDP, die bis jetzt im Rat vertreten ist, ging man davon aus, dass sie wieder antritt. Im Rahmen einer kleinen Umfrage im Dorf äussern sich Niedergösger kritisch zu dieser Entwicklung.

Suche nach Gründen

Am Dienstagmorgen, rund eine halbe Woche nach Bekanntgabe der stillen Wahlen, spaziert Ursula Hug kurz nach neun mit ihrem Hund beim Altersheim vorbei. Von den stillen Wahlen hat sie noch nichts gehört und findet: «Es ist nicht in Ordnung, dass nur eine Partei antritt.»

Etwas weiter Richtung Erlinsbach stehen drei Rentner, die auf Italienisch diskutieren. Sie wissen von den stillen Wahlen, weil einer von ihnen der Vater der neuen Gemeinderätin Angela Geiser-Renna ist. Sie halten sich jedoch nicht über Parteipolitik auf, sondern beklagen das Wegsterben der Läden im Dorf.

Die einzigen Niedergösger im gut besuchten Café Bank sind kurz vor elf Hans Eng und seine Frau. Der Rentner ist in Niedergösgen aufgewachsen. Er versucht zu begründen, weshalb es heute keine grossen Kämpfe mehr gibt: «Das Amt ist nicht mehr attraktiv. Man kann nichts verändern, weil dazu die Mehrheit im Gemeinderat nötig ist.» Zu der erfolglosen Kandidatensuche meint Eng lachend: «Mich haben sie auf jeden Fall nicht gefragt.»

Beide Seiten in der Pflicht

Da am Vormittag nur wenige Niedergösger im Dorf anzutreffen waren, ergänzen wir die Umfrage durch ausgewählte Stimmen am Telefon. Peter Spielmann, der schon lange in Niedergösgen wohnt, meint: «Wenn eine einzige Partei ohne Wahlen den Gemeinderat stellt, kommen zu wenige Personen zu Wort.» Der 63-Jährige hat auf starke Listen von links bis rechts gehofft und ist enttäuscht, dass die andern das Feld kampflos der CVP überlassen haben.

Er sieht aber nicht nur diese Parteien in der Verantwortung: «Der Stärkere, in diesem Fall der Gemeindepräsident, sollte Hand bieten. Er sollte über den Parteien stehen können und versuchen, alle an einen Tisch zu bringen.»

Ein Niedergösger, der wegen seines Geschäfts nicht genannt werden möchte, sieht es als Problem, dass die CVP als Mehrheitspartei den Ausgang der Abstimmungen im Gemeinderat jeweils bereits an der vorhergehenden Fraktionssitzung bestimmen konnte. Er stellt fest: «Es gab in den letzten zwölf Jahren viele gute Gemeinderäte aus allen Lagern, die nach höchstens vier Jahren frustriert zurückgetreten sind.»

«Das wirkt negativ»

Damian Corradini findet es sehr unüberlegt von SP und SVP, aus dem Rat auszutreten und danach nicht mehr anzutreten. «Diese Parteien hinterlassen einen unorganisierten Eindruck.» Auch die stillen Wahlen sieht er kritisch und sagt: «Dass man erst nach dem Ablauf der Eingabefrist viel von diesen Wahlen hört, finde ich dubios.» Ausserdem ist der 20-Jährige der Meinung, dass die jetzige Situation dem «ohnehin angeschlagenen Image» der CVP schade und sich möglicherweise negativ auf weitere Wahlergebnisse auswirke.